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Editor's Mind Angelica Pral-Haidbauers Kolumne

Editor's Mind | 29.11.2016

Die perfekte Komposition

Wisst Ihr, wann ich Herzklopfen bekomme? Wenn ich Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie höre. Nicht, weil sie eine Zäsur in der Musikgeschichte darstellt, sondern weil sie Themen der Freude zum Inhalt hat. Und weil mein Herz im letzten Satz „Seid umschlungen, Millionen!“ stürmisch zu rasen beginnt. Bis zu diesem aufregenden Maestoso schafft Beethoven aber immer wieder Platz für Neues, präsentiert sein musikalisches Leitthema immer wieder anders, wechselt Tempi und setzt Pausen. Lässt sich diese Komposition nicht wunderbar auf unser Leben übertragen?

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(© Doris Schwarz-König)

Meiner Lieblings-Sinfonie wurde jetzt in St. Pölten eine weitere Bedeutung eingehaucht, nämlich die eines großartigen Vermittlungsprojektes. Erstmals standen 500 (!) Sängerinnen und Sänger jeden Alters und unterschiedlichster Herkunft gemeinsam mit dem Tonkünstler-Orchester unter der Leitung von Yutaka Sado auf der Bühne des Festspielhauses und bereiteten dem Publikum neben gehöriger Gänsehaut ein in dieser Dimension noch nie dagewesenes Klangerlebnis: „Seid umschlungen, Millionen!“ als ein kräftiges Zeichen für ein Miteinander, als ein außergewöhnliches Projekt, welches das Motto der Europäischen Union „In Vielfalt geeint“ aufnimmt, und uns ermuntert, bei aller Unterschiedlichkeit mit Gleichklang in die Zukunft zu gehen. 

Unsere Kompositionen mit Moretti & Co.

Liebe LeserInnen, auch in unserer „Komposition“ der Dezember/Jänner-NIEDERÖSTERREICHERIN haben wir uns bemüht, Euch interessante Themen unter den verschiedensten Vorzeichen zu präsentieren (ab sofort in der Trafik!). Feinen Tönen sind wir gefolgt, als wir den Star-Bariton Günter Haumer und seine talentierte Familie in ihrem Heim in St. Andrä besuchten; exklusive Interviews mit der aus Biedermannsdorf stammenden „Buhlschaft“ Stefanie Reinsperger sowie ihrem kongenialen Partner als „Jedermann“, Tobias Moretti, führten uns mitten in die ersten Überlegungen ihrer Rollen-Improvisationen, denn die beiden werden als neues Dream-Team das Spiel am Salzburger Domplatz 2017 neu definieren. Einen Vorzeichenwechsel erfahren wir in unserem Gespräch mit der Landeshauptmann-Stellvertreterin Johanna Mikl-Leitner, die mit uns über ihre Perspektiven in der Landespolitik für 2017 spricht. Eine Geschichte ohne Misstöne. Und schließlich folgen auch unsere Mode- und Geschenkeseiten einer harmonischen Tonart, welche Euch mit vielen Tipps vor einem furiosen Einkaufsmarathon in den letzten Tagen vor Weihnachten bewahren sollen. 

Eure Kompositionen für 2017

Kompositionen, perfekte Zusammensetzungen spielen also in vielen Bereichen unseres Lebens eine tongebende Rolle. Vielleicht wäre dieser Jahreswechsel ein geeigneter Zeitpunkt, um sich von unbefriedigenden Improvisationen zu verabschieden, das Leben ein Stück neu zu komponieren? Sollte auch Euer Leben immer schneller geworden sein, so zeigt uns die Musik etwas sehr Vernünftiges auf: Kehren wir zurück zu einer angemessenen Geschwindigkeit, setzen wir Pausen. Pausen haben eine gliedernde Funktion, sie strukturieren und erzeugen Spannung. Wartet der Dirigent zu lange, reißt die Spannung. Wartet er zu kurz, verschenkt er einen Teil – wie im Leben. Gönnt Euch also eine Pause, genießt unsere neueste Ausgabe, komponiert Euer eigenes Tempo. Die Musik hat als tempo ordinario unseren Pulsschlag, 60 bis 80 Schläge in der Minute. Ein Allegro ist doppelt so schnell, ein Largo halb so schnell …

Euch allen eine stimmungsvolle Weihnachtszeit und ein gesegnetes neues Jahr!

Eure Angelica Pral-Haidbauer

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