Loading…

Editor's Mind Angelica Pral-Haidbauers Kolumne

Editor's Mind | 01.06.2017

Bewegte Zeiten

"Man konnte plötzlich über Dinge sprechen, die davor tabu waren", verriet mir Sissi Pröll. Von diesem unvergesslichen Gespräch und anderen famosen Frauen erzählt unsere Juni-Ausgabe.

Bild IMG_4062.JPG
Sissi Pröll mit Chefredakteurin Angelica Pral-Haidbauer (© Viktória Kery-Erdélyi)

„Man konnte plötzlich über Dinge sprechen, die davor tabu waren“, erzählte mir Sissi Pröll, als wir von ihrer Jugend in der sogenannten „68-er Generation“ sprachen. Jene Zeit der gesellschaftlichen Revolution, die in mir rührende Bilder entstehen ließ. Als die Beatles wissen ließen „All you need is love“ und Scott McKenzie mahnte, die Blumen im Haar nicht zu vergessen, wenn wir nach San Francisco gehen. Und plötzlich war San Francisco überall. Freie Liebe und Gerechtigkeit waren das Mantra der Stunde, verkündet mit nur zwei Fingern: Peace! Nie zuvor lebten junge Menschen, gehüllt in indische Gewänder und die Füße befreit in Christus-Sandalen eine derartige Verbundenheit mit der eigenen Generation, beflügelt von John Lennons Ideal einer „Brotherhood of Men“ und auf der Suche nach einer neuen Lebensalternative, für die sie bereit waren, alles in den indischen Sand zu setzen. Einen Sommer lang, 1968.

Doch die Realität des Herbstes ließ den kollektiven Traum wie eine Seifenblase zerplatzen. „Love & Peace“ wurde überholt von einem neu entstandenen Wertesetting aus Karriere und Erfolg, welches auch die Rolle der Frau neu schrieb. Verlangt uns seither der viel zitierte Spagat zwischen Beruf und Familie auch Einiges ab, so zwingt er uns doch nicht in die Knie. Und so stehen heute die blumengeschmückten Mädchen von damals den jungen Müttern von heute als Großmütter nicht immer zur freien Verfügung, denn im zweiten Sommer ihres Lebens starten sie noch einmal durch, beflügelt durch eine Form der Lebenslust, die auf Eigenständigkeit und Selbstbestimmung basiert.

Bild 1706_N_Kultur_MayaHakvoort_EMS5295.jpg
Energiebündel Maya Hakvoort über ihre Rolle als 90-Jährige (© Emmerich Mädl)

Liebe LeserInnen, diese Ausgabe erzählt die Geschichten wunderbarer Frauen: Sissi Pröll, die sich viel aus dem Gedankengut ihrer Jugend mitgenommen hat, und als sechsfache Großmutter mit vollem Engagement den Verein „Hilfe im eigenen Land“ weiterführt. Unsere Redakteurin Maria Russ hat die Nahost-Expertin Karin Kneissl getroffen, die zu den Themen politischer Islam und fehlender Realismus in der Politik aufgrund ihrer immensen Erfahrung Klartext spricht, gemäß ihrem Leitsatz: „Lieber will ich durch Wahrheit anstoßen, als durch Schmeichelei gefallen“. Viktória Kery-Erdélyi sprach mit Musicalstar Maya Hakvoort, die gerade 50 wurde, die Rolle der 90-jährigen Gina in „Don Camillo & Peppone“ spielt, und doch gerne nochmals 20 wäre. Von Ulli Wright erfahren wir, wie unsere Cover-Lady Silvia Schachermayer Beruf und Familie unter einen Hut bringt. Last but not least geht es um eine Frau, die in ihrem weiblichen Selbstverständnis ihrer Zeit weit voraus war: Alma Mahler-Werfel, die Femme fatale des 20. Jahrhunderts. Die Weinviertler Autorin Claudia Nemec machte sich auf die Spuren dieser berühmten Salonière und fand in der Österreichischen Nationalbibliothek Almas „Koch-Buch“. Aus diesen persönlichen Rezepten, die sie nicht nur ihren Ehemännern Gustav Mahler, Walter Gropius und Franz Werfel, oder ihrem Geliebten Franz Kokoschka servieren ließ, sondern damit auch die größten Künstlerpersönlichkeiten dieser Zeit bewirtete, haben wir für Sie drei Rezepte zum Nachkochen ausgewählt.

Und: mit unseren Styling-Tipps, wie sie Ihr Haar locken, wickeln und flechten, sind Sie auch für ein Revival von „San Francisco“ gerüstet - aber vergessen Sie die Blumen nicht! Denn mit Blumen in den Zöpfen, einer gesunden Portion Humor und jeder Menge Frauenpower überstehen wir auch jene „Revolutionen“, die uns dieses Leben (vielleicht) noch bescheren wird.

Holt Euch jetzt Eure Juni-NIEDERÖSTERREICHERIN!

Herzliche Grüße, Peace & Happyness,

Eure Angelica Pral-Haidbauer

comments powered by Disqus