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Life & MindstyleGlücksblog

Life & Mindstyle | 18.05.2016

Entschuldige bitte ...

Gehörst Du auch zu denjenigen, die sich wegen alles und jeden entschuldigen? Schluss damit!

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... Blumen für ... für was eigentlich? © iStock by Getty Images

Wenn man im world wide web nach einem Synonym für „Entschuldigung“ sucht, findet man so einiges. Z. B.: Ausrede – Entlastung – Fürsprache – Notlüge – Rechtfertigung – Verteidigung – Verzeihung – Vorwand - Vorspiegelung.

All das und noch viel mehr wollen wir auch sagen, wenn wir uns Entschuldigen. „Sich entschuldigen, höflich und lieb sein - das tut man einfach!“ Lernen wir schon in der Kindheit. Es gehört quasi zur guten Erziehung!

An sich natürlich wichtig für einen gesunden und respektvollen Umgang miteinander. Aber ist es manchmal nicht doch zu viel der Höflichkeit? Frauen sagt man nach, sie Entschuldigen sich bei jeder Möglichkeit – kann das stimmen?

Eine Studie der Uni Stanford bestätigt das (leider). Nur warum ist das so? Ich hatte einmal eine Klientin, die sich in der ersten viertel Stunde unseres ersten Gespräches so oft entschuldigt hat, dass ich mich gar nicht mehr auf ihre Erzählungen konzentrieren konnte, also unterbrach ich sie höflich und teilte ihr dies mit. Was ist passiert? Sie hat sich für die Entschuldigungen auch noch entschuldigt.

Es besteht Grund zu der Annahme, dass Mädchen in der Kindheit eher dazu angehalten werden, zu gefallen, als in Konfrontation zu gehen und sich vielleicht gegen die Meinungen anderer durchzusetzen. Die Tendenz geht bereits zurück. Zum Glück, denn die unnötigen Entschuldigungen sind meist angelernt und dadurch gut verankert, so dass wir das „Sorry! Tut mir leid" etc. unbewusst - wie im Reflex einfach dazu sagen.

Manchmal liegt es an mangelndem Selbstbewusstsein. Manchmal daran, weil wir glauben, wir machen jemandem extra Umstände oder stoßen jemanden vor den Kopf, oder …


•Wenn die gewünschte Hose, die die Verkäuferin gebracht hat, doch zu klein/groß ist und sie nochmal gehen muss … (Obwohl es zu ihrem Job gehört und sie es vermutlich sogar gerne macht.)

 
•Wenn der Kellner sich gerade Deine Essensbestellung im Restaurant notiert hat, Dir aber erst danach einfällt, dass Du statt dem Salat nun doch lieber das saftige Steak willst …

 
•Wenn Du schon bei der Kassa stehst und Dir auffällt, dass Du etwas vergessen hast oder Du etwas doch nicht nehmen willst …

 
•Wenn Du nein sagen willst, aber ein schlechtes Gewissen hast, da Du denkst, ein NEIN alleine wäre womöglich zu hart …

 
•Wenn Du eine Zwischenfrage stellen oder Dich in ein Gespräch einbringen willst …

 
•Wenn Du in der überfüllten U-Bahn zum Ausgang willst … (Ein „Dürfte ich mal durch“ tut es auch.)

 
•Wenn Du Dir mal ein größeres Stück vom Kuchen nehmen willst. ODER ...

 

Nicht immer sprechen wir Entschuldigungen verbal aus. Das brauchen wir auch nicht. Unser Körper spricht ohnedies Bände. Wir machen uns (unnötig) kleiner, ziehen den Kopf ein, ducken uns, lächeln (verunsichert) o. ä. So wollen wir übrigens möglichst harmlos wirken. Auch ein: "Könntest du bitte ausnahmsweise ...." o.ä. fällt in diese Kategorie.

Die gute Nachricht: Im Regelfall wissen wir, was wir mit der Entschuldigung erreichen möchten und wir können lernen, uns selbst damit nicht unnötig in die Schranken zu weisen - was wir mit den Reflex-Entschuldigungen - also den Floskeln - nämlich tun.

Um Verzeihung bitten ist natürlich auch etwas Positives. Jeder hat bestimmt schon mal erlebt, dass eine ehrlich gemeinte Entschuldigung Menschen einander wieder näher bringen kann oder brenzlige Situationen dadurch entschärft werden können.

Klar ist aber auch: Wir brauchen uns nicht dafür entschuldigen, wenn wir eine andere Meinung vertreten als Andere, wenn wir jemanden um Hilfe bitten oder wir einen Rat brauchen, wenn man Zeit für sich nehmen möchte, oder man sich einfach mal etwas gönnen will. Zudem stärkt das beiläufig auch unser Selbstbewusstsein.

 

Dieser Hund kann das ganz gut - um Verzeihung bitten. Wofür weiß er vielleicht gar nicht ...

 

ÜBRIGENS: Der Grund warum Mann sich nicht so oft entschuldigt, ist recht simpel: Er sieht oft keinen Anlass dazu bzw. ist er sich einfach manchmal auch gar nicht bewusst, etwas gemacht zu haben, wofür er sich entschuldigen müsste. Das ist dann meistens der Punkt, wo Frau langsam anfängt ungemütlich zu werden. Weniger ist nicht immer mehr - aber dennoch können wir uns manchmal ein Scheibchen davon abschneiden.

 

Raus aus dem Entschuldigungs-Reflex? So geht's!

--> Achte einfach einmal wirklich konkret darauf, wie Du in unangenehmen Situationen reagierst und agierst – und zähle in Zukunft bis 5, bevor Du reagierst/agierst. Du wirst nach ein paar mal bereits merken, wo eine Entschuldigung wirklich nötig ist und wo Du sie Dir sparen kannst.

--> Starte Deine persönliche "Extreme-Challenge": Denke Dir 3 Tage lang ein „Tut mir leid“, „Entschuldige“, „Sorry“ o.ä. vor JEDEN Satz, denn Du sagen wirst. Du wirst merken, dass es Dir bald zu mühsam ist und auch lächerlich erscheint. Es wird nicht lange dauern und der Automatismus wird sich einstellen.

Falls es Dir zu Beginn allein doch zu schwer fällt, kannst Du auch Freunde/Bekannte, die Dir gut gesinnt sind mit einbeziehen und sie bitten, Dich nett auf Deine "Entschuldigungen" hinzuweisen. Auch das wird helfen, wer wird schon gern auf etwas (unangenehmes) hingewiesen?

Oft hilft es schon, sich seines eigenen Verhaltens bewusst zu werden, um die überflüssigen Floskeln künftig zu vermeiden.

 

Gutes Gelingen und viel Spaß!

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