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Life & MindstyleGlücksblog

Life & Mindstyle | 25.10.2016

Süßes sonst gibts Saures?

Oder warum gruseln wir uns bloß so gerne?

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Gruselzeit (c) pixabay

Erst schlagen wir uns vor Schreck die Hand vors Gesicht, um kurz danach wieder durch die Finger zu blinzeln, denn wir wollen dann schon wissen, wie es weitergeht und was passieren wird.

Der 31.10 naht in großen Schritten. Erntedank – hierzulande nichts Ungewöhnliches. Aber in den USA ist Halloween ein Jahreshighlight. Es ist mittlerweile fester Bestandteil der amerikanischen Tradition, der sich sogar die Erwachsenen voller Leidenschaft hingeben. Tatsächlich ist Halloween neben „Christmas“ und „Thanksgiving“ eines der wichtigsten Festivitäten der Amerikaner. Irische Einwanderern haben diesen Brauch in die USA gebracht und so wurde es über die Jahre, zu dem, was es heute ist. Ein Gruselabend, für Groß und Klein, der viele Menschen verkleidet von Haus zu Haus treibt um „Süßes oder Saures“ fordern. Großteils zum Spaß. Manche erlauben sich aber auch den ein oder anderen bösen Scherz.

Hierzulande sind die Kinder auch schon dem eigentlichen keltischen irischen Brauch „Trick or Treat - Brauch“ verfallen. Die größeren Kinder nützen Halloween als Gelegenheit für Partys oder Horror-Movie-Sessions. In jedem Fall flimmern zu dieser Zeit auch mehr Horror Filme als üblich über die Bildschirme. Die Auswahl ist groß. Die Palette reicht von harmlosen Horrorstreifen, die mehr der belustigung dienen, bis hin zu richtigen Psychothrillern. So oder so stellt sich der ein oder andere die Frage: Warum tut man sich das an?

Gute Frage. In der Psychologie nennt man dieses „Phänomen“ Angstlust – also den Spaß an der Angst. Eigentlich ist es unnatürlich, Spaß an der Angst zu empfinden, denn die Angst hat einen sinnvollen Nutzen. Sie soll uns schützen. Unser Bewusstsein warnt uns. Dennoch hat die Angstlust sehr stark etwas mit Sicherheit zu tun.

Warum uns die Evolution das Fürchten lehrte:

In der Entwicklungsgeschichte war es für den Menschen notwendig, dass der Körper beim Sichten einer Bedrohung durch das Ausschütten der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin sofort in Alarmbereitschaft versetzt wurde. Nur so konnten unsere (jagenden) Vorfahren im richtigen Moment Reißaus vor dem Säbelzahntiger nehmen und ihr Überleben sichern. Auch ohne Säbelzahntiger ist es normal Angst/Furcht zu empfinden, ansonsten würden wir ohne schauen die Straße überqueren oder andere Gefährlichen Situationen nicht als solche einschätzen und entsprechend handeln.

Ohne Urvertrauen keine Angstlust

Kinder sind physiologisch noch unreif. Sie müssen erst Urvertrauen aufbauen, um Sicherheit zu empfinden. Das brauchen wir auch, um uns neuen Erfahrungen zu stellen. Sie ist Voraussetzung dafür, dass wir als Erwachsene die Angstlust "genießen" können und uns Halloween richtig „schön gruselig“ zu Mute wird, oder uns die Achterbahnfahrt oder ein Bunjeejump reizt. Durch das Erschrecken (z. B. eben bei Horrorfilmen), schüttet der Körper die Hormone Adrenalin und Noradrenalin aus. Sie machen uns bereit, unser einer möglichen Gefahr zu stellen. Es geht innerhalb kürzester Zeit darum, zu entscheiden, ob wir besser weglaufen oder drauf zu gehen bzw. kämpfen. Ähnlich verhält es sich übrigens auch, bei der zwischenmenschlichen Kommunikation.

Das Wechselspiel läuft folgendermaßen: Es ist nicht möglich, zur gleichen Zeit etwas Positives und etwas Negatives zu empfinden - also gleichzeitig Angst und Spaß haben. In Bezug auf die Gruselfilme bedeutet das: Wenn wir uns schrecken, denken wir im ersten Moment nicht daran, dass es nicht real ist – aber danach kommt gleich die Erleichterung: „Puh! Es ist nur ein Film …!“

Der Schwank zwischen dem Urinstinkt des Weglaufens und der Erleichterung über das Wissen darüber, dass eigentlich nichts passieren kann, ist wahrlich ein Kick. Etwas anders ist es natürlich, wenn wir im realen Leben Zeugen von Gewalt werden – auch wenn es da mitunter auch Menschen gibt, die resilienter sind als andere und Erlebtes besser verkraften können.

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(c) pexels - Süßes sonst gibts Saures

Also konkret betrachtet, geht es uns bei dem Ziel „sich gruseln zu wollen“, gar nicht um das Gefühl der Angst, sondern um die Erleichterung danach bzw. um die Erfahrung, etwas "überstanden" zu haben. Zudem wollen wir uns auch sicher und geborgen fühlen - was hiermit auch wieder eintreten kann, wenn der Kitzel vorbei ist. UND: Die Neugier ist auch ein Hund, denn wenn wir etwas begonnen haben, wollen wir auch wissen, wie es ausgeht. Der Wunsch nach einem Happy End - denn wir haben ja gelernt - "am Ende wird alles gut und wenn nicht, ist es noch nicht das Ende" ist bestehend. Blöd irgendiwe, wenn man einen Psychothriller erwischt hat, der ein Ende offen bleibt... ;-)


Achtung Suchtgefahr!

Das rechte Maß ist auch hier ein gutes Ziel. Denn Überspannen sollte man den Bogen nicht. Besonders Jugendliche neigen dazu, sich zum Beispiel bei Riten in lebensgefährliche Situationen zu begeben. Sie wollen sich austesten. So kommen diese Unfälle auf Bahngleisen o. ä. zustande. Besondere Beachtung sollte man auch auf Menschen legen, die gar nicht mehr von Horrorfilmen oder Online-Kampfspielen loskommen wollen. Das kann Suchtcharakter bekommen. Immer heftigere Extreme werden gesucht… Manchmal verschwindet da auch die klare Linie zwischen Realität und Fiktion.

Eine klare Grenze setzen sollen wir jedoch wenn Menschen Genuß daran finden, anderen Angst einzujagen.

Aus einer gewünschten Angst kann auch eine Phobie entstehen. Das passiert vor allem bei Menschen, die etwas zarter besaitet sind oder die sich einfach nach Filmen schwer tun abzuschalten. Sie können sich leicht in eine Angst hineinsteigern – wenn es irgendwo knarcht oder sie andere Geräusche vernehmen, die sie vielleicht mit etwas gruseligen in Verbindung bringen etc. Dann nimmt der Grusel über Halloween hinaus allerdings kein Ende mehr.

Wie bei allen Dingen gilt auch hier: Alles kann, nichts muss. Wenn Du das ganze "Gruseltheater" nicht magst, dann setze Dich dem nicht aus. Man muss nicht überall mitziehen. Wende Dich dann weiterhin den Dingen zu, die Spaß machen und Dir gut tun.

Für alle, die nicht genug vom "Schrecken" bekommen, können sich ja den Trailer unten bis zum Ende ansehen. :-P

Auf ein schaurig-schönes Halloween, welches ruhig auch mit einem Augenzwinkern betrachtet werden sollte.

 

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