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Gernot SchreierBlog über Frauen, Männer und ihre alltäglichen Herausforderungen

Gernot Schreier | 26.09.2017

Wie Du mir so...

Jeder kennt, wie der Satz endet. Das Gefühl kennt man. Irgendetwas ist passiert und man wurde gekränkt und verletzt.

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© Shutterstock

Jetzt sitzt auf der Schulter so ein imaginäres Teufelchen, dass dauernd darauf schaut, ob man es derjenigen Person nicht heimzahlen kann. Man ist ja schließlich im Recht. Der Andere hat ja angefangen. Dagegen spricht ein Bibelwort „, Wenn Dir jemand auf die eine Backe geschlagen hat, halt auch die andere hin.“, oder so ähnlich. Aus meiner Sicht sind beide Ansichten etwas verfänglich und destruktiv. Wenn man einem Menschen, dem man nahesteht etwas heimzahlen will, weil einen dieser Mensch verletzt hat, stellt man sich auf dieselbe Stufe, die man gerade eben so verteufelt hat. Die zweite Option mit der Backe halte ich ebenso für selbstzerstörerisch. Eines ist klar, diese Beziehung, egal ob partnerschaftlich oder freundschaftlich wird nie mehr dieselbe sein. Sie kann an Wert gewinnen, wenn sich beide klar werden, dass es eben Dinge gibt, die das Gegenüber sehr verletzen können und dass man vorsichtig mit den Emotionen des Gegenübers umgehen sollte, oder sie kann zur leeren Hülle werden, wenn man aus irgendwelchen Vernunftgründen so tut als wäre es nicht so schlimm gewesen und man hätte es eh schon längst vergessen.

 

Ein Beispiel aus der Praxis:
Eine Frau kam zu mir in die Praxis und fragte, wie sie damit umgehen solle, wenn sie sich sicher ist, dass ihr Göttergatte mit anderen Frauen aus seinem Betrieb flirtet. Er schreibt Ihnen SMS oder lässt an ihrem Schreibtisch schon mal Blümchen stehen. Das ist für sie extrem verletzend, weil er sich ihr gegenüber extrem nüchtern und taff gibt. Sie hätte das auch gern einmal, dass sie einfach ohne Grund ein nettes Zeichen von ihm bekäme. Darauf angesprochen erklärte er Ihr, dass da nichts dahinter sei und dass sie sich da keine Sorgen machen solle. Laut ihrer Erzählung hat er das auch nach ihrer Frage, was das solle nicht gelassen, weil er ja nichts dabei fand. Sie dachte mehr über ihre Beziehung nach und fand heraus, dass er nie wirklich von sich aus auf sie zukam und sie zum Beispiel in den Arm nahm oder ihr so aus dem Blauen heraus sagte, dass er sie liebte. Sie begegnete in dieser Zeit einem alten Freund und sprach mit ihm über dieses Verhalten ihres Mannes. Der hatte nur zur Antwort: „Du weist, wo ich wohne.“ Jetzt hatte sie das Dilemma. Da saß nun das besagte Teufelchen, dass ihr permanent erklärte, dass sie das alles, was ihr Mann kann, viel besser könnte und vielleicht sogar noch Spaß dabei hätte. ABER wäre es das wert?

 

Was passiert da aus psychosozialer Sicht?
Aus psychosozialer Sicht ist es eine Verletzung der Zugehörigkeit. Diese Verletzungen gehen extrem tief, auch wenn hinter dem Verhalten des Mannes vielleicht wirklich keine böse Absicht steht oder stand. Diese Verletzungen halten sehr lange an und es entsteht Misstrauen. Man vertraut nicht mehr und hinter jedem Telefonat oder SMS vermutet man sofort den Anderen. Vor allem, wenn diese Sachen zu ungewöhnlichen Zeiten passieren. Dieses Gefühl zerfrisst einen innerlich und man hat nur zwei Lösungsmöglichkeiten, die nicht ins Desaster führen. Entweder, man beginnt wieder zu vertrauen und schaut auf die Gemeinsamkeiten oder man beendet diese Beziehung. Aus psychosozialer Sicht ist Rache die schlechteste Entscheidung auch wenn sie zuerst unheimlich wohltuend sein kann. Man stellt sich dadurch auf dieselbe Stufe und verletzt dadurch seine eigenen Werte.

 

Was dann geschah: Meine Klientin konnte ihm leider nicht verzeihen. Sie lebt jetzt ein Single Dasein, vor dem sie sich sehr gefürchtet hatte. Sie erklärte mir, dass es aber nicht so schlimm sei, wie befürchtet. Den Freund, dem sie ihr Herz ausgeschüttet hatte trifft sie nicht mehr, das käme ihr wie Rache Sex vor. Aber sie hatte die Bekanntschaft eines netten Mannes gemacht, der sie sehr interessierte. Man wird sehen, was daraus wird. Sie sagte mir, dass sie froh sei, sich nicht gerächt zu haben, aber sie sei auch froh nicht mehr zusehen zu müssen, wie ihr Exmann seinen Charme an andere verstreute und bei ihr relativ nüchtern und unverbindlich war. Wenn Ihnen so etwas passiert denken Sie gut darüber nach, wie Sie handeln. Rache ist meist die schlechteste Option.

 

 

 

Erklärung:

Alle Veröffentlichungen sind, aufgrund des besonderen Vertrauensverhältnisses zwischen Berater und Klienten, mit den handelnden Personen abgesprochen und von Ihnen freigegeben.

Des Weiteren sind Orte, Alter und Daten, die ein Erkennen der Personen ermöglichen würden, verfälscht.

 

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