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Julia SchweigerYoga und Fitness Trainerin

Julia Schweiger | 26.06.2016

Springen. Atmen. Eintauchen.

Oder: Canyoning mit Tiefe.

Dieser Tage habe ich mich ein paar Mal dabei ertappt, dass ich den Atem anhalte oder dass mein Atem flach geht. Ein klares Zeichen, dass ich mich vor etwas verschließen möchte, dass ich etwas lieber nicht fühlen möchte, oder zumindest nicht in seiner ganzen Intensität. Verwundern tut es mich nicht. Es gibt gerade einige Umbrüche in meinem Leben. Und auch wenn ich genau spüre und weiß, dass sie wichtig und richtig für mich sind, reagiert mein Körper auf das, was in mir vorgeht: Ungewissheit, Veränderungen, Trauer, Abschied, Neuorientierung und mehr Ungewissheit.

 

Vorigen Sommer war meine liebe Freundin Danette, die ich vor mehreren Jahren auf meinen Reisen durch Südamerika kennen gelernt habe, zu Besuch. Wir haben spontan ein paar Tage in Montenegro verbracht, wie in den „guten alten Zeiten“ im Hostel gewohnt, sind in die easy going Backpacking Atmosphäre eingetaucht, wo die Uhren langsamer gehen, die Dinge sich ergeben und das eine zum anderen führt. Ich meine jetzt keine casual hook-ups, sondern Freizeitaktivitäten, wo man mit im Grunde wildfremden Menschen die verrücktesten Sachen unternimmt. D. und ich haben schon ein paar „verrückte Sachen“ gemacht auf unseren Reisen.... Und so gab es auch dieses Mal kein Entrinnen. Ein bisschen eingerostet in meiner Abenteuerlust, hat mir D. auf ihre äußerst überzeugende Art schnell alles Zögern ausgetrieben. Und so habe ich mich auf das Abenteuer Canyoning eingelassen. Ich hatte ja KEINE AHNUNG!

 

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© Canyoning Nevidio

In dicken Neoprenanzugen, mit alten Turnschuhen an den Füßen, ging es am Morgen mit dem Minibus zum Fluss Nevidio, zu einer Stelle, wo er zugänglich war. Denn über weite Strecken war bzw. ist er eingebettet in hohe Felswände, eine Schlucht, einen Canyon eben. Und dann ging es auch schon rein ins kühle (saukalte!!) Nass! Das dicke Neopren, in dem es auf der Fahrt fast unerträglich heiß gewesen war, eine willkommene Hülle – nicht nur wegen der Temperatur, sondern auch wegen seiner Weichheit – beim Stolpern hat es so manchen Bodenkontakt zumindest etwas abgefedert. Die ersten Meter waren noch etwas wackelig....das Wasser flach. Doch schon bald wurde es tiefer, die Umgebung spektakulärer und dann: der erste Sprung! Von einem Felsen in einen kleinen Wasserpool. Drei Meter. Okay, no big deal.... Oder?! Es hat Überwindung gekostet, aber der erste Adrenalin Rush war es wert. Dann ging es so weiter, über Stock und Stein. Klettern, Rutschen, Springen, Tauchen... Die Felsen und Sprünge wurden immer höher.... Ich muss dazu sagen, ich liebe diese Verbindung von Natur, Sinneserfahrung und Nervenkitzel. Was mir aber irgendwann, beim vielleicht siebenten Sprung bewusst geworden ist: Mein Herz bleibt zwar fast stehen vor Aufregung, wenn ich von einem Felsen abspringe, aber danach.....während der kurzen Momente zwischen Fels und Wasser klinke ich mich irgendwie aus! Ha! Als würde ich diese Spannung, das Ungewisse In-der-Luft-Sein nicht aushalten. Interessant! Ich hatte noch ein paar Felsen und Sprünge vor mir an diesem Vormittag.... Und ich bin stolz zu verkünden, dass ich es beim allerletzten und höchsten Felsen (11,irgendwas Meter!) geschafft habe präsent zu bleiben: vom Absprung, über den Flug bis zum Eintauchen ins Wasser. Kein Ausklinken. Sondern da bleiben. Die Belohnung: Ich habe mich selten zuvor so lebendig gefühlt.

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© Canyoning Nevidio

Ich weiß, dass es nicht von ungefähr kommt, dass ich mich ausgerechnet jetzt an dieses Erlebnis erinnere. Wie damals im Canyon bin ich gesprungen, habe eine Entscheidung getroffen, die mir verdammt schwer gefallen ist. Aber ich war mutig genug zu springen. Bin ich jetzt mutig genug, weiter zu atmen, alles zu spüren, was da ist, während ich in der Luft bin – suspended mid-air....? Ich habe es im Canyon geschafft – und zwar ohne in den nagelneuen Neoprenanzug zu pinkeln. Die Erinnerung daran gibt mir den Mut und die Motivation, es auch jetzt im Leben zu tun. Ein Atemzug nach dem anderen. "One breath at a time", wie D. sagen würde.

 

Canyoning in Österreich:

http://canyoning-in-oesterreich.at/

http://www.canyoning.at/

http://www.freelife.at/canyoning/canyoning_gelati/

 

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