Loading…

Uschi Fellnerlook into my life

Uschi Fellner | 07.06.2017

Heute verrate ich Euch meine grösste kleine Schwäche!

Und fall du mal jemanden brauchst, der dir richtig gut den Weg erklärt …

Bild Bildschirmfoto 2016-11-01 um 22.11.05.png
Ich könnte mich dumm und dämlich verdienen, ­indem ich Touristen dorthin schicke, wo man sie haben will …

Ehrlich gesagt, habe ich nicht viele Schwächen. Ich schlage mich einigermaßen durchs Leben, kann meine Kinder kleiden und ernähren, bin arbeitsam und redlich und gönne mir ab und zu neue Schuhe. Aha, werdet ihr jetzt denken. Die Schuhe sind die Schwäche! Du irrst dich. Meine Leidenschaft für Schuhe ist, gemessen an meiner wirklichen Schwäche, Pipifax. Meine echte Schwäche ist – taramtamtam! – völlige Orientierungslosigkeit. Ich bin der orientierungsloseste Mensch, der mir je begegnet ist.

Frag mich nach dem Weg und du kommst Stunden später zuverlässig woanders an. Ich bin ein Garant für unzuverlässige Wegbeschreibungen. Da ich recht vertrauenswürdig aussehe, werde ich oft von Touristen, die sich mit ihren Navigations-Apps nicht auskennen, nach dem Weg gefragt. Zur Hofburg. Zum Stephansdom. Zu bestimmten Restaurants. „Diese vertrauenswürdige Frau“, denken sie, „wird uns den richtigen Weg weisen.“ Wenn die wüssten. Ich blicke dann sachkundig auf das Navi-App, nicke bedeutsam, sehe null (da kurzsichtig) und beschreibe nach bestem Wissen und Gewissen den falschen Weg.

Im Prinzip kenne ich mich gut aus in meiner Stadt, aufgrund einer lästigen Rechts-links-Schwäche verwechsle ich nur zuverlässig die Richtungen. Da ich offenbar nicht die Einzige bin, die mit Navi-Apps nicht gut zurechtkommt, landen Scharen von mir dirigierte Touristen überraschend in anderen Bundesländern, nach langen, aufreibenden Fußmärschen. Ich -sollte mit den Tourismus-Verbänden ins Geschäft kommen: „Hallo, hier Fellner, spricht dort Obertauern? Morgen schicke ich euch wieder hundert Asiaten, direkt vom Wiener Stephansplatz! Kostet nur eine Kleinigkeit …“

Ich könnte mich dumm und dämlich verdienen, indem ich Touristen dorthin schicke, wo man sie haben will. Mir glauben sie jede Wegbeschreibung. Kürzlich schickte ich einen Franzosen, der vom Stephansplatz auf den in der Nähe liegenden Hohen Markt wollte, so unglücklich quer durch Wien, dass ich ihn Stunden später zufällig vom Auto aus in einem anderen Stadtteil dahinschlurfen sah. Er wirkte erschöpft, das Haar zerrauft, die Augen rot unterlaufen. Er tat mir aufrichtig leid. Ich hupte kurz, blieb stehen und fragte, ob ich ihm den Weg weisen könne. Als er mich erkannte, wich er entsetzt zurück, ich glaube, er bekreuzigte sich sogar.

Ganz stark wird meine Schwäche in Tiefgaragen. Dort sind keine Touristen, denen ich den Weg erklären kann. Dort steht nur mein Auto, das ich nicht finde. Nach dem Weg fragen kann ich mich höchstens selbst, und das endet katastrophal. Ich glaube z. B., dass mein Auto in der rosa Etage steht. Tatsächlich finde ich es nach 45 Minuten in der blauen. Oder der grünen. „Rosa, rechts, hinten“, hämmere ich beim Autoabstellen in mein Hirn. Und finde die Karre bei Blau, links, Mitte. Habe ich schon erwähnt, dass ich an Übersinnliches glaube? Egal. Zum Glück habe ich ein tolles Navi im Auto. Ich fahre aus der Tiefgarage und drücke auf „Nach Hause“.

„Nach 100 Metern rechts abbiegen“, sagt das Navi. Verlässlich wie immer biege ich links ab. Wo bin ich hier eigentlich schon wieder? Auf Navis ist kein Verlass. Hoffentlich taucht bald ein Tourist auf, der mir den Weg erklären kann …

Bild Look_CoverJuni.jpg
Unser juni-Heft ab jetzt in deiner Trafik!
comments powered by Disqus