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My little ViennaTrend & Event-Blog

My little Vienna | 15.10.2015

"Ich bin digitalsüchtig, 3. Grades!"

4 Instagram-Pages, 11 Facebook-Channels, 2 MacBooks und 2 iPhones mit je 5 Mail-Zugängen sind mein täglich Brot! Ob es mich stört? Eigentlich nicht! Ob ich das erschreckend finde? Ja, irgendwie schon! #meinebeichte PS: Ich teile diese sehr private Sucht aus einem ganz bestimmten Anlass mit Euch: Der Fotoserie des US-Photografen Eric Pickersgrill.

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Egal wohin ich unterwegs bin, ein Laptop und zwei Phones sind immer dabei. Bild. Könnte ja sein, dass ich 20 Minuten beim Arzt warten muss und dann kein Laptop dabei? Am Bild: Mein Holiday-Office über den Dächern von Jerusalem.

«Meine Lieblingssucht!»

Wer in der Früh als ersten Move den Griff zum iPhone hat und am Abend vor dem Schlafengehen noch ein letztes Mal die Mails aufruft, ist bekanntlich digitalsüchtig. Zumindest sagen das die Experten. Liebe Expterten, hiermit habt ihr es offiziell: Ich bin digitalsüchtig, und zwar dritten Grades! Dass solch ein Suchtding bei mir gleich doppelte Wirkung zeigt, liegt wohl in meiner Natur - ich bin ein Suchtmensch. Das merke ich daran, wie ich ausflippe wenn mir meine Droge abhanden kommt.

Of course, Instagram is my life photo album, I don't stick printed pictures in albums.

Sagen wir zum Beispiel eine meine Lieblingsdrogen:

Das Fahrrad
Dazu muss man wissen, ich fahre immer und überall hin mit dem Fahrrad. In die Arbeit, zu Abendevents, ja auch im Ballkleid und in High Heels steig' ich auf, im Winter wenn es schneit, wenn es regnet oder .... aber pssst ... wenn ich ein, zwei Gläschen zu viel getrunken habe.
Vor circa zwei Jahren wurde mir mein pinkes Puch Rennrad vor meiner Haustüre geklaut. Ich war so hilflos ohne meine Fahrrad-Droge, dass es genau zwei Stunden dauerte, bis ich mir ein neues Fahrrad besorgt hatte. Ich konnte einfach nicht ohne. Andere hätten warscheinlich ein paar Tage recherchiert, welches Fahrrad man sich als nächstes anschaffen soll, die nächsten hätten eine Anzeige gemacht und gewartet, ob das eigene Bike vielleicht doch nochmals auftaucht oder man hätte mal das Fahrradfahren für eine Saison aufgegeben können weil "Es ist eh in zwei Monaten Herbst und dann fahr ich eh nimma!".
Ich hingegen konnte keine Sekunde mit dem Gedanken leben, dass ich kein Fahrrad habe. Das ist das selbe wenn ich mein Handy wieder mal ruiniere oder mein Smoothie Maker nicht mehr funktioniert - es muss SOFORT Ersatz her!

Ähnlich ist das bei meiner Digitalsucht. Meine erste Handlung, wenn ich einen neuen Mietvertrag - kommt bei mir oft vor -  unterschreibe, ist der Anruf bei UPC. Oder wenn ich in ein Hotel einchecke, vergehen keine vier Sekunden bis zur Frage "Wie ist denn das W-Lan Passwort?".

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Mein Samstag-Nachmittag im Park.

Aufklärend muss ich hier natürlich beifügen. Ich betreibe so viele Instagram- und Facebook-Channels , laufe mit zwei Phones rum und arbeite an zwei Laptops gleichzeitig, weil das mein Job ist. Ich bin Onlinerin, was natürlich bedeutet, dass ich einfach immer online bin. Immer online, heißt in meinem Fall wirklich IMMER ONLINE, von in der Früh bis in die Nacht? Klingt gruselig? Finde ich gar nicht! Das heißt ja nicht, dass ich rund um die Uhr arbeite, aber es gibt zwischen 7 Uhr morgens und Mitternacht sicher keine fünf Minuten, in denen ich nicht online bin. Meine besten Freunde Laptop und iPhone müssen einfach immer dabei und immer auf Abruf sein.

 

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My bed is my office

«Mein Zeitmanagement-Secret»

Warum ich das mache? Weil es super effizient ist. Wer immer alles gleich macht, muss keinen Gedanken zweimal denken, hat keine endlos langen To Do-Listen und kommt nicht ins Büro und wird von 124 Mails überflutet. Der Preis dafür: Ich bin immer und überall erreichbar, über Mail, Whats App, Facebook, SMS oder seit neuestem auch Instagram-Chat (wer hat das eigentlich erfunden?). Nur das Telefon versuche ich manchmal zu ignorieren ... ich telefoniere nicht gern!

Das alles klingt für Euch wohl ganz fürchterlich aber für mich ist es DAS Zeitmanagement-Secret!

Jetzt fragt ihr Euch wohl was mein Freund dazu sagt? Keine Sorge, der ist zum Glück ebenfalls süchtig nach der Digitalwelt ... vielleicht nicht ganz so schlimm aber annähernd. Wenn wir von einer Woche Urlaub nach Hause kommen, hat er zwar 200 ungelesene Mails und ich Null und er 100 neue Photos am iPhone und ich 1000 auf jedem meiner zwei Phones, aber im Alltag sind wir relativ gleich. Wenn wir beide nachts einschlafen, liegen meist zwei Menschen, zwei (oder auch drei) Laptops und mindestens zwei iPhones in unserem Bett (Ladekabel muss ich hier nicht erwähnen, oder?). Das gehört alles schon zum Electronic-Kuscheltier-Inventar.

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Wenn man von der Strahlung die angeblich aus elektronischen Geräten angezogen wird - ich glaube ja nicht daran, dass dies gesundheitsschädlich ist - absieht, stellt sich hier natürlich die Frage ob dieses Ausmaß an Digitalsucht noch gesund ist. Ich denke, für die Einen ja, für die Anderen ein absolutes Nein. Man muss wohl der Typ dafür sein und ich bin auf jeden Fall der Typ dafür, ich könnte gar nicht anders. Für mich bedeutet das Freiheit, wenn ich zu Hause genause effizient arbeiten kann wie im Office. Und ja, ich bin eine von denen, die das Prinzip "Home-Office" gutheißt und denkt, dass Büros verschenkte Quadratmenter sind. PS: Ich sitze gerade in meinem Home-Office und schreibe diesen Bericht für die "Arbeit", genauer gesagt in meiner Online-Ecke, links ist meine zweiter Laptop geöffnet, auf dem ich sehen kann wenn eine Mail reinkommt und vor mir meine zwei Handy ... abhebbereit.

Diese Online-Sucht ist natürlich auch oft der Grund, warum sich Menschen nah sind und im gleichen Moment fern. Weil immer ein Smartphone oder Laptop die Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Der US-Fotograf Eric Pickersgrill zeigt in seinem relativ simplen und doch sehr emotionalen Fotoprojekt, wie weit diese Online-Sucht gehen kann.

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(© Eric Pickersgrill)

Mit seiner Fotoserie «Removed» zeigt der US-Fotograf Kinder, Familien, Paare und Freunde die nebeneinader ins Leere starren. In der Originalversion dieser Bilder schwebte ein Phone oder Tablet zwischen dieser Leere und den Menschen am Bild. Durch das Enfernen des Handys oder des Tablets will der Künstler zeigen, wie sehr wird Smartphones und Co. in unserer Zeit in den Mittelpunkt stellen. Ironischerweise wird einem dies durchs Entfernen der Handys erst recht bewusst.
Inspiriert wurde Pickersgrill in einem Café in New York. «Eine Familie sass neben mir am Tisch und sprach kein Wort.» Ihre Bedrücktheit wurde aber von niemandem bemerkt – die einzigen Worte des Vaters bezogen sich auf neue Internet-Fundstücke.

Fotoserie «Removed»
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(© Eric Pickersgrill)
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(© Eric Pickersgrill)
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(© Eric Pickersgrill)
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(© Eric Pickersgrill)
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(© Eric Pickersgrill)
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(© Eric Pickersgrill)
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(© Eric Pickersgrill)

Die Bilder von Eric Pickersgrill zeigen nur all zu klar, dass dich so eine Digitalsucht zu einem Menschen machen kann, der du nicht sein willst.

Naja, ich kann ja auch anders. Zum Beispiel ist meine analoge Lomo Instant Gold immer mit dabei, das ist doch ein Anfang! :)

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