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Uschi Fellnerlook into my life

Uschi Fellner | 18.03.2017

Im März werden gute Vorsätze endlich umgesetzt.

Ich gehe also ins nächstgelegene Sportgeschäft und decke mich sinnvoll ein ...

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Ich bin einer dieser altmodischen Menschen, die zu Silvester Vorsätze fassen. Und die im Februar draufkommen, dass „auf Weißmehl verzichten“ eh eine überschätzte Tugend ist. Und dass dreimal die Woche Fitness zu machen, puhhh, recht zeitaufwendig ist. Gut, dass für Menschenwie mich der März erfunden wurde.

Menschen wie ich kommen an einem grauen Anfang-März-Tag zufällig an einem Sportgeschäft vorbei, gehen rein und denken: „Jö, was es da alles gibt!“ Vor allem die bunten Lauf-Klamotten gefallen Menschen wie mir besonders gut. „Das knallgelbe Lauf-Leiberl und die türkis-schwarze Laufhose und diese neuen Air-Balance-Abhebe-Schuhe sind nicht schlecht“, denkt sich ein Mensch wie ich. Und sieht sich darin die Küste Kaliforniens entlangjoggen, oder besser: SCHWEBEN. Leicht gebräunt. Mit wehendem Haar. Und knackigem Po. Lächelnd. Leichtfüßig.

Jede Zelle meines Körpers ist glücklich, jede Zelle ist voll gut drauf ...

Und wie cool ist das jetzt bitte?! Brad Pitt ist auch gerade joggen! WAHNSINN. „Hi Brad, nice to meet you, I’m Uschi from Austria ... oh, sure, let’s run together!“ So ein Glück, dass ich die neuen Knacke-Leggings anhabe, das Leben ist ein Hit! Denken Menschen wie ich, wenn sie Brad Pitt beim Joggen begegnen.

Dann wachen Menschen wie ich auf. Wir befinden uns in einer in grünliches Neonlicht getauchten Umkleide eines Sportgeschäfts. Die Knacke-Leggings sind verdammt-dammt eng, dass man da hineingepasst hätte, ist verdammt lang her. Ein Mensch wie ich verflucht an dieser Stelle zunächst seinen Hintern, der sich als flauschige Masse über den Gummirand der Leggings schiebt, und dankt hernach dem Schicksal, dass Brad Pitt nicht in der Nähe ist. Den Anblick einer zum Äußersten entschlossenen Frau, die elastisches Zeug an sich hochzerrt, im irren Glauben, sie könne sich darin auch nur einen Millimeter bewegen, möchte man ihm gern ersparen.

Aber er ist eh nicht da. Stattdessen ruft die Verkäuferin durch den Vorhang: „Naa, passt eh alles?“, und man hört sich „Ja, ja, geht schon!“ hervorpressen. Wenn man beim Laufen eine Beatmungsmaske mit Luftzufuhr- Schläuchen aufsetzt, geht’s wahrscheinlich wirklich. Und angenommen, Menschen wie ich nehmen in den folgenden drei Wochen drei Kilo ab ...

Wissen Sie, was mir gerade bewusst wird? Fitness ist eine ausschlaggebende Größe im Ringen um die Gunst des anderen Geschlechts. Als ich dreizehn war, gründete ich mit zwei Freundinnen aus genau diesem Grund einen „Fitness-Club“, dessen visionäres Ziel es war, mit den eher gut aussehenden Knaben unserer Schule joggen zu gehen. Dass ausgerechnet der pickelige Georg mich nach der ersten Joggingrunde im Wienerwald fragte, ob ich nicht nur mit ihm joggen, sondern auch mit ihm gehen wolle, minderte meine Lauf-Leidenschaft nachhaltig. Vermutlich schleicht sich bis heute, kaum dass ich mir die Laufschuhe angezogen habe, Pickel-Georg in meine Gedanken, und die Befürchtung, er könnte sich mir im Unterholz unsittlich nähern. Vielleicht ist Menschen wie mir aber auch keine Ausrede zu blöd, nicht laufen gehen zu müssen.

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