Loading…

Uschi Fellnerlook into my life

Uschi Fellner | 19.09.2016

In meiner Familie gibt es seltsame Vorlieben.

Gut, dass ich so gelassen damit umgehen kann!

Bild _DSC6598CMYK.jpg
In meiner Familie gibt es seltsame Vorlieben.

Wissen Sie eigentlich, wer mir komplett egal ist? Richtig schnurz-wurscht-blunzen-bums-egal? Naomi Campbell. Dieses Model. Kein Mensch auf der Welt ist mir so egal wie Naomi. Jeder Reissack in China regt mich mehr auf, als ... wie war ihr Name noch mal? Richtig. Naomi. Kennen Sie die? Wahrscheinlich nicht. Ich kenne sie eigentlich auch nicht, habe allerdings bei einer Veranstaltung schon einmal die gleiche Luft wie sie geatmet. Egal, sage ich Ihnen! Die Luft, die Naomi atmet, ist auch nur Luft. Atmet sich nicht anders als Luft, die Naomi nicht atmet.

Sie sehen, wie egal es also ist, dass Naomi atmet. Was rede ich da eigentlich? Naomi-wer-ist-das? Der Hund meines Friseurs heißt Naomi. Ein wuscheliger schwarzer Teufel. Und sonst? Keinerlei Bezug zu Naomi. Wie komme ich eigentlich auf sie? Wahrscheinlich, weil sie wie der Hund meines Friseurs heißt.

Also gut. Ich komme auf Naomi, weil ihr Name bei Männern, die mir nahestehen, seltsame Reflexe auslöst. Begonnen hat unser, äh, Egal-Verhältnis schon vor Jahren. Als mein älterer Sohn mir erklärte, er würde -später einmal entweder Naomi heiraten oder eine Frau, die aussieht wie Naomi. Naomi war damals eines der höchstbezahlten Models der Welt. O.K., sagte ich, mach nur. Ich hatte nichts gegen Naomi einzuwenden, sie war mir ja schon damals vollkommen egal. Im Laufe der Jahre wurde sie mir allerdings noch egaler, faszinierend, wie noch egaler einem jemand werden kann, der einem immer schon egal war! Ein paar Jahre später, mein Sohn war ca. 13, tapezierte er sein Zimmer mit Naomi-Postern aus. Egal, dachte ich. Wird schon zur Vernunft kommen. Die Naomi-Phase dauerte lange an (geheiratet hat er sie bis heute aber nicht).

Komisch ist, dass mein jüngerer Sohn (12) unlängst in einem Magazin auf Naomi deutete und sagte: „Die da schaut ziemlich heiß aus!“ Muss in der Familie liegen. Aber das ist mir nun wirklich egal.

Wäre es mir nicht so piepegal, würde ich sagen: Auch mein Mann ist offenbar versteckter Naomi-Fan. Auf besagter Veranstaltung, bei der -Naomi die gleiche Luft wie ich atmete, lief sie über einen Catwalk und sah ziemlich ... also, wenn man sie herrichtet, ist sie ja ganz hübsch. Die Veranstaltung war vor über einem Jahr. Seitdem erzählt mein Mann jederzeit ungefragt die Schnurre, dass er Naomi kennengelernt habe (was nicht stimmt!), dass sie beeindruckend aussehe (dazu habe ich keine Meinung) und dass – jetzt kommt’s – sie ihm zugezwinkert habe! Vom Laufsteg runter, zwinker, zwinker! Und dann habe sie ihn angelächelt (gäähn!).

Letzte Woche dann. Wir sahen fern, irgendeinen Schwachsinn. Plötzlich tauchte Naomi am Schirm auf, schwebte über den Catwalk. „Jöh“, sagte mein Mann erfreut, „schau, die Naomi! Seeehr hübsch heute wieder! Weißt du noch, wie sie mir zugezwinkert hat?“

Ich holte meine Naomi-Perücke aus dem Schrank, legte etwas braune Schuhcreme auf und brüllte „Na, bist du jetzt zufrieden!?“ Spaß natürlich. Mir ist (wie heißt die noch mal?) egal. Gut, dass ich so souverän bin.

Bild Bildschirmfoto 2015-12-15 um 11.17.46.png
Uschi Fellners neues Buch „Chanel hat Tiffany heute ins Ohr gebissen“, echomedia buchverlag; www.amazon.de und im Buch-Fachhandel.
comments powered by Disqus