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Julia SchweigerYoga und Fitness Trainerin

Julia Schweiger | 06.05.2016

Einmal Spielen, bitte!

Oder: Was Tanzen mit Spielen und Lebenskraft zu tun hat.

Freitag Morgen.... Ich sitze im Zug nach Ljubljana. In meinem Magen spüre ich Schmetterlinge. Mein Kopf wird ruhig. Mein ganzer Körper ist unter einer leichten, angenehmen Spannung. Ich bin auf dem Weg zu einem 5 Rhythmen Tanzworkshop an der Slowenischen Küste. Zwei intensive Tage unter dem Titel “Opening Moves“ stehen vor mir. Vorfreude und Aufregung mischen sich mit leichter Nervosität. Ich weiß, dass sich auch nach diesem Workshop etwas in mir verändert haben wird.

 

Und ich frage mich: Warum macht mir das Tanzen solchen Spass? Warum tauche ich immer wieder ein in dieses Spiel? Und was heißt Spielen eigentlich?

 

Auch mal etwas Sinn-loses tun? Etwas, das nichts mit Arbeit zu tun hat, das einfach 'nur' Spaß macht? Ohne Anspruch auf Ästhetik, Leistung oder Ergebnis? Etwas, das keinen Mehrwert ergeben muss? Aber ihn so oft dennoch ergibt? Der sicherste Indikator dafür, dass ich gerade spiele, ist für mich, wenn sich eine köstliche Lebendigkeit in mir ausbreitet. Manchmal wie ein zarter Hauch. Manchmal wie eine kraftvolle Welle.

 

Das beobachte ich auch immer wieder in meinen Kinderyoga Fortbildungen oder beim Familienyoga. Ein plötzliches Glitzern in den Augen der Erwachsenen. Sie tauchen ein in die Yogawelt der Kinder und dürfen selbst wieder ein Stück weit Kind sein...! Und ihr Inneres Kind spielt und hüpft vor Freude. Sie gehen beschwingter aus dem Kurs, mit einem wissenden Lächeln im Gesicht.

 

 

Spielen. Ich arbeite fast täglich mit Kindern. Yogastunden im Kindergarten, in der Volksschule, im Gymnasium.... Jedes Kind ist einzigartig. Und jede Gruppe von Kindern hat ihre ganz besondere Dynamik. Manchmal, wie z.B. vergangenen Mittwoch, erinnert mich ein Kind an einen Teil in mir, den ich ein bisschen vernachlässigt oder gar verdrängt habe. Am Mittwoch war das der wilde Teil, der sich um keine Grenzen oder Regeln schert, der ganz selbstverständlich seinen Impulsen und seinem kreativen Ausdruck folgt. Ich liebe diese Momente. Nicht immer unmittelbar. Denn sie fordern mich manchmal ganz schön heraus. Aber sobald ich den Anteil in mir erkenne, den das Kind mir spiegelt, muss ich oft schmunzeln. Dann kann ich mit diesem Anteil in mir in Kontakt treten, mit ihm reden, ihn annehmen und integrieren. Und etwas in mir fühlt sich ganzer an.

 

Was ich bei Kindern sehe, ist, das Spielen nicht gleich Spielen ist. Will heißen, Kinder spielen sehr unterschiedlich. Manche laut, manche ausdauernd, manche führen, manche folgen, manche versinken in Details, andere suchen die Weite. Und das ändert sich manchmal wieder ganz schnell, oder zieht sich durch. Je nach dem.

 

Wenn ich an meine Kindheit zurück denke, so erinnere ich mich daran, wie ich stundenlang eine Barbie oder Playmobil Landschaft oder Spielszene kreieren konnte.... Situationen ausdenken und die passenden Kleider, Möbel, Tiere, Menschen, Utensilien etc. aussuchen, erfinden, arrangieren.... Wenn alles fertig war und das eigentliche „Spiel“ beginnen konnte, war ich schon fertig und wollte am liebsten alles wieder abbauen und die nächste Landschaft kreieren. Ich habe meine Schwestern und Kusinen damit regelmäßig zur Verzweiflung getrieben. Denn ihr „Spielen“ begann eigentlich jetzt erst richtig.

 

Als Erwachsene setzt sich dieses Muster für mich fort. Ich fühle mich lebendig, wenn ich etwas aufbaue, kreiere, der Prozess ist mir wichtig. Wenn etwas „fertig“ ist und ich keine Bewegung mehr spüre, die mich inspiriert, ist es Zeit für mich weiter zu gehen. Vielleicht überlasse ich das, was ich aufgebaut habe, anderen. Denn für sie fängt das Spiel hier gerade erst an. Und es ist wunderbar, dass es so ist. Wir ergänzen uns einfach.

Bild 5R 2.jpg
© IRma LeKlerk

Zurück zum Tanzen. Es ist das Spiel meines Inneren Kindes, das im Alltag manchmal zu wenig Raum bekommt. Es ist der wilde Anteil in mir, der sich unzensiert Ausdruck verschafft. Und es ist der verletzliche Teil in mir, der sich im safen Space des Tanzes, ohne Bewertung oder Beurteilung, leichter öffnet. Und am Ende gehe ich wieder„ganzer“ in meinen Alltag zurück – spielen mit den anderen Kindern, den großen und den kleinen.

 

Welche Anteile meines Inneren Kindes durch Yoga geweckt werden bzw. beim Yoga spielen dürfen, berichte ich ein anderes Mal. Die nächste Yogaju Kinderyoga Fortbildung gibt es aber schon am 14. Mai! In diesem Sinne: Namaste & Play!

 

Conscious Dance Practice in Wien - eine Auswahl:

5 Rhythmen: http://www.soulrhythms.at/ oder http://www.5rhythmen.at/

Soul Motion: http://www.dancingpresence.at oder http://www.soulrhythms.at/

Open Floor: http://www.yogandance.at/tanz/open-floor.html oder http://www.5rhythmen.at/

Verschiedene: http://www.shambhala.at/tanz-conscious-dance/

 

Mehr über Julia Schweiger und YOGAJU!

 

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