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Uschi Fellnerlook into my life

Uschi Fellner | 04.03.2016

look! into my life

Von Büchern, die ich nie mehr lesen werde. Vom Küssen und vom Äußersten, worüber ich schreibe!

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Im Moment beschäftigen mich in meiner Funktion als Alltags-Kolumnistin zwei ausgesprochen nicht weltbewegende Themen.
1.) Bücher. 2.) Küsse.
Starten wir unspannend: Zum Geburtstag habe ich insgesamt 14 neue Bücher bekommen, was meinen Freizeit-Stress deutlich erhöht. Ich habe weit mehr Bücher daheim, als ich in diesem Leben schaffen werde, bin grundsätzlich aber jemand, der Angefangenes zu Ende bringt. Also ein Unterbrechungsleser, der jeden Schwachsinn schuldbewusst zu Ende liest (ausgenommen die Fahrpläne der ÖBB, die schon vom Layout her eine Zumutung sind). Irgendwann lese ich alles aus. Den Wälzer „Sakrileg“, zum Beispiel, habe ich vor drei Jahren zugunsten eines Psycho-Thrillers („Das Grauen trägt rote Schuhe“) unterbrochen, seither hoffen „Sakrileg“ und „Grauen“ als deprimierte Dauergäste auf meinem Nachttisch auf den Gnadentod. Über dem „Grauen“ stapeln sich neun aktuelle Feger, die man gelesen haben muss. Und in der Lade drunter liegt die schwerste Bürde: 

„Die Erzählungen“ von Thomas Mann. Große Literatur und absolut fad. Seit 15 Jahren demütig anhänglich. Derzeit halte ich bei Seite 598, was seit November des Vorjahres einen Fortschritt von neun Seiten macht und nur noch schwache 521 Seiten bedeutet, bis ich mich in Ruhe der Frage widmen kann, warum das Grauen rote Schuhe trägt.

"Karel Gott näherte sich mir in eindeutiger Absicht.
Noch dazu trug er rote Schuhe …"

So, jetzt reden wir aber übers Küssen! Anlässlich des vergangenen Valentinstages wurde ich von Kolleginnen angehalten, doch öfter über Sex und so zu schreiben. Ehrlich, ich schreibe lieber über „und so“. Im Kolumnen-Leben einer Alltags-Kolumnistin ist kein Platz für Sex. Wir, die Alltags-Schreiberinnen, leben im kolumnistischen Zölibat (obwohl Sex-Kolumnen besser bezahlt werden, glaube ich zumindest). Nachts schlafen wir. Tagsüber brüten wir Texte aus. Den Rest der Zeit sind wir damit beschäftigt, Alltag herzustellen, damit wir immer etwas haben, worüber wir schreiben können. Das Äußerste, worüber ich schreibe, ohne rot zu werden, weil schließlich auch meine Mutter das jetzt liest, ist das Küssen. 

Küssen ist ein erotischer Grenzbereich. Um nicht rutschig zu werden, schlage ich vor, wir behandeln hier den enorm in Mode gekommenen Wangenkuss. Man küsst heute ja praktisch jeden Hydranten, an dem man zufällig vorbeikommt. Wird einer mal nicht geküsst, fühlt er sich sofort ausgeschlossen, bzw. küsst einen mal jemand nicht, der immer geküsst hat, fühlt man sich zwar erleichtert, aber auch komisch. 

Ich weiß schon, Sie erwarten jetzt endlich Handfestes. Dagegen spricht aber nicht nur der Blick meiner Mutter („Kind, so kenne ich dich gar nicht!“), sondern auch eine Leserin namens Grete Umlauf, die mir letzte Woche mailte: „Seit langem fällt mir auf, dass es in Ihren Texten immer wieder um Sex geht. Schreiben Sie doch einmal über etwas wirklich Nettes, wie den Sänger Karel Gott.“ 

Prompt träumte ich in der Nacht darauf, dass sich Karel Gott mir in eindeutiger Absicht näherte. Noch dazu trug er rote Schuhe! Bevor es zwischen Karel und mir zum Äußersten kam, wachte ich erleichtert auf. 

Sie sehen, ich bin selbst noch im Angesicht des Grauens ein anständiges Mädchen! Frau Umlauf, Mama: Ich hab Karel nur für euch enttäuscht! 

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