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Uschi Fellnerlook into my life

Uschi Fellner | 31.10.2017

#metoo geht um die Welt.

Das Echo auf die Hashtag-Bewegung, die der Skandal rund um den Hollywood-Produtenten Harvey Weinstein (65) ausgelöst hat, ist wichtig, umfassend und - in den meisten Fällen - angebracht. Immer mehr Frauen setzen sich zur Wehr, zeigen auf, klagen an, sind mit ihrer Geschichte nicht allein.

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© iStock by Getty Images

#metoo geht um die Welt.

In Frankreich, wo die metoo-Aktion unter Balance ton porc (Verpfeif das Schwein) lief, will Frauenministerin Marlene Schiappa die „gesellschaftliche Toleranzgrenze“ in Sachen sexueller Belästigung weiter senken, die Strafen für Sexualdelikte erhöhen.


Das ist vorbildlich , das schreckt ab.


In Österreich wurde 2015 der „Grapsch-Paragraph“ eingeführt, der  unerwünschte „ Po und Oberschenkel“-Berührungen unter Strafe stellt. Normale „Umarmungen“ aber wieder nicht.


Wo hört die Umarmung auf und wo beginnt das Grapschen?

Gilt „Hand auf‘s Knie legen“ als offizielle Belästigung? Das Knie grenzt an den Oberschenkel. Praktisch jede Frau, die ich kenne, hatte oder hat in ihrem (Berufs)leben schon mit sogenannten Knie-Tatschlern zu tun, wobei das Knie auch der Oberarm (Busennähe!), die Schulter, der Rücken oder das Schienbein sein kann.

In meinem Fall handelte es sich tatsächlich einmal um einen Schienbein-Fetischisten, der in einer beruflichen Sitzrunde immer wieder unter dem Tisch meinen Knöchel umfasste. Ein fester Tritt gegen sein Handgelenk beendete das Gerangel, seither grüßt er mich nicht mehr. Glaube, er hat das als unhöflich empfunden. ;-)

Zugegeben, mein  Schienbein-Greifer hat mich weder traumatisiert noch hatte ich durch den Tritt auf sein Handgelenk einen beruflichen Nachteil. Wäre ich z.B. eine junge Praktikantin, hätte ich mich vielleicht auch nicht getraut, zu treten.
Und ich hätte diese Geschichte als eine von zig-tausenden #metoo Betroffenen gepostet. Und damit zwar nicht die Welt verändert, aber meinen Senf abgegeben.

Und darum gehts schon auch bei #metoo: Viele Frauen, die im Zuge der Debatte nun ihre Geschichte erzählen, haben tatsächlich was zu sagen. Und viele geben halt nur, mit Verlaub, ihren Senf ab.
So auch Nina Proll mit ihrem doofen Facebook-Posting („grundsätzlich halte ich sexuelle Annäherungen für erfreulich“), das mich persönlich ärgert.

Erstens, weil Nina Proll lange nicht so dumm ist, wie sie sich durch ihr Posting darstellt. Zweitens, weil Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen noch lange nicht die Macht haben, sich über andere Frauen zu stellen.
Ja, und drittens, weil man, wenn man zu einem Thema nichts zu sagen hat, seinen Senf für sich behalten soll.

Übrigens auf jeder Seite. Denn jede erdenkliche Form von Shit in einem Shitstorm abzuladen, ist letztlich auch nur.. Pardon, Shit.

Wenn #metoo Männer dazu bringt, ihr Verhalten zu reflektieren, ist das eine super Sache. Wenn Frauen aufgrund von metoo andere Frauen kategorisieren, kritisieren oder als wehleidige Trutschn hinstellen (Motto: seid halt gefälligst selbstbewusst, dann passiert schon nix;-) läuft die Debatte aus dem Ruder.

In diesem Sinne:
#nachdenkenbevormanpostet #schwachsinnfürsichbehalten
#respect

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