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Uschi Fellnerlook into my life

Uschi Fellner | 03.05.2017

Plötzlich stellte mir eine Dame die Frage: „Was haben Sie denn für Hobbys?

Der ganze Saal war mucksmäuschenstill. Alle warteten gespannt auf die Aufzählung meiner Hobbys.

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look! into my life by Uschi Fellner. © Stefan Joham

Unlängst wurde ich auf einer Veranstaltung etwas Ungewöhnliches gefragt. Ich war Teilnehmerin einer Podiumsdiskussion zum Thema „Wohin geht die Zukunft?“ und gab in der allgemein ziemlich ratlosen Diskussion tapfer mein Bestes. Die Podiums-Teilnehmer spekulierten hin und her, wohin die Zukunft wohl so gehen könnte, es war so ähnlich, wie wenn man sich vor einer Restaurant-Speise­karte nicht zwischen Pizza, Schnitzel und Fisch entscheiden kann und am Ende ratlos nach Hause geht, um ein Käsebrot zu verzehren. Das ist zwar nicht exakt das, was man sich innerlich erwartet hätte, aber besser als manches andere. So ähnlich, glaube ich, wird es mit der Zukunft sein.

 

Das Publikum konnte im Anschluss persönliche Fragen stellen. Mich fragte man unter anderem, wie ich Kinder und Job auf die Reihe bekomme (um ehrlich zu sein: Fragen Sie mich besser nicht!), wer meine weiblichen Vorbilder sind (um ehrlich zu sein: alle Frauen, die Kinder und Job auf die Reihe bekommen, kenne nur nicht viele) und dann stellte mir eine Dame die eingangs erwähnte Frage: „Was haben Sie eigentlich für Hobbys?“ Der ganze Saal war mucksmäuschenstill. Alle warteten gespannt auf die Aufzählung meiner Hobbys. Ich grübelte kurz. Die Generation meiner ­Eltern fand es noch normal, Hobbys zu haben. Wer es sich leisten konnte, richtete sich einen Hobbykeller ein, wobei mir nie ganz klar war, welcher Art von Hobby man dort nachging. Töpfern? Münzen sammeln? Gruppensex? Im Hobbykeller des Hauses meiner Freundin Lisi wurden in den Siebzigern jedenfalls Partys mit nachweislich leicht bekleideten Menschen ­gefeiert, zu denen wir Kinder nie eingeladen waren.

Das erzählte ich den Teilnehmern von „Wohin geht die Zukunft“ aber nicht. Hätte ein schräges Licht auf die mittlerweile hoch in ihren Achtzigern stehenden Eltern von Lisi geworfen, die sich übrigens als einzige Frau, die ich persönlich kenne, für eine Karriere als Ordensschwester entschied. Der Zusammenhang zwischen Lisis Lebensweg und dem Hobbykeller ihrer Eltern wurde mir erst bei besagter Frage klar. Die Hobbys der Eltern haben offenbar massive Auswirkungen auf den Lebensweg der Kinder.

 

„Schlafen“, sagte ich also. „Mein liebstes Hobby ist Schlafen!“ Das ist die Wahrheit, auch wenn das Publikum etwas enttäuscht reagierte. Man hätte sich zumindest „Yoga“ erwartet. Oder Bonsai-Züchten oder Hochsee-Angeln. Ich allerdings schlafe für mein Leben gerne, ein paar Mal ist es mir sogar passiert, dass ich als Gastgeberin eingeschlafen bin, während sich die Gäste rücksichtsvoll auf leisen Sohlen davonmachten. Mein Hobby ist, um es modern auszudrücken, ziemlich proaktiv.

Später schaute ich dann nach, was der Begriff „Hobby“ eigentlich ­bedeutet. „Zweckfreies Vergnügen“. Bitte, da haben wir es ja! Nichts ist zweckfreier und vergnüglicher als Schlafen. Ich habe das Hobby der ­Zukunft entdeckt! Wie das mit uns Trendsettern so ist, werden sie leider in der Gegenwart oft verkannt. Meine Kinder finden es zum Beispiel megapeinlich, wenn ich in Gesellschaft einfach wegratze. Glaube, ich brauch dringend einen Hobbykeller.

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