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Julia SchweigerYoga und Fitness Trainerin

Julia Schweiger | 30.11.2014

Knöchel trainieren. Waden anspannen.

Über die Enge zur Weite finden - Ein Nachmittag mit Ross Rayburn.

Enge oder Anspannung ermöglicht ungeahnte Weiten. Beim Yoga-Workshop mit Ross Rayburn gestern Nachmittag im Ananya in der Gumpendoferstrasse wieder mal erlebt.

 

„Wenn mich im Fitnesscenter wer fragt, was ich denn gerade trainiere, sage ich 'meine Knöchel'“, erzählt Ross. Und genau das tun wir auch immer wieder in den verschiedensten Yoga-Haltungen an diesem Nachmittag – es geht um Hüftöffner und Vorwärtsbeugen –, und das ist anstrengender als es vielleicht klingt! Dazu die äußere Muskelpartie in der Wade. Anspannung in Knöchel und Wade beim Üben verschiedener Haltungen ermöglicht eine größere Offenheit in den Hüften, im Becken. Und wenn die Muskeln in den Waden gestärkt werden, die Knöchel stark sind, wirkt sich das positiv auf den Rücken aus. Die komplexen und manchmal überraschenden Zusammenhänge im Körper werden wieder einmal deutlich.

Ross, der in den vergangenen Jahren mit zahlreichen BalletttänzerInnen in London gearbeitet und sie mit ihrem Körper wieder ein gutes Stück weit versöhnt hat, lässt wertvolle yoga-therapeutische Details in die Asana-Praxis an diesem verregneten Nachmittag einfließen.

 

Die Leitthemen, die ich für mich heraushöre: Enge und Anspannung, die Weite ermöglicht.... Beschränkung als Chance zu wachsen und tiefer zu gehen. Im Körper gespürt, ist das nicht mehr nur ein theoretisches Konzept, dem man zustimmen kann oder nicht. Ich fühle die Tatsache dahinter. Und wenn ich etwas in meinem Körper spüre, kann ich nicht mehr daran zweifeln. Also gut. Eine wichtige Erinnerung.

 

Warum kommt diese Erinnerung gerade jetzt? Ist es Zufall? Vielleicht. Aber wie so oft, nehme ich mir gerne Einsichten oder Aha-Erlebnisse aus der Yoga-Praxis von der Matte mit in den Alltag. Und wenn ich genau hinschaue, merke ich, dass ich gerade wieder am liebsten 'auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig tanzen würde'. Mein Kalender füllt sich rasant mit Terminen, Workshops, Weiterbildungen. Dabei wollte ich es diesen Herbst doch langsamer angehen! Einschränkung als Chance tiefer zu gehen und zu wachsen, anstatt meine Energie verpuffen zu sehen. Eine Erinnerung zur rechten Zeit? Gut.

 

Was noch? Hmmm.... „Be- oder Einschränkung als Chance tiefer zu gehen....“. Passt auch auf zwischenmenschliche Beziehungen gut. Und das darf ich „privat“ sozusagen gerade erleben.... Und ich sage nur so viel, ich genieße es sehr! Sollte ich es doch mal mit der Angst zu tun kriegen, wenn es noch enger (und vertrauter) wird, werde ich an Ross' Worte denken. Und meine Yoga-Praxis wird mich daran erinnern, dass ich in der Enge und Anspannung einfach tief atmen muss, und die Tiefe und Weite geschieht!

 

Ein Geschenk zum Adventsbeginn.

 

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