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Uschi Fellnerlook into my life

Uschi Fellner | 06.02.2016

Warum der 5 Uhr Tee-Tanz wieder eingeführt werden sollte

Ausgehen, damals und heute: Ab spätestens 24 Uhr herrscht jetzt das leise Gähnen. Aber ich finde alles ... uahh ... sehr interessant.

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Getting ready für den Opernball: Heuer zog ich zum ersten Mal Rote Lippen an!

Vor langer, langer Zeit, als die Röhrenjeans groß in Mode waren, bevor sie zahlreiche Revivals feierten. Und als Combos wie Boney M. die Hitparaden dominierten. In einem anderen Jahrhundert also, eigentlich. Da hatten meinesgleichen und ich unsere heiße Ausgehphase. Aber, hallo!

Ausgehen bedeutete damals zweckfreies Vergnügen und die frohe Schar, in deren Mitte ich mich befand (Clique nannte man das seinerzeit), plagte hauptsächlich folgende bedeutende Lebensfrage: Wie oft pro Woche und vor allem wie lange muss man ausgehen, um sicherzustellen, nichts versäumt zu haben? Hing man irgendwo mit einer kessen Cola-Rotwein ab und war um zwei Uhr früh todmüde, setzte man alles daran, um mindestens bis Viertel vor drei zu bleiben. Um am nächsten Tag damit angeben zu können, dass man, Klogang vor dem Verlassen des Lokals eingerechnet, bis mindestens halb vier Uhr früh unterwegs war. Das war natürlich untertrieben, denn eingerechnet Nachhauseweg und Abschminken war man eigentlich bis halb fünf unterwegs. Also die ganze Nacht. Saucool.

Neulich in der Ballsaison fiel mir auf, dass sich die Wertigkeiten verschoben haben. Nehmen wir die vergangene rauschende Nacht, zu der Schatzi und ich, ramponiert von den Mühen des Alltags, tapfer anzutreten versuchten. Zunächst rafften wir uns gegenseitig mit guten Worten auf. Er, grimmig: „Müssen wir da wirklich hin, jetzt?“ Ich, gereizt, weil auch noch die Wimperntusche klumpte: „Hmm, schon.“ Er: „Hmm.“ Ich: „Hmm.“ Schön, wenn man gemeinsam motiviert in eine lange Nacht startet.

Bis Mitternacht hielt ich tapfer durch. Ab Mitternacht überfällt mich verlässlich große Müdigkeit, einmal bin ich bei einer Abendeinladung sogar am Tisch eingeschlafen und schreckte durch mein eigenes Schnarchen auf, was umso schwerer wog, weil ich die Gastgeberin war. Die Gegeneinladungen blieben aus.

 

"Meiden Sie mich als Ball-Gast! Ab Mitternacht überfällt mich immer große Müdigkeit."

 

Warum beginnen Bälle eigentlich um 22 Uhr? Bin für die Wiedereinführung des 5-Uhr-Tee-Tanzes, selig würde ich dem Ball-Höhepunkt um 20 Uhr entgegentanzen und dann: ab ins Nest und ratzen, fatzen, schnarchen, schlaaaafen, bis in die Gurken. Die Menschen in der Steinzeit haben 16 Stunden geschlafen. Es war damals nicht alles schlecht.

Gähnen auf Bällen ist eine dunkle Macht. Mich überfällt sie meist in Situationen, wo es keinesfalls angebracht ist, dem Gegenüber zu vermitteln, man findet das alles zum uahhh … gähn … sehr interessant! Die Gähn-Gemeinde wird offenbar von Jahr zu Jahr größer, aus den Augenwinkeln beobachtete ich meinen alten Bekannten Mucki, heute Vorstand eines Konzerns. Mucki war in der Röhrenhosenzeit ein begnadeter Shaker zum für jetzige Begriffe blamablen Boney M.-Hit „Ma Baker“ (abstreiten ist sinnlos, Mucki, ich besitze belastendes Fotomaterial). Er sah aus, als würde er trunken vor Schlaf jeden Moment in seine Mitternachts-Gulaschsuppe kippen.

Persönlich verwehre ich mich gegen das Gerücht, ab ein Uhr früh vor Müdigkeit unzurechnungsfähig zu werden und die Schultern staatstragender Logengäste ungefragt als Kopfablage zu benützen. Erstens: Gott liebt die Müden (behaupte ich jetzt halt einmal). Zweitens: Sie müssen mich verwechseln, wahrscheinlich mit dem alten Schläfer Mucki

 

Schreiben Sie mir Ihre Meinung:
uschi.fellner@looklive.at

 

 

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