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Uschi Fellnerlook into my life

Uschi Fellner | 23.12.2015

Weihnachts-Hektik? Keine Spur.

Bei uns ist alles vorbereitet. Von langer Hand! Alles gut. Alles entspannt. Frohes Fest!

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Meine Lieblingsfrage am 24. 12. um 17 Uhr ist: Gibt es hier irgendwo noch Geschenk­papier ...?

Weihnachten und Stress? Kenne ich praktisch nicht. Unser Wohnzimmer zum Beispiel ist schon seit September festlich dekoriert. Oho, werden Sie jetzt denken! Vorbildlich! Stimmt auch. Unsere Weihnachtsdeko verbreitete im Wohnzimmer bis vier Tage vor Ostern festliche Stimmung, was aber keinen störte. Meine Familie ist dahingehend schmerzbefreit. Die Kinder wären auch mit Osternestern unterm Baum zufrieden, Hauptsache, wer anderer räumt sie weg. Wer anderer räumte also im April die Weihnachtsdeko in ­einen Koffer und stellte diesen Koffer in den Keller.  
Ende September musste ich verreisen. Da der Koffer mit der ­Weihnachtsdeko die ideale Größe für einen Kurztrip hat, holte ich ihn nach oben. Umräumen in einen anderen Koffer zahlte sich nicht aus. Manchmal schneit es ja schon im Oktober.
Sie sehen: Bei uns ist alles entspannt. Auch am Heiligen Abend wird keine Hektik aufkommen, alles gut. Jeder trägt liebevoll zum ­Gelingen des Abends bei. Wer immer den Baum schmücken wird – er, sie oder es kann mit Lob und Anerkennung rechnen.
Streit? Niemals. Bei uns gibt es zu Weihnachten nur angeregte ­Diskussionen. Ich: „Welcher Scherzbold hat den Baum so dilettantisch in das Kreuz gesteckt? Der kippt ja schon vom Anschauen um!“ Stimme aus dem Off: „Der Baum steckt voll super im Kreuz. Sei nicht so hysterisch!“
Ich: „Und wer hat jetzt das Tixoband? Das lag hier doch gerade auf dem Tisch.“ Stimme aus dem Off (diesmal eine hellere; tippe auf Kind, männlich): „Ich nicht!“ Andere Stimme aus dem Off (tippe auf Kind, weiblich): „Lügner! Du hast es weggetragen, ich hab’s gesehen!“ Ich: „Also was jetzt?“ Stimmen-Chor: „Keine Ahnung.“
Bis zur Beschwerung ist es noch eine schwache Stunde. Was ­schreibe ich da für Lavendel zusammen? Sorry, BESCHERUNG meine ich, klar. Also: Opas, Omas, Tanten, Hunde, alle da, in aufgeräumter Stimmung. Da trifft mich eine Frage wie der Blitz (natürlich aus dem Off; Erwachsener, männlich; meistens Schatzi genannt): „Duhuu? ­Haben wir noch irgendwo Geschenkpapier im Haus? Ich müsste ­meine Packerln noch, äh, verpacken ...“
Man beachte bitte die Formulierung: „Haben wir ...“. Also, erstens: Was heißt irgendwo im Haus? Was glaubt die Stimme aus dem Off, wo sie wohnt? In einem Haus mit geheimer Geschenkpapier-Kammer? Die von Geschenkpapier-Bediensteten pausenlos aufgefüllt wird?
Nein, es gibt kein Papier. Das Papier, das es gibt, brauche nämlich ich. Für MEINE Geschenke. „Entspann dich!“, sagt die Stimme aus dem Off. Und: „Freu dich, es ist Weihnachten.“ Die Stimme aus dem Off hat recht, ausnahmsweise. Und der Baum ist trotzdem schief, aber egal. Merry Christmas. Ich bin sehr froh, dass ich euch habe.

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