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Gernot SchreierBlog über Frauen, Männer und ihre alltäglichen Herausforderungen

Gernot Schreier | 12.01.2017

Wie gut ist gut

Fast jeder hat Wünsche an das neue Jahr. Fast jeder hofft, dass sie in Erfüllung gehen. Fast keiner hat eine Ahnung, was passiert, wenn sie in Erfüllung gehen.

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Foto: Shutterstock

Wie gut kennen wir uns selbst? Sind die Wünsche, die wir so schnell einmal äußern wirklich das, was wir uns wünschen? Oder gilt dann doch der alte Spruch: „Achte auf deine Wünsche, sie könnten in Erfüllung gehen.“

In einer psychosozialen Praxis ist heraus zu bekommen, was der jeweilige Klient wirklich will eine der Hauptaufgaben des Beraters. Dazu gibt es gewisse Methoden. Die Klienten sind dann oft sehr überrascht, welches Ergebnis zu Tage tritt.

 

Ein Beispiel aus meiner Praxis:

Zu mir kam ein Ehepaar. Es ging um Schmerzen, die der Mann hatte. Die Diagnosen gingen von Bandscheibenvorfall bis zu einer schlimmen Art von Nervenentzündung. Jedoch brachten die verschiedensten Therapien nicht den gewünschten Erfolg. Die Frau war sehr wütend über seinen Zustand und beschimpfte ihn sogar neben mir als Simulanten. Sie sagte zu mir, dass wir sehen sollten was da fehlt und dass er dann wieder funktionieren sollte.

Na, ja ein recht klarer Auftrag ihrerseits. Er war ruhig und sichtlich froh, als ich sagte, dass ich allein mit ihm arbeiten möchte. Wir arbeiten einige Sitzungen und sein Wunsch war: „Endlich schmerzfrei zu werden und wieder gehen zu können.“ Auf den zweiten Teil des Satzes wurde ich neugierig. Wie war das zu verstehen: „Wieder gehen zu können?“

Nach einigen weiteren Sitzungen wurde es klarer. Er konnte nicht (von seiner Frau) gehen, da er den Satz bei der Trauung: „bis, dass der Tod uns scheidet,“ ernst nahm. Immer mehr kam er zur Einsicht, dass sein Gesundheitszustand ein Hinweis darauf war, dass er nicht gehen konnte. Wenn er gesund wäre könnte er seine „sieben Zwetschken“ packen und neu beginnen. Ab dieser Einsicht ging es ihm zusehends besser aber das Zusammenleben mit seiner Frau wurde konfliktreicher. Sein Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Er war schmerzfrei...

So kann es immer wieder gehen. Man wünscht sich etwas und kommt erst später darauf, worum es wirklich geht. Oder man erkennt erst später, ob etwas Glück oder kein Glück ist. So ging es bei diesem Fall. Der Klient war sehr erschrocken, dass seine Schmerzen mit seiner Ehe zu tun hatten. Er trennte sich von seiner Frau, war aber sehr traurig über diese Tatsache, was ja verständlich ist.

Ich traf ihn nach drei Jahren. Da schien es ihm sehr gut zu gehen. Er sagte zu mir, dass nach der Trennung eine Welt in ihm zusammenfiel. Aber er begann wieder zu sporteln und sich mit anderen Menschen zu treffen. Er traf sich auch ab und zu mit seiner Exfrau. Sie beiden verliebten sich wieder ineinander und leben jetzt wieder miteinander aber auf einer anderen Basis. So gesehen war die Trennung Glück auch wenn es zuerst anders aussah...

Man sollte sich seine Wünsche gut überlegen und man sollte nicht zu vorschnell urteilen, ob eine Situation Glück oder Unglück bedeutet. Es kommt immer darauf an, was man daraus macht.

 

Erklärung:

Alle Veröffentlichungen sind, aufgrund des besonderen Vertrauensverhältnisses zwischen Berater und Klienten, mit den handelnden Personen abgesprochen und von Ihnen freigegeben. Des Weiteren sind Orte, Alter und Daten, die ein Erkennen der Personen ermöglichen würden, verfälscht.

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