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Uschi Fellnerlook into my life

Uschi Fellner | 18.05.2016

Wovor ich mich am meisten fürchte:

Wenn Kinder plötzlich lieb sind.

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Ei, da braut sich was zusammen. Rabenbraten, die urplötzlich zu ausgesuchter Höflichkeit neigen, sind brandgefährlich. Meinen eindrucksvollsten Liebe-Kinder-Schock erlebte ich vor Jahren. Ich kam heim. Heilige Stille. Die Kinder waren im Garten. Flüsternd. Schon wollte ich die Ruhe für zehn Minuten Tagesfreizeit nützen – gutes Buch lesen, Schaumbad -nehmen, Nägel machen ... was man halt sonst nicht so erledigt. Da kamen die Kinderlein und riefen: „Wir haben eine Überraschung für dich im -Garten, komm doch mit uns raus!“ Es war Sommer, doch schon dunkel. Wir gingen Richtung Fliederbusch, einer hielt mich rechts, der andere links am Ärmel, als wollten sie mich stützen. 

"Angst machen mir Mütter,
die statt Kindern kleine Genies in die Welt setzen.
Und Kinder, die plötzlich total nett sind ..."

„Was habt ihr denn da Nettes?“, fragte ich, „vielleicht ein kleines Picknick?“ Hübsche Idee aber auch! Unter dem Flieder sah ich ein mit Steinen abgestecktes Quadrat, darauf waren sorgsam Blüten drapiert und ein Pappschild, auf dem „Mama“ stand. „Schön“, sagte ich, „was ist denn das?“ „Das ist dein Grab“, sagten die Kinder feierlich. „Da passe ich, glaube ich, nicht hinein“, warf ich mit dünner Stimme ein. „Doch“, sagte mein Knabe, „wenn du tot bist, schrumpfst du ein und wirst ein Haufen Erde. Wir -kommen dich dann täglich gießen.“ Bestechende Idee. 

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