Loading…
Du befindest dich hier: Home | Events

Events | 30.09.2014

Ein Sieg in Pink

Heute findet in der Albertina Passage in Wien die große Pink Ribbon Night statt! Auch dieses Jahr organisiert Doris Kiefhaber die große Spendengala und ist für die Aktion "Pink Ribbon", die sich durch den ganzen Oktober zieht, verantwortlich. Hier das große look!-Interview über die Pink Ribbon-Aktion und das neue Früherkennungsprogramm.

Bild krebshilfe.jpg
Die Rosa Schleife und Luftballons gelten als Zeichen für die weltweite Pink Ribbon Aktion (© Krebshilfe)

Ihr Teminkalander ist das ganze Jahr über prall gefüllt, aber der Oktober ist besonders intensiv. Denn wie auf der ganzen Welt wird auch hierzulande der „Pink Ribbon“-Monat ­begangen. Auftakt ist der 1. Oktober, der internationale Brustkrebstag. Gemeinsam mit dem Team der Österreichischen Krebshilfe zieht Doris Kiefhaber – ­Geschäftsführerin der Krebshilfe – die Fäden für die österreichweite Aktion. Letztes Jahr wurden dafür 570.000 Euro gespendet. Allein um das neue Brustkrebsfrüherkennungsprogramm zu promoten, wurden 169.300 Euro investiert. Aus dem Verkauf limitierter Pink Ribbon-Produkte erhielt die Krebshilfe weitere 395.934 Euro, die als ­Soforthilfe für Brustkrebspatientinnen verwendet werden.

Bild kiefhaber Kopie.jpg
Doris Kiefhaber (© Inge Prader)

look: 1992 wurde Pink Ribbon von Estée Lauders Schwiegertochter Evelyn Lauder ins Leben gerufen. Seit wann unterstützt die Österreichische Krebshilfe diese weltweite Bewegung?
Doris Kiefhaber: Seit 2002. Die Krebshilfe hat damals eine Umfrage zum Thema Vorsorgebewusstsein von Herrn und Frau Österreicher durchgeführt – und wir hatten damit gerechnet, dass es bei Frau Österreicher besser ist. War es aber nicht. Daraufhin hat der Vorstand beschlossen, dass man einiges unternehmen muss, um mehr Frauen zur Mammographie zu bewegen. Meine Idee war, die weltweit verbreitete Pink Ribbon-Schleife nach Österreich zu bringen. Marion Pelzel von Estée Lauder war sofort dabei. Jetzt habe ich noch einen Medien­partner gebraucht. Ich bat um einen Termin bei Uschi Fellner (damals „woman“-Herausgeberin). Ich wollte einen kleinen Bericht im Frauenmagazin. Doch wer Uschi kennt, weiß: Do not start small – think big.


look: Einen Monat lang wird quasi die ganze Welt in das rosa Licht der Hoffnung getunkt, die Farbe der Aktion. Wie definiert ihr euer Ziel?
Doris Kiefhaber: Die vorrangige Message ist: Geht zur Mammographie. Die zweite ist, dass man sein persönliches Risiko senken kann, indem man einen halbwegs gesunden Lebensstil anstrebt und sich mindestens drei Mal pro Woche 30 Minuten bewegt. Es gibt sehr viele Spitäler, die Abteilungen für Frauengesundheit mit rosa Schleifen kennzeichnen. Die Pink Ribbon Night am 30. September dient der Aufmerksamkeit. Am 1. Oktober startet die Pink Ribbon Tour durch ganz Österreich.


look: Vor 2002 gab es kein Geld für Betroffene?
Doris Kiefhaber: Nein. Wir konnten nur psychologisch und medizinisch beraten. Wir haben aber gesehen, dass vor allem alleinerziehende Frauen in finanzielle Not geraten. Sie verlieren den Arbeitsplatz oder haben zusätzliche Ausgaben, sodass sie mit dem Krankengeld, das ja weniger als das normale Gehalt ist, nicht mehr auskommen. Ich hatte ein Schlüsselerlebnis. Als mir eine Patientin gesagt hat, sie stehe vor der Entscheidung, ob sie ihr Kind auf Schulskikurs schickt oder sich eine Perücke kauft. Wir reden hier von einer Selbstbehaltsumme zwischen 34 und 50 Euro. Das mag nicht sonderlich erwähnenswert sein, aber viel zu viele in unserem Land haben diese Summe nicht frei verfügbar. Wir übernehmen Fahrtspesen bei Bundesländerpatientinnen, Rezeptgebühren etc.


look: Wo sind derzeit die größten Schwachstellen für die Patientinnen?
Doris Kiefhaber: Die Vereinbarkeit von Krebs und Beruf. Deshalb fordern wir seit vielen Jahren, dass jetzt endlich ein Teilzeitkrankenstand für Krebspatientinnen eingeführt wird. Bei ihrem Krebs-Outing hat uns Barbara Prammer letztes Jahr größtmögliche Unterstützung versprochen.


Bild Krebshilfe1.jpg
Zur Feier des Tages werden bei der großen Gala tausende Luftballons steigen gelassen. (© Krebshilfe)

look: Jährlich erkranken ca. 5.000 Frauen an Brustkrebs. Wann schrumpft die Zahl endlich?
Doris Kiefhaber: Es werden nicht weniger, aber die Sterblichkeit nimmt ab. Das ist zumindest eine gute Nachricht. Wir alle werden älter als vor 30, 50, 100 Jahren, und dadurch erleben wir die Krebserkrankung. Durch Vorsorgeuntersuchungen verlängert sich ­unser Leben. Gerade bei Brustkrebs liegen die Heilungschancen bei 80 %.

Bild 046_20110928_p.jpg
Pink Ribbon Ballons steigen als Zeichen über dem Wiener Rathaus auf! (© Krebshilfe)

look: Ein großes Thema ist das neue Früherkennungsprogramm, das seit 1. 1. 2014 in Kraft getreten ist. Doch im Frühjahr gingen die Wogen hoch, nicht alle waren damit zufrieden.
Doris Kiefhaber: Wir haben dieses Programm 20 Jahre gefordert. Jetzt war es endlich da, aber nicht ganz so, wie wir uns das gewünscht haben. Im Mai wurde es nachgebessert und jetzt passt es. Es hat mich sehr geärgert, dass es viel zu wenig Information gab und vor allem viele falsche Informationen zur Verunsicherung beigetragen haben. Das Wichtigste ist: Jede Frau kann zur Mammographie gehen. Man muss sich nur einmal registrieren und ist dann im Programm.


look: Wie geht man in solch einem Job mit all dem Leid und den Emotionen um?
Kiefhaber: Es gibt natürlich Phasen, wo man mit dem Gedanken spielt, sich zu verändern. Doch genau dann bekommt man einen Anruf von einer ­betreuten Person, dass sie keine Meta­stasen mehr oder einen guten Kontrollbefund hat. Das gibt uns allen hier Kraft. Ich begegne vielen Menschen und bei aller Abgrenzung und Professionalität entstehen auch Freundschaften, die das Leben bereichern. Ich selbst habe vor zwei Jahren meinen Vater an Krebs verloren, voriges Jahr meine Cousine, das waren schon so Momente, wo ich dachte, es geht nicht mehr. Aber wenn Erfolge wie das Mammographiescreening kommen, dann geht es schon wieder.

Bild Pink Ribbon Krebshilfe.jpg
Jedes Jahr werden tausende Euro an Spenden gesammelt! (© Krebshilfe)

Alle Details zur Brustkrebs-Früherkennung!

Vorsorge. Die meisten Krebsarten können in ihrer Entstehung leider nicht vermieden werden. Deshalb spielt die Früherkennung eine große Rolle. Bei Brustkrebs passiert diese durch die Mammographie. Bis Ende 2013 war dazu eine Überweisung des Arztes notwendig. Mit 1. Jänner 2014 wurde das bereits EU-weit etablierte Brustkrebsfrüherkennungsprogramm (Mammografie-Screening) eingeführt.
Frauen zwischen 40 und 44 Jahren und ab dem 70. Lebensjahr erhalten kein automatisches Einladungsschreiben, können sich aber unter der Telefon-Serviceline 0800 500 181 oder online unter www.frueh-erkennen.at anmelden. Sobald sie das Schreiben erhalten haben, ist ihre e-card freigeschaltet und die Frau kann einen Termin mit einem Radiologen, der am Programm teilnimmt, vereinbaren.
Frauen zwischen 45 und 69 erhalten das Einladungsschreiben zur Mammographie automatisch alle zwei Jahre.
Wer öfter (mit Absprache seines Arztes) gehen will, muss selbst zahlen.
Für Frauen unter 40 empfiehlt auch weltweit keine medizinische Fachgesellschaft eine routinemäßige Mammografie zur Früherkennung.

Nähere Infos findet ihr unter www.frueh-erkennen.at und auf www.pinkribbon.at.

Bewegende Geschichten zum Thema Brustkrebs haben wir in unserer neuen look! Pink Ribbon Ausgabe für Euch vorbereitet.

Bild COVER_OKTOBER look klein.jpg
Diskutiere mit uns und deinen Freundinnen diesen Beitrag:
powered by Disqus