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Fashion | 26.10.2015

Die hohe Konst der Mode

JCHOERL zählt zu den besten Modedesignern Österreichs, dessen Kreationen nicht nur von Conchita Wurst geschätzt werden. Eine Hommage in opulenten Bildern – und im Interview.

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Hippie Nouveau. Bewusste Überzeichnung und übertriebene Formgebung als Hommage an die 70er-Jahre. Der gewebte Stoff des Hosenanzugs verleiht dem avantgardistischen Muster Ausdruck und Struktur.

Elegante Avantgarde

Als Erstes verspürt man im Atelier von Jürgen Christian Hoerl (40) etwas, das man so nicht vermuten würde: Ruhe. Insgesamt neun Personen werken in einer großen Wohnung hoch über der Köstlergasse sehr konzentriert an der Mode des gebürtigen Oberösterreichers, der u. a. am Londoner Saint Martins College sowie an der Domus Academy in Mailand studierte und seit 1999 selbstständig ist. Seine Inspirationen zieht Hoerl aus fremden Kulturen, interessanten Menschen und vielen Reisen. Produziert wird ausschließlich in Wien.

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wedding dress. Hochzeitskleid aus Ätzspitze. Mit den handgefertigten roten floralen Elementen, die bewusst am Herzen getragen werden, will JCHOERL auf die Ambivalenz der Liebe hinweisen.

Couture made in vienna

Neben den Kollektionen fertigt das Atelier auch Mode nach Maß – für Damen und
Herren. Zu den Kundinnen von JCHOERL zählen u. a. Franziska Weisz und Conchita Wurst, die der Marke international große Aufmerksamkeit bescherte. 

Ihre Kreationen changieren zwischen Avantgarde & Eleganz. Welchem Begriff fühlen Sie sich näher?

JCHOERL: Persönlich der Avantgarde. Wenn ich aber ein Kleid für eine Kundin umsetze, dann sehe ich mich als Supporter, als Wegweiser. Letztendlich soll das Kleid für die Kundin vorteilhaft sein, ihr aber dennoch entsprechen. Bei einer Kollektion ist das anders, eine Kollektion ist immer ein Look, eine Idee. 

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evening coat. Mantel aus Webplissee mit handgestickten Blütenblätter-Applikationen, durch welche die Struktur und die gerade Schnittführung aufgebrochen werden.

Wie gestaltet sich demnach der „Reifeprozess“ einer Kollektion? 

JCHOERL: Es gibt viele unterschiedliche Zugänge. Bei der letzten Kollektion ging es stark um Strukturen, wir haben intensiv mit Stickereien gearbeitet. Teile wurden aufgestickt und brechen quasi aus dem
Material heraus, wie Zusatzelemente, aber dennoch homogen. Das war die Idee, der rote Faden, der sich durchzieht. 

Existiert so etwas wie die typische JCHOERL-Kundin? 

JCHOERL: Ich glaube schon. Das ist eine sehr selbstbewusste Mittvierzigerin, die genau weiß, was sie will, wohin ihr Weg geht, was sie anziehen möchte, die sich aber auch auf Experimente einlässt. 

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like a waterfall. Der moderne Zweiteiler aus feinster Schurwolle wird durch die transparente Seidenbluse, bestickt mit kleinen Perlen und lebendig reflektierenden Pailletten, gebrochen. In Bewegung erzeugt die Bluse beinahe die optische Illusion eines Wasserfalls.

Was macht eine Frau in Ihren Augen schön?

JCHOERL: Persönlichkeit, Ausstrahlung, Selbstbewusstsein. Ausstrahlung kommt nur von innen, das hat nichts mit glatter Haut zu tun, sondern damit, ob man gelebt hat, ob man Erfahrungen gemacht hat. Das macht einen Menschen schön. 

Gibt es eine Persönlichkeit des aktuellen Zeitgeschehens, die Sie gern einkleiden würden?

JCHOERL: Tilda Swinton. Die finde ich außerordentlich toll. 

Sie haben viele Kleider für Conchita Wurst entworfen. Wie kam es zu dieser intensiven Zusammenarbeit?

JCHOERL: Sie ist sehr modeaffin und war vor zwei Jahren bei unserer Show, da haben wir einander kennengelernt. So hat sich das ergeben, und plötzlich haben wir viele Kleider für sie gemacht. Eine perfekte Symbiose. Natürlich tut solche Publicity auch dem Geschäft und dem Namen gut. 

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Exklusive Kooperation. Gemeinsam mit Juwelier Heldwein präsentierte Jürgen Christian Hoerl (o.) vor Kurzem zwei hochkarätige, mit in Gold gefassten Edelsteinen besetzte Clutches (siehe l.) sowie ebenfalls reich verzierte Handschuhe. (© Markus C. Ender)
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Der Kopfschmuck in allen Sujets ist übrigens ein Hinweis auf die Widersprüchlichkeit gesellschaft-licher Normen: hässlich und schön zugleich.

Text Klaus Peter Vollmann 

Fotos Karin Hackl

Make-up Helmut Fixl

Model Jana / Body & Soul 

Location Aux Gazelles

Das ganze Interview und alle Bilder findet ihr in der November-Ausgabe von WienLive!

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