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Lifestyle | 11.02.2015

Gipfel der Lust

Heute läuft der lang ersehnte Streifen 50 Shades of Grey in den heimischen Kinos an. Anlässlich des Filmstarts beleuchten wird das Phänomen der Unterwerfung. Zwei Dominas sprechen aus ihrer jahrelangen Praxis.

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(© Shutterstock)

Shooting-Star.


Kurz vor dem Valentinstag läuft „Fifty Shades of Grey“ heute abend nun endlich an. Dakota Johnson (25), Tochter von Don Johnson und Melanie Griffith, könnte nun über Nacht ein Star werden. Während sie bei der letzten Fashion Week in London relativ unerkannt blieb, trauert sie noch vor dem Filmstart ihrer schwindenden Anonymität nach: „Das ist wirklich gruselig, weil ein großer Teil von mir völlig glücklich wäre, auf einer Ranch in Colorado zu leben, Babys zu bekommen und Hühner und Pferde zu haben – was ich sowieso machen werde.“ Und für die Zeit nach dem Hype hat die Aktrice auch schon Pläne: „Nachdem ich mit der Presse-Arbeit für ‚Fifty‘ fertig bin, nehme ich mir den Rest des Jahres frei.“

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Durchbruch? Dakota Johnson könnte über Nacht ein Super-Star werden. (© Universal)

Der Film.

Der größte globale Bestseller der letzten Jahre erzählt die Geschichte der 21-jährigen Studentin Anastasia Steele (Dakota Johnson, „The Social Network“, „21 Jump Street“), die für ihre Universitätszeitung ein Interview mit dem 27-jährigen Milliardär Christian Grey (Jamie Dornan) führt und dem geheimnisvollen Charismatiker verfällt. Der schöne Mann eröffnet der Studentin ungeahnte Welten. Der Film erinnert ein ganz klein wenig an den Erotik-Klassiker der 1980er Jahre, „9 1/2 Wochen“. Darin erlag Kim Basinger auch einem reichen, unnahbaren Yuppie-Typen mit aufgeschlossenen Bett-Gewohnheiten – dargestellt vom damals noch schönen Mickey Rourke. Dakota Johnson: „Lustig, ich werde oft auf diesen Vergleich angesprochen und witzigerweise haben wir ‚Fifty‘ auch in neuneinhalb Wochen abgedreht.“

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Heisse Szenen. Es wird viel nackte Haut zu sehen geben, aber nicht alles entblößt.

Der kleine Grey.

Man wird jedenfalls viel nackte Haut zu sehen bekommen, aber sicher nicht den „kleinen Grey“, gestand Jamie Dornan (32) bereits vor dem Filmstart: „Ihr werdet aber sehen, so winzig ist der Stoff, der mein bestes Stück verdeckt, auch wieder nicht. Immerhin muss er eine ganze Menge an Ort und Stelle halten.“

Lifestyle | 11.02.2015

Unser Reich – die strenge Kammer

Es ist ein ganz normales Wohnhaus. Nur: Während die Kinder oben „Indianer“ spielen, werden unten – im Souterrain – Erwachsene am Marterpfahl ordentlich verdroschen.

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Danke, Herrin! Lady Sky kann – wenn das gewünscht wird – auch Karomuster in Po-Backen peitschen. Dass dabei keine gröberen Verletzungen verursacht werden, unterscheidet die Profi-Domina vom Laien. (© Ludwig Schedl)

Der kleine Chihuahua hat allem Anschein nach schon so einiges gesehen. Dass wenige Meter neben ihm ein blondes Mädchen gut verschnürt und halbnackt rund einen Meter über dem Boden in Seilen baumelt, hält den kleinen Hund genauso wenig von seinem Nickerchen ab, wie das regelmäßige Aufklatschen einer Peitsche am nackten Hintern eines Mannes in Latexoberteil. „Marla“ schnarcht im Schoß ihres Frauchens, das mal den Hunderücken, mal den Kopf des Mannes in Gummimaske streichelt, der neben ihren Füßen kniet, devot zu Boden blickt und „Ja, Herrin“ zu ihr sagt.
Kein aufgeregtes Gebell, als Sir Francis die junge, eingeschnürte Frau, der er mittels Flaschenzug den Boden unter den Füßen weggezogen hat, prüfend anschubst, so dass sie sich völlig hilflos um die eigene Achse dreht. Kritisch verschränkt der Dom die Arme vor seiner Brust und betrachtet die Bondage-Knoten, die er in engem Abstand über Oberkörper und Beine des Mädchens ins Seil geknüpft hat. Er zupft ein bisschen hier, ein bisschen da und setzt sich dann zu seiner Frau, Lady Sky, an den Tisch, um ein Interview zu geben:

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Sklaventreiber. Sir Francis ist der wahre „Christian Grey“. Er züchtigt seine „Subs“ im Keller.

Redakteurin: Kurz vorweg: Sir Francis, muss ich Angst haben, dass Sie die Peitsche holen, wenn ich eine unpassende Frage stelle?
Sir Francis: (lacht) Nein, keine Sorge! Wenn Sie keine Lust darauf hätten, von mir geschlagen zu werden, dann würde mich das auch nicht kicken … Ich lebe von der Lust meines Gegenübers.
Redakteurin: Wir befinden uns hier im Atelier, das Sie mit Ihrer Ehefrau betreiben. Männer und Frauen kommen hierher, um sich als Sklaven von Ihnen behandeln zu lassen. Pro Stunde zahlen diese Menschen 250 Euro, um gefesselt, geschlagen und gedemütigt zu werden. Warum?
Sir Francis: Die Menschen haben verschiedene Zugänge. Der eine will sich was beweisen und sagen können: „Ich halte das aus!“ In 90 % der Fälle geht es aber um die Suche nach Anerkennung. Man will als Sub, dass sein Dom stolz ist, auf das, was man ertragen hat.
Redakteurin: Dass man nicht weint, wenn einem eine erwachsene Frau in hohen Hacken über den Rücken läuft, zum Beispiel?
Lady Sky: Ja, zum Beispiel. Männer, die unterwürfig veranlagt sind, haben es in unserer Gesellschaft nicht leicht. Der Mann hat immer stark zu sein. Trotzdem haben viele Männer die Sehnsucht, sich einfach fallen zu lassen. Der Reiz liegt darin, mal die Kontrolle abzugeben.

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Gut verschnürt. Die Hohe Kunst des Bondage-Knotens: Die Sklavin wird völlig bewegungsunfähig gemacht.

Redakteurin:Was macht Ihrer Meinung nach eine gute Domina aus?
Lady Sky: Eine gute Domina ist für mich eine Künstlerin und eine Therapeutin …
Redakteurin:… die die sexuellen Wünsche ihrer Gäste erfüllt.
Lady Sky: Ja, das wollen wir nicht beschönigen. Es ist natürlich Sexwork – aber viele verwechseln die
Arbeit einer Domina mit der einer Prostituierten. Was ich hier mache, ist nicht Sex mit ein bisschen Peitschenknallen! Ich erfülle Fantasien und Träume, bin aber selbst unberührbar. Sex mit den Männern zu haben, würde meine ganze Dominanz brechen.
Redakteurin: Sir Francis, Sie nützen das Atelier hier zum Spaß und werden nicht bezahlt, weil – so die gängige Meinung – Frauen für die Erfüllung ihrer sexuellen Wünsche nicht zahlen müssen. Das mag im Normalfall so sein. Was mache ich aber, wenn ich den ehrlichen Wunsch habe, mir in luftundurchlässiger Latex-Maske auf den  Bauch pinkeln zu lassen? Jemanden, der bereit ist, mir diesen Wunsch zu
erfüllen, finde ich vermutlich nicht einfach so beim Fortgehen …
Sir Francis: Das hängt davon ab, wo Sie fortgehen. Unterm Strich: In den richtigen Kreisen finden Sie jemanden, der das macht.
Redakteurin: Schlummert in jedem von uns eine Sub oder ein Dom?
Lady Sky: Davon bin ich überzeugt. Eines von beiden oder beides.

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Hiebfest. Tut sicher weh – durch die Latexmaske des Sklaven hört man trotzdem nur ein kleines Quieken. (© Ludwig Schedl)

Redakteurin: Gibt es ein Einstiegsszenario, das Sie empfehlen können? Wie vermittelt man seinem Partner, dass man gerne mal Sadomaso ausprobieren möchte?
Sir Francis: Wenn die Beziehung gefestigt genug ist, könnte man zum Beispiel gemeinsam zum SM-Stammtisch gehen. Wäre ich Paartherapeut würde ich sagen: „Sucht euch jeder
einen Spielpartner, der euch gefällt, der Erfahrung hat und habt euren Spaß.“
Redakteurin: Damit verstößt man vermutlich gegen eine Handvoll von Gelübden, wenn man verheiratet ist …
Sir Francis: Kommt drauf an. Wenn man sich vorher Grenzen setzt und darüber redet … es wird ja niemand gezwungen, Sex zu haben.
Redakteurin: Letzte Frage: Sie sind beide dominant und leben in einer Beziehung miteinander. Wie funktioniert das in der Praxis?
Lady Sky: (lacht) Wir haben da eine ganz einfache Regel: Wer als Erster beim Rohrstock ist, hat gewonnen.

Lifestyle | 11.02.2015

Die Königin der Schmerzen

„Dieser 08/15-Blümchensex kann doch nicht alles gewesen sein!“, dachte sich Juliette mit Mitte 20. Dann wurde sie zu einer der prominentesten Dominas der Stadt.

Die BDSM-Szene in Wien ist vielfältig. In einer Parallelwelt, die den meisten verborgen bleibt, dienen gut Situierte ihren Herrinnen auf Knien. „Eine Welt aus Schmerzensschreien und Peitschenhieben“, schreibt Contessa Juliette in ihrer Biografie. Eine Welt, in der ein „Spielpartner“ jemand ist, dem man weh tut und dem das gefällt. In der ein „Dom“ keine Kirche und ein „Sub“ kein öffentliches Verkehrsmittel ist, sondern Ersterer die Peitsche durchzieht, die Letzteren am nackten Hintern trifft.
Bis vor kurzem war die 57-jährige Wienerin mit dem Künstlernamen „Contessa Juliette“ eine der maßgeb­lichen Größen der Szene. Über 10 Jahre lang führte die gebürtige Deutsche neben ihrem erfolgreichen Familienunternehmen eines der prominentesten BDSM-Studios der Stadt. Sie verschnürte Geschäftsmänner zu handlichen Paketen und ließ sich von Pensionisten die Lackstiefel lecken. Sie hatte Hinz und Kunz „buchstäblich an den Eiern“, wie sie sagt, und hängte noch Gewichte dran. Uns gab sie ein
Interview.

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Seltsame Wünsche. Für eine Stunde Hund, Pferd oder Sklave? Contessa Juliette macht’s möglich. (© Esther Crepelle)

Redakteurin:Contessa Juliette, Sie waren mehr als ein Jahrzehnt am Tag Managerin und nachts Domina. Wie hat der eine Beruf den anderen
beeinflusst?
Contessa Juliette: In meinem Firmenumfeld wusste niemand über mein Domina-Dasein Bescheid, außer meinem Bruder, mit dem ich die Geschäfte führte. Anfangs vergriff ich mich manchmal im Ton, besonders unter Freunden, nicht im Büro. Die wiesen mich aber gleich in die Schranken. Ich wurde dennoch bestimmter in meinem Auftreten. Interessant war für mich der Aspekt, so viel über Männer zu erfahren. Was ich nachts lernte, nützte ich und sah meine Geschäftspartner plötzlich mit neuen Augen.
Redakteurin:Eignen sich Managerinnen besonders gut als Dominas?
Contessa Juliette: Das wäre ein Klischee! Es ist etwas anderes Mit­arbeiter zu führen oder Männer zu
bestrafen, zu belohnen und zu demü­tigen.

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Contessa Juliette (© Esther Crepelle)

Redakteurin: Ist mal jemand, den Sie aus anderen Bereichen kannten, plötzlich bei Ihnen im Studio gestanden?
Contessa Juliette: Ja! Die Überraschung war groß, als eines Tages der Filialleiter meiner Bank vor mir stand. Er blieb aber trotzdem, denn ich hatte ihm immer schon gut gefallen. Da bleibt einem schon die Spucke weg! Aber schließlich ist das
Geheimnis beiderseits.
Redakteurin: Demnächst kommt „Shades of Grey“ als Film in die Kinos. Wie beurteilen Sie das: Hat der Hype um „Christian Grey“ die Branche bereichert oder ihr eher geschadet?
Contessa Juliette: Auf jeden Fall bereichert, denn nun trauen sich viele da­rüber zu reden, zu fragen und zuzugeben, dass in ihnen auch ein Stückchen Dom oder Sub ist.

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