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Lifestyle | 05.05.2015

Kochen mit Herz

Mit ihrem Blog erreicht Alexandra Palla täglich tausende Fans. Was rauskommt, wenn man viel Liebe hineintut, könnt ihr nun auch im Printwerk „Put a Lot of Love in It“ nachlesen.

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Es ist angerichtet.

Man nehme: eine Hobbyköchin, deren Tun und Denken so knackfrisch wie ein Gartenradieschen sind, eine erfolgreiche Bloggerin, die sich bereits im Post-Wimmerl- und Zahnspangenalter befindet, und eine Mutter, die für ihre zwei Mädchen die Familienrezepte und ­Eigenkreationen niederschreiben will. Man nehme kurz und bündig: Alexandra Palla. Die wichtigste Zutat für ein Erfolgserlebnis in der Hobbyküche. Eine gute Portion Liebe. Sie geht nicht nur durch den Magen, sie ist auch die Grundlage für jedes perfekte Gericht. „Rough cut“ – quasi der grobe Schnitt – soll Alexandra Pallas Kochkunst erläutern. Bei einer berufstätigen Mutter muss es schnell und einfach gehen. Eine überschaubare Zutatenliste und keine Litaneien bei „So wird’s ­gemacht“, das ist das Erfolgsrezept. Gespickt wird jede Speise mit einer persönlichen Anekdote, in der die Buchstaben nicht sofort in Beugehaft geraten, wenn sie sich nicht ganz ­genau an die Grammatik halten.

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Alexandra Palla empfängt Redakteurin Marion Hauser am „Tatort“.

Müsstemann. Ganz besonders ­gefällt mir „Müsstemann mehr Fisch ­essen“. Alexandra Palla schreibt dazu: „Wer kennt ihn nicht, den Müsstemann! Der Müsstemann, der sagt, da müsste man einmal eine Lampe austauschen oder den Rasen mähen. Der alles besser weiß, aber nie tut. Richtig, sagt mein ­innerer Müsstemann. Da müsste man öfter Fisch essen, so gut wie der ist.“ Noch mehr frische und ­erfrischende Rezepte und Anekdoten gefällig? Die Autorin bittet am 7. Mai um 19 Uhr zur Kochbuchverkostung bei Thalia in Wien Mitte.

Redakteurin: Wie kam es 2011 zu deinem Food-Blog, aus dem in weiterer Folge dein erstes Kochbuch „Put a Lot of Love in It“ entstanden ist?

Alexandra Palla: So wie meine Mutter ein Küchenheftchen angelegt hat, wollte auch ich meine Rezepte für meine Töchter niederschreiben. Der Blog ist sozusagen das Küchenhefterl des dritten Jahrtausends. In der ersten Zeit habe ich viermal die Woche Rezepte gepostet und Geschmackserinnerungen für Josi und JoJo gesammelt. Ich habe immer schon gerne fotografiert und Alben mit Geschichten angelegt oder persönliche Kalender gestaltet. So entstand beispielsweise auch der Susi-Gugelhupf, den wir immer gemeinsam mit meiner Freundin gegessen haben oder eben der Müsstemann-Fisch. All das hat sich wie in einer Badewanne angesammelt und ich musste nur noch den Stoppel rausziehen und schon ist es geflossen.

Redakteurin: Woher kommen diese witzigen Titel und Gschichterln?

Palla: Weil ich mir als Bloggerin erlauben kann, schräg oder anders zu schreiben, frischer und humorvoller als klassische Kochbücher mit schönen Bildern. Ich habe alles selbst mit dem iPhone fotografiert. So erinnern mich zum Beispiel Schinkenfleckerl in Rosa und Gelb an alte Hausfassaden in Wien. Es ist ein Unterhaltungs- und ein Nachkochbuch.

Redakteurin: Es sieht so aus, als könnte die Gerichte jeder ganz leicht nachkochen. Ist das so?

Palla: Ja, das war mir ein Anliegen. Alle Gerichte sind genauso auf den Tisch gekommen, wie sie im Buch abgebildet sind. Ganz ohne Food-Stylist.

Redakteurin: Im Buch kommen auch ­deine Töchter vor. Wie alt sind sie und kochen sie gerne mit?

Palla: Josi ist elf Jahre und JoJo ist 18 und macht gerade Matura. Sie prägen mich und meine Küche sehr, denn ihr Geschmack und ihr Hunger sind ausschlaggebend, was gekocht wird. Sie sind Inspiration und Stichwortlieferanten – wie „saugeile Erbsensuppe“ oder „Chill die Basis, Erdäpfelsalat“. Die Ältere googelt bereits auf meinem Blog und kocht nach. Auf diesen ­Moment habe ich vier Jahre lang ­gewartet.

Redakteurin: Du stammst aus der berühmten Schinkendynastie Thum. Warum kochst du erst jetzt beruflich?

Palla: Ich bin mit Kulinarik und deftigen Gerichten der Schinkenmacherfamilie Thum mütterlicherseits aufgewachsen, auf der anderen Seite mit der kulinarischen Raffinesse der Medizingroßmutter väterlicherseits. Aber ich habe Mode und Design gelernt, was ich so nie ausgeübt habe. Ich bin gleich in die Werbebranche gegangen. Durch die Kinder habe ich einfach täglich gekocht und bin mit 46 den jungen Bloggern um eine sehr große Erfahrung voraus. Ich will einfach den Leuten Selbstvertrauen, Spaß und ­meine Erfahrung mit auf den Weg geben. Ich habe auch 20 Jahre lang gebraucht, bis ich das perfekte ­geschmorte Lamm hinbekommen habe. Das will ich für andere einfach abkürzen.

Redakteurin: Zusätzlich entwirfst du auch Utensilien. Wie kam es zu dem Schneidbrett namens „Brett a Porter“?

Palla: Ich habe meine Anforderungen an ein perfektes Schneidbrett (Länge, Ecken, Vertiefungen) umrissen und mit dem Designduo Dottings ­(Sofia Podreka und Katrin Radanitsch) umgesetzt. Dass es fünfeckig daherkommt, hat mich anfangs auch überrascht, aber wir sind damit gerade in die Sammlung für das Museum angewandter Kunst (MAK) aufgenommen worden. Sie sind von Los Angeles bis Tokio im Einsatz (68 Euro).


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Feines Erdbeertörtchen für Mama

Zutaten für 6 Portionen:

Boden:

3 Eier
60 g Staubzucker
60 g glattes Mehl

Erdbeercreme:

1 Packung Gelierfix (6 Blatt Gelatine)
250 ml Schlagobers
40 g Staubzucker
250 g Topfen 20 %
300 g pürierte Erdbeeren
250 g ganze Erdbeeren
Staubzucker

Zubereitung:

1. 3 ganze Eier mit dem Staubzucker schaumig aufschlagen, das Mehl reinsieben und nur mehr mit einer Spachtel unterrühren, in einer runden Springform von ca. 20 cm Durchmesser bei 150 Grad 10–15 Minuten goldig backen, gut auskühlen lassen.

2. Für die Creme Gelatine quellen lassen, Schlagobers mit 40 g Staubzucker steif schlagen, Topfen, pürierte Erdbeeren und Gelatine einrühren und kalt stellen.

3. Tortenboden mit einem Messer vom Rand lösen, Springform öffnen, einen Ring aus Alufolie um den Boden legen, die Springform wieder schließen, mit der Erdbeercreme auffüllen und für 1 Stunde zum Festwerden in den Kühlschrank stellen.

4. Vorsichtig auspacken, den Ring entfernen, mit Erdbeeren belegen und mit Staubzucker bestreuen.


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Ein pallabester Topfenkuchen

Palla, wie Paula, Anton, Ludwig, Ludwig, Anton, buchstabiere ich meinen Namen für die Reservierung noch einmal ins Telefon hinein, nachdem ich ewig in der Warte­schleife hing. Das nächste Mal sag ich gleich Paula oder Anton oder Ludwig. Plötzlich riecht es fast schon ein bissl verbrannt, Himmel, der Topfenmarillenkuchen gehört schleunigst aus dem Backrohr, ist ja schon sehr, sehr braun. Macht nix, gut auskühlen lassen, Staubzucker drüberstreuen, schmeckt ausgezeichnet, ein pallabester Kuchen eben!

Zutaten für 8 Portionen:

5 Eier
180 g Backzucker
750 g Topfen 20 %
2 EL glattes Mehl
750 g Marillen
1 EL Butter für die Form

Zubereitung:

1. Ganze Eier mit Zucker sehr schaumig schlagen.

2. Den Topfen einrühren und 2 EL Mehl einsieben.

3. Teig in eine ausgebutterte, mehlbestaubte Springform füllen.

4. Mit Obst belegen und 50 Minuten bei 175 Grad im vorgeheizten Ofen backen.

5. Gut auskühlen lassen, je dunkler, umso mehr Staubzucker darauf.


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Mit Erdbeeren schmusen

Im Frühsommer, wenn die Erdbeeren so richtig schön reif und süß sind, das Erdbeerangebot überquillt und mit Erdbeeren schon fast alles angestellt wurde, wenn quasi durchgekocht ist, ist es so weit, dann wird endlich mit Erdbeeren geschmust.

Zutaten für 4 Gläser:

250 g superreife Erdbeeren
250 ml Milch
1 Packung Vanillezucker
Eiswürfel
Minze- & Basilikumblätter

Zubereitung:

Frische, gewaschene und geputzte Erdbeeren mit der Milch, dem Vanillezucker, den Minze- und Basilikumblättern sowie den Eiswürfeln im Smoothie-Mixer (oder mit dem Stabmixer in einem hohen Gefäß) pürieren. In gekühlte Gläser abfüllen und gleich servieren.

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Eine Portion Liebe. In „Put a Lot of Love in It“ präsentiert Alexandra Palla eine Auswahl ihrer beliebtesten Rezepte aus ihrem Blog und garniert jedes Gericht mit einer pointierten Kochgeschichte. Edition Styria, € 24,99. Info: www.roughcutblog.com

Fotos: Alexandra Palla & Ludwig Schedl

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