Du befindest dich hier: Home | Lifestyle

Lifestyle | 03.06.2015

Let's talk about Männer & Sex

Wie Männer ticken, hat der Psychologe und Mental-Trainer Roman Braun ganz genau erforscht. Im Interview erzählt er, warum Männer monogam und Frauen polygam sind.

Bild shutterstock_226301614.jpg
Der missbrauchte Mann? „Wenn frau einen Orgasmus vorspielt, lässt sie den Mann in einer Scheinwelt“, sagt Roman Braun.

„Von Natur aus ist die Frau Poly­gam. Sie kontrolliert fast im Stundentakt, ob ihr Partner noch voll für sie da ist. und wenn das nicht der Fall ist ...“

Psychologe und Bestsellerautor Roman Braun

Redakteurin: Männlein und Weiblein. Abgesehen von einer evolutionstechnisch funktionierenden Fortpflanzung – passen beide in ihren Wünschen und Erwartungen an ein erfüllendes Sexualleben eigentlich zusammen?
Roman Braun: Nein, eigentlich überhaupt nicht (lächelt). Wie auch in allen anderen Bereichen des Lebens, sind Frauen und Männer in puncto Sex grundverschieden. Das beginnt schon bei der Neurophysiologie. Betrachtet man das Hirn beispielsweise beim Höhepunkt, spielt sich beim Mann nicht viel ab – da erkennt man eine kleine Kapriole. Bei der Frau hingegen sind viele Hirn­areale aktiv und sprühen nur so vor Feuer. Unsere Kultur vermittelt es uns zwar anders, aber Frauen sind unendlich sexuellere Wesen als Männer. Diese falschen Bilder in der Gesellschaft – von der klösterlichen Frau und dem „übersexten“ Mann – sollten sich endlich ändern.
Redakteurin: Es heißt ja: „Männer sind Sprinter und Frauen geübt im Langzeit-Marathon.“ Oder auch: „Frauen wollen Blumen, Männer wollen Sex.“ Stimmt das?
Roman Braun: Frauen wollen Blumen, das stimmt – aber nur einmal. Denn das Bedürfnis dahinter ist die Aufmerksamkeit des Mannes – er soll sich mit ihren Wünschen und Erwartungen beschäftigen und sich in der Folge auch aufmerksam zeigen. Ein Mann, der glaubt, jedes Mal durch Blumen bei seiner Frau zu punkten, irrt. Von Natur aus ist die Frau an sich nämlich polygam. Sie kontrolliert beinahe im Stundentakt, ob der Mann, ihr Partner, noch voll für sie da ist. Wenn das nicht der Fall ist, lockt sie sich einen neuen an. Hingegen ist der Mann, ohne unsere Sozialisation, im Grunde monogam. Das Männliche sucht Herausforderungen und Aufgaben und würde dafür bis ans Äußerste gehen – so auch für die Frau an seiner Seite. Und ganz ehrlich: Männer setzen für banalere Dinge wie Sport, Autos & Co. ihr Leben aufs Spiel.
Redakteurin: Sie sprechen in Vorträgen öfter von einem „Missbrauch des Mannes“. Wie ist das gemeint?
Roman Braun: Der Missbrauch an einer Frau ist meist offensichtlich und brachialer. Umgekehrt gestaltet er sich jedoch subtiler. So ist der größte Missbrauch an einem Mann nämlich emo­tional. Täuscht die Partnerin falsche Gefühle vor – ja, hier meine ich auch im Bett – lässt sie den Mann in einer Scheinwelt, in einer Illusion. Ein falsches Lächeln aufzusetzen und ein Problem mit der Freundin anstatt dem eigenen Mann zu besprechen, ist fatal. Denn die Partnerin ist in den meisten Fällen die intimste Beziehung, die ein Mann hat – auch wenn er viele Kumpels hat. Frauen haben im Unterschied dazu viele, enge Beziehungen. Daher ist eine Trennung für Männer meistens auch schlimmer als für Frauen, wenn die Partnerin „plötzlich“ weg ist.
Redakteurin: Nun gestaltet sich ein gemeinsames Leben in Phasen. Verliebtheit – Ehe – Kinder im konservativen Lebensentwurf. Kommen Kinder, befindet sich der Mann wahrscheinlich in sexueller Höchstform des Drängens und Begehrens, während es sich die Frau gemütlich in der Kinderstube einrichtet. Worin liegen hier die Fallen eines Auseinandertriftens?
Roman Braun: Eine große Falle liegt darin, die gemeinsame Beziehung hinter den Bedürfnissen des Kindes bzw. der Kinder anzustellen. Die elterliche Partnerschaft hat Vorrang. So paradox es klingt, aber nur so, nämlich wenn Mama und Papa sich verstehen, werden die Bedürfnisse nach Sicherheit und Geborgenheit des Kindes am besten gestillt. Besonders Frauen denken oft, dass sie auch im Kopf noch ihrem Kind den Vorrang geben müssen. Dadurch kommt die Partnerschaft oftmals zu kurz und wird gefährdet. Diese Einstellung bedeutet auch weniger Sex – besonders in den ersten Lebensjahren des Kindes, man sichert und stabilisiert sie jedoch, indem man ihr einen höheren Stellenwert einräumt.
Redakteurin: Wenn sich die Mutterschaft ob ihres hormonellen Einflusses auf die Sexualität der Frau auswirkt, verändert die Vaterrolle auch die Libido eines Mannes?
Roman Braun: Absolut – nachgewiesenerweise. Beim Mann sinkt der Testosteronspiegel. Dass es in der Partnerschaft weiterhin leidenschaftlich zugeht, hängt stark vom Kopf ab.

Bild shutterstock_62423407.jpg

Redakteurin: Frauen entdecken sich mit zunehmendem Alter neu: Die Kinder sind aus dem Gröbsten raus, die Selbstsicherheit ist gefestigt – erotische Bedürfnisse nehmen zu, Sex wird genossen wie nie zuvor. Just zu diesem Zeitpunkt nimmt die Potenz des Mannes ab. Ist das nicht ein Fehler im System?
Roman Braun: Eigentlich verläuft die hormonelle Ebene bei beiden Geschlechtern gleich. Das heißt, Frauen und Männer sind zwischen 17 und 25 auf dem sexuellen Höhepunkt. Bei der Frau entfaltet sich die volle Leidenschaft jedoch erst später, weil uns unsere Gesellschaft das Bild der keuschen Frau vermittelt. Diesem Bild wollen sich reife Frauen aber nicht mehr anpassen und stehen zu ihrer Lust. Dann erleben sie eine persönliche sexuelle Befreiung. Die Potenz des Mannes nimmt aber ab, das stimmt. Die gute Nachricht ist jedoch: Sexualität spielt sich ja nicht nur auf der Geschlechter­ebene ab, sondern auf allen anderen Ebenen auch. Sexuell erfüllte Paare können täglich oder nur zweimal pro Woche Sex haben – die Anzahl ist nicht ausschlaggebend.
Redakteurin: Welchen Rat können Sie Paaren in derartigen Situationen geben?
Roman Braun: Der Schlüssel liegt in der Polarisierung. Der Mann soll sich auf seine männlichen und die Frau auf ihre weiblichen Qualitäten besinnen. Genau das zieht sich nämlich an und führt zu Leidenschaft. Erinnern Sie sich an die erste Zeit des Verliebtseins! Denn genau hier macht das jeder Mensch automatisch. Man spürt, wie man das Liebesspiel aufrechterhält.
Redakteurin: Nun scheint es, dass die Zahl der Sexmuffel – auch bei jungen Menschen – zunimmt. Welche Faktoren unterstützen diese Entwicklung Ihrer Ansicht nach?
Roman Braun: Ein Hauptgrund ist die fehlende Unterscheidung zwischen öffentlicher und privater Rolle bei Frauen und Männern. Gendermäßige Korrektheit ist im Beruf absolut richtig und angebracht. Im Liebesleben führt sie jedoch zu einer Vernunftbeziehung, weil das sich anziehende Gegensätzliche fehlt. Die Spannung und das Prickeln bleiben aus. Für eine leidenschaftliche und funktionierende Beziehung braucht es beide Energien – die weib­liche und die männliche. Verwechselt man seine öffentliche Rolle mit seiner Rolle als LiebhaberIn, verschwimmen die Qualitäten und die Anziehung geht flöten.


Bild 01_Roman Braun_C_TrinergyInternational.jpg
Der Autor Roman Braun

About Roman Braun:

Roman Braun, M.Ed., ist Bestseller-Autor, Mastercoach der ICF (Inter­national Coach Federation), er war der erste zertifizierte NLP-Mastertrainer in Österreich und ist Lebens- und Sozialberater. Seit mehr als 30 Jahren arbeitet er mit Spitzensportlern, Führungskräften und Spitzenpolitikern. Seit mehreren Jahren beschäftigt sich Roman Braun vor allem mit der „Positiven Psychologie“ und der internationalen Glücksforschung. Sein Background: Studium der Psychologie, Philosophie und Pädagogik sowie Lebens- und Berufserfahrung als Unternehmer. Seine Weiterbildungen absolvierte er u. a. bei Paul Watzlawick, Bert Hellinger, Steve de Shazer, Viktor Frankl, Richard Bandler, John Grinder, Wyatt Woodsmall u. v. m. Aus dem Spitzensport hat Roman Braun u. a. mit Skistar Rainer Schönfelder, Box-Weltmeister Sven Ottke, dem österr. Ruder-Nationalteam u. v. m. gearbeitet.

Diskutiere mit uns und deinen Freundinnen diesen Beitrag:
powered by Disqus