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Lifestyle | 16.03.2016

(K)ein Hatschi auf die Pollen

Wir haben Ärztin, Apothekerin und TCM-Beraterin gefragt, was man gegen Heuschnupfen tun kann.

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©Shutterstock

Birke, Hasel, Erle, Pappel: Kaum zieht alle Jahr wieder der schöne Lenz ins Land, ist der Heuschnupfen auch schon da. Eine bittere Erfahrung, die jeder siebente Österreicher jedes Jahr aufs Neue macht. Der Heuschnupfen, die allergische Rhinitis, ist eine Reaktion des Immunsystems auf Blütenpollen, die auf einer Überempfindlichkeit gegen die Eiweißkomponenten von bestimmten Pollen beruht. Betroffene leiden an geröteten, tränenden Augen und einer rinnenden oder auch verstopften Nase. In der Regel entwickelt sich Heuschnupfen in der Kindheit oder im Jugendalter, immer öfter kommt es aber zu einem spontanen erstmaligen Auftreten im Erwachsenenalter. Was tun, wenn der Frühling am Wohlbefinden zehrt, statt die Lebensgeister zu wecken? Zu allererst: „Testen lassen“, sagt die Dermatologin Vera Kaier, die sich unter anderem auf die Behandlung von Allergien, Intoleranzreaktionen, Nahrungsmittelallergien und Urtikaria, also Nesselsucht, spezialisiert hat. „Die wichtigste Maßnahme zur Diagnostik ist eine ausführliche Anamnese. Im Anschluss wird ein einfacher Hauttest, genannt Pricktest, oder ein Bluttest durchgeführt, die den Verdacht bestätigen oder nicht.“ Besonders wichtig sei die genaue Anamnese bei der Nahrungsmittelallergie. Warum? „10 bis 20 Prozent der Erwachsenen vermuten, dass bei ihnen eine Nahrungsmittelallergie besteht, aber nur bei einem Prozent der Erwachsenen ist das tatsächlich der Fall. Relativ häufig ist hingegen das sogenannte orale Allergiesyndrom. Das heißt, es kommt zu Juckreiz an Lippen und Mundschleimhaut nach dem Genuss von beispielsweise Äpfeln oder Pfirsichen. Das ist aber nicht der Hinweis auf eine Allergie gegen diese Nahrungsmittel, sondern Ausdruck einer Kreuz­allergie auf Baum-, Gräser- oder Kräuterpollen.“

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Ringelblumen kräftigen die Leber (TCM). ©Shutterstock

Das sagt die Schulmedizin

„Wurde eine Pollenallergie festgestellt, dann werden Antihistaminika und Nasensprays verordnet. Falls die Symptome damit nicht beherrschbar sind, wird eine Hyposensibilisierungstherapie em­pfohlen“, erklärt die Dermatologin. Bei einer Hyposensibilisierung, auch Immuntherapie genannt, wird die Überreaktion des Immunsystems behandelt. Das Prinzip: Durch die steigende Gabe von Allergenen soll sich das Immunsystem an das Allergen „gewöhnen“, bis es nicht mehr überschießend reagiert. Eine Desensibilisierung auf heimische Gräser und Pollen kann man auch mit einem alten Hausmittel erreichen, sagt Andrea Grabner, Inhaberin der Marienapotheke in Eggersdorf, die sich auch aus eigener Betroffenheit mit dem Thema Allergien auseinandersetzt. „Ich finde es grandios, wie gute Erfolge man mit Honig – der natürlich aus der Umgebung stammen muss, damit er die Blüten und Pollen der Region in sich trägt – erreichen kann.“ Das Rezept dieser „Kur“ ist einfach: zwei Kaffeelöffel Honig abends vor dem Schafengehen einnehmen, einen in der Früh nach dem Aufwachen. Idealerweise beginnt man im Herbst damit, sich auf diese Weise gegen die Allergene des Frühjahrs zu wappnen. „Der heimische Honig ist auf jeden Fall einen Versuch wert“, sagt Grabner. Ein weiteres Mittel, das sie empfiehlt und das man ebenfalls vorbeugend anwenden muss, ist Lectranal, ein pflanzliches Produkt mit Extrakten aus der Tragantwurzel. Es wirkt regulierend auf das Immunsystem und senkt die Empfindlichkeit gegenüber Pollen.

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Hausmittel Honig für die „orale Desensibilisierung“. ©Shutterstock

Das sagt die TCM

Die Tragantwurzel ist auch eines der wichtigsten Kräuter in der TCM, also in der traditionellen, 5000 Jahre alten chinesischen Ganzheitsmedizin und Heilkunde, auch wenn sie sich in allem anderen grundlegend von der Schulmedizin unterscheidet. „Mit der TCM vermag man alle Erkrankungen zu behandeln, wenn auch in verschiedenen Fällen das Hinzuziehen der Schulmedizin durchaus Sinn macht“, sagt Doris Langenberger, eine TCM-Beraterin mit Praxis in Graz. „Am Beginn einer Beschwerde steht immer und zwingend eine umfangreiche Befragung, die den gesamten Gesundheitszustand erhebt. Vom Kopf bis zum Fuß. Im wahrsten Sinne des Wortes. Erst nach dieser Anamnese ist es möglich, die Ursache einer Erkrankung zu erkennen. Je nach Diagnose wird dann der betroffene Organkreis gestärkt. Akute Symptome werden umgehend behandelt, vor allem, wenn sie einen zehrenden Charakter aufweisen wie beispielsweise ständiger Juckreiz, Atemnot, tränende Augen. Dem Grundverständnis nach wird in der TCM aber der aus dem Gleichgewicht geratene Organkreis behandelt und nicht das Symptom. Wir gehen davon aus, dass ein- und dasselbe Symptom gänzlich unterschiedliche Ursachen haben kann. Das anzuerkennen, stellt einen Grundpfeiler der TCM dar.“ Um seine Allergie dauerhaft los zu werden, bedarf es daher eines individuellen Gespräches und individueller Abklärung. Akute Symptome werden mit leberberuhigenden Kräutern in Form von Tees und Säften oder bei Hautirritationen in Form von Umschlägen gemildert. Damit sollte man grundsätzlich schon vier bis sechs Wochen bevor die Symptome üblicherweise auftreten beginnen. „Es sei aber noch einmal gesagt, dass diese akuten Maßnahmen einer Symptomunterdrückung gleichen. Der Erfolg einer Therapie steht immer in einem Zusammenhang mit der Bereitschaft des Betroffenen, seine Erkrankung mit seinem bisher geführten Lebenswandel in Verbindung zu bringen. Wenn sich die tägliche Ernährung, Bewegung, aber auch Lebensführung des Erkrankten nicht ändert, werden Kräutergaben und Akupunktur nur kurzfristig Linderung verschaffen. Erst diese Einsicht ermöglicht Heilung.“

Nicht ignorieren

So unterschiedlich die Zugänge zu Gesundheit und Krankheit in den verschiedenen Disziplinen sind, alle sprechen dafür, Allergien frühzeitig zu behandeln. Wenn eine Allergie nicht behandelt wird, kann es zum „Etagenwechsel“ kommen, die Krankheit greift dann von der „oberen Etage“, also der Nase (Heuschnupfen), auf die „untere Etage“, sprich die Lunge über und allergisches Asthma entsteht. Kinder mit Heuschnupfen haben ein bis zu siebenfach höheres Risiko, im späteren Leben ein allergisches Asthma zu entwickeln.

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