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Lifestyle | 09.05.2017

Back to the Roots

Pionierin. Sarah Wiener wird am 10. Mai mit dem „Best Taste Award“ ausgezeichnet. Die Gründe dafür sind vielfältig. Der Talk.

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„Guter Geschmack ist im Einklang mit der Natur, der Seele, dem Körper.“ Sarah Wien

Lange schon, bevor das Gütesiegel „bio“ Einzug in unser Leben gehalten hat, hat sie mit biologischen Produkten gekocht. Selbstverständlich. Dass auch der Faktor „saisonale Küche“ dabei ein wesentlicher war, versteht sich für sie von selbst. Außerdem ist Sarah Wiener unermüdlich im Einsatz, über die Gefahren von Massentierhaltung und hormon- und antibiotikaverseuchte Lebensmittel aufzuklären. Das ist für die bekannte Gastronomin und TVKöchin zur Mission geworden. Es geht um viel mehr als den lapidaren Slogan „Du bist, was du isst“. Es geht darum, wie unsere Lebensmittelproduktion heute die Welt im Wesentlichen verändert. Dafür, und für die vielen großartigen Rezepte, die wir ihren Kochbüchern – allesamt Bestseller – verdanken, wird Sarah Wiener am 10. Mai beim look! „Best Taste Day“ mit dem „Best Taste Award“ ausgezeichnet. Höchte Zeit also, die passionierte Herd-Philosophin und Koch-Pionierin nach ihrem Geschmack und den dazugehörigen Kriterien zu befragen.

 

 look: Wie definieren Sie persönlich guten Geschmack?

Sarah Wiener: Das ist nicht so einfach. Das kommt auf die Sozialisation an. Wie isst man? Wo und mit wem ist man aufgewachsen? Was kennt man überhaupt? Guter Geschmack steht immer im Einklang mit der Natur, mit der Freude am Essen, der Seele und mit dem eigenen Körper. Alles, was wirklich schmeckt, ist auch gut für unseren Körper.

 

 Ist Geschmack subjektiv oder gibt es objektive Richtlinien?

Ganz objektiv: Sonnengereiftes Obst und Gemüse, aus alten Sorten, die in der Erde gewachsen und reif geerntet worden sind, schmecken am besten. Das Ursprüngliche und Einfache hat den besten Geschmack.

 

Was bedeutet für Sie Genuss?

Seele, Geist, Körper zu nähren und sich trotzdem beschwingt zu fühlen.

 

 Sie sind, was biologisches Essen, saisonale Küche und Nachhaltigkeit anbelangt, eine Pionierin. Wie kam es dazu, dass Ihnen gesundes, gutes Essen immer wichtig war?

Es schmeckt einfach am besten und ich lebe im Einklang mit der Natur. Wir haben eine Verantwortung für unsere Enkelkinder und Mitgeschöpfe, ob es nun Tiere oder Pflanzen sind. Ökologischer Anbau ist auch eine Frage der Wertschätzung und des Respekts vor dem Leben schlechthin.

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Ihre Mission. Nachhaltige Produkte und die Freude am guten Essen vermittelt Wiener schon den Kids. © Beth Jennings Photography

Fast jedes Produkt ist „bio“ oder „vegan“. Übertreiben wir?

Wenn wir mehr mit unseren Lebensmitteln verbunden wären, brauchten wir keine Zertifikate und keine Schubladen. Für mich ist Spaghetti mit Tomatensauce nicht vegan, sondern einfach ein gutes Essen, bio ist auch nicht gleich bio. Trotzdem helfen einige Zertifikate bei der Orientierung. Sie sind der kleinste gemeinsame Nenner, in einer Nahrungsmittelproduktion, die völlig aus dem Ruder gelaufen ist.

 

Woran erkenne ich, ob ein Produkt tatsächlich „biologisch“ ist?

Lassen Sie es mich so sagen: Wenn bio betrügt, wird es konventionell. Wenn konventionell betrügt, wird es kriminell. Biolebensmittel haben allerdings weitaus mehr Kontrollen als alle anderen Lebensmittel.

 

 Gibt es drei einfache Regeln, wie gutes Essen, gute Ernährung gelingt?

Iss nicht allein, sondern in Ruhe mit Freunden und lerne kochen. Kaufe nichts, was deine Oma nicht kennt. Unterstütze deine regionalen kleinen Produzenten und Bauern, die transparent und wertschätzend Lebewesen gegenüber produzieren, und zahle den fairen Preis dafür.

 

Großes Thema im Food-Bereich ist die Blogger-Szene. Was sagen Sie zu den „Influencern“?

Mein Eindruck ist: Die Blogger- Szene ist meist jung und hat mit herkömmlichen Medien wenig am Hut. Sie ist so bunt und vielfältig wie die Food-Blogger selbst, unterliegt aber auch meist den Trends in Bild und Sprache. Darum unterscheidet sich das dann kaum von herkömmlichen Medien. Manche Blogger geben sich die größte Mühe und treten unglaublich professionell und ästhetisch sehr ansprechend auf. Mein kleiner Kritikpunkt: Ich vermisse öfter wahre Individualität, Mut zu ganz eigenen, neuen Wegen … und ein bisschen mehr ernährungspolitisches Denken würde der Szene und natürlich der ganzen Gesellschaft guttun und somit auch die Natur unterstützen. Schließlich sind diese Medien unsere Zukunft und sollten ihren Einfluss auch für knallharte Inhalte und Forderungen nutzen.

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