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Lifestyle | 15.04.2018

Cannabis als Medizin

Universal-Pflanze: Hanf ist in der Schulmedizin angekommen. Was es mit der heilenden Wirkung der Cannabinoide auf sich hat und bei welchen Krankheiten sie wirken – die Details.

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© iStock by Getty Images

Hanf ist nicht gleich Hanf. Die meisten Menschen denken bei Cannabis an ein Rausch- und Suchtmittel. Doch die Heilpflanze „Cannabis sativa“ hat einen wahren Nutzen: Die Wirkstoffe, Cannabinoide genannt, haben eine heilende Wirkung. Dies wurde ­bereits durch zahlreiche Forschungsergebnisse gezeigt. Die Nutzung von Tetrahydrocannabinol (auch bekannt unter der Bezeichnung THC) als Schmerzmittel ist der Wissenschaft nicht verborgen geblieben. Cannabinoide haben jedoch nicht nur eine schmerzlindernde Wirkung, sondern können bei unterschiedlichsten Beschwerden wie Schlaflosigkeit, Appetitmangel u. v. m. erfolgreich angewendet werden. Was es mit der Heilpflanze sonst noch auf sich hat und weshalb Hanf bereits in der Schulmedizin angekommen ist – hier die wesentlichen Fakten.

Cannabis als Medizin ist ein viel umstrittenes Thema und dennoch gewinnt es immer mehr an Zuspruch. Seit März letzten Jahres dürfen Ärzte in unserem Nachbarland Deutschland ihren Patienten Hanf für medizinische Zwecke verschreiben. Auch Finnland, die Niederlande, Italien, Spanien und einzelne Staaten in den USA sind uns in der Rechtslage einen Schritt voraus. Dort ist es erlaubt, Cannabis und seine Wirkstoffe ärztlich zu nutzen.
In Österreich wurde bisher die Gesetzeslage noch nicht geändert. Erzeugung, Erwerb, Besitz und Verkauf von Cannabis ist nicht erlaubt. Darüber wird öffentlich heftig debattiert. Aber weshalb sind so viele Menschen für die Legalisierung von Marihuana?

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Natur pur. Cannabis sativa ist die Arzneipflanze des Jahres 2018. © iStock by Getty Images

Hanf zählt zu den ältesten Kulturpflanzen der Welt und stammt ursprünglich aus Asien. Dort fand man auch die ersten Aufzeichnungen über die medizinische Nutzung des Krautes. Ende des 19. Jahrhunderts gewann die Verwendung von Cannabisprodukten auch in Europa mehr Zuspruch und wurde immer häufiger als Medikament verschrieben. Das Heilkraut diente als Ersatz des damals oft verwendeten Schmerzmittels Opium. Da Marihuana wiederholt als Rausch- und Genussmittel missbraucht wurde, fand der Gebrauch für medizinische Zwecke immer weniger Anklang. Heute versuchen viele Ärzte, wie der Wiener Doktor Kurt Blaas, die Allgemeinheit von Hanf und dessen heilender Wirkungskraft zu überzeugen.


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Medizin. Hanf besitzt pharmakologisch wirksame Inhaltsstoffe, die sowohl eine schmerz- und stresslindernde Wirkung erzielen als auch entzündungshemmend wirken. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass die Wirkstoffe der Heilpflanze bei zahlreichen Krankheiten einen positiven Effekt haben. Dennoch sind Cannabinoide als Arzneimittel in Österreich noch nicht erlaubt. © iStock by Getty Images

Hanfmedizin ist ein breites Feld. Mittlerweile wird Hanf zur Bekämpfung von etlichen Krankheitssymptomen verwendet. Nicht nur in der Krebstherapie findet die Pflanze Anklang, sondern auch bei Aids und Rheuma. Patienten mit grünem Star schwören auf die Heilkraft der Cannabinoide, die Wirkstoffe der Pflanze. Auch neurologische Krankheiten, wie zum Beispiel Multiple Sklerose oder das Tourette-Syndrom, und psychische Beschwerden, wie Depressionen oder die ­Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyper­akti­vitäts-Störung (ADHS), können durch medizinischen Hanf therapiert werden. Dass Cannabis Wirkstoffe enthält, die entspannend und stresslindernd wirken, wurde wissenschaftlich bewiesen. Die Cannabinoide, ganz besonders CBD helfen, den Körper wieder in ein Gleichgewicht zu bringen. „Am häufigsten kommen Patienten mit nicht einstellbaren Depressionen, quälenden posttraumatischen Belastungsreaktionen, spät erkanntem Tourette-Syndrom und ADHS in meine Ordination. Von Morbus Crohn und kindlichen Epilepsien ist ebenfalls

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Adieu Stress. Cannabinoide wirken ent­spannend und beruhigend auf unseren Körper, Geist und Seele. © iStock by Getty Images

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Dr. Kurt Blaas ist seit 1998 auf Cannabismedizin spezialisiert. Früher arbeitete Blaas als Suchttherapeut, heute als Allgemeinmediziner. Zum Thema hat Blaas das Buch „Cannabismedizin“ verfasst.

Dr. Blaas über 20 Jahre Hanf-Erfahrung

„Habe früh bemerkt, dass die Pflanze großes Potenzial hat.“

 

look: Sie sind Allgemeinmediziner und haben sich seit zwanzig Jahren auf Cannabis-Medizin spezialisiert. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Dr. Blaas: Nach meiner Arbeit als Suchttherapeut habe ich beschlossen, mich auf Hanftherapie zu spezialisieren. Ich habe sehr früh bemerkt, dass die Pflanze ein großes Potenzial hat, und habe viele positive Erfahrungen durch die intensive Betreuung von und mit PatientInnen gesammelt.

 

Als einer der Vorreiter haben Sie anfangs viel Kritik erfahren. Mit welchen Vorurteilen wurden oder werden Sie regelmäßig konfrontiert?
Die häufigsten Kritikpunkte kamen aus der Kollegenschaft oder von Pharmazeuten und Apothekern. Die Angst vor Veränderungen ist groß. Auf jeden Fall habe ich ­genug Lehrgeld bezahlt!

 

In welchen Fällen ist die Anwendung von Cannabinoiden vorteilhafter als herkömmliche Schulmedizin?
In meiner Praxis verschreibe ich am häufigsten THC, auch Dronabinol genannt. Auch viele Tumor- und Krebspatienten ­suchen Hilfe in der vielversprechenden Behandlung durch Cannabinoide. Zusätzlich bin ich ein großer Verfechter von Hanfblütentee, da dieser, bei der richtigen Zubereitung, viele wichtige Stoffe enthält.

 

Wie viele Menschen werden derzeit mit cannabishaltigen Medikamenten therapiert und glauben Sie, wird die Nachfrage größer werden?
Schätzungen nach befinden sich derzeit österreichweit ca. 7.000 Menschen in Behandlung. Die Gruppe derer, die sich für eine Behandlung interessieren, schätze ich auf ca. 20.000 Personen ein. Die medizinische Beratung bei der Einnahme der Produkte sowie deren Qualitätskontrolle lassen derzeit leider noch zu wünschen übrig!

Text: Antonia Baumgartner