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Lifestyle | 10.10.2016

Dem Leben zuliebe

Gemeinsam stark. Der Oktober steht weltweit im Zeichen von Pink Ribbon. Dieser Talk soll Frauen Mut machen: Brustkrebs-Patientinnen reden offen über ihr Leben nach der Diagnose.

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Top. Die Krebshilfe- Geschäftsführerinnen Martina Löwe (2. v. l.) und Doris Kiefhaber (r.) mit zwei ehemaligen Krebspatientinnen: Andrea (l.) und Hilde. © Ludwig Schedl

Alljährlich erkranken 5.500 Frauen in Österreich an Brustkrebs, der häufigsten Krebserkrankung bei Frauen. Und noch immer verlieren zu viele den Kampf, weil der Tumor zu spät entdeckt wird. Daher ist es so wichtig, einerseits selbst regelmäßig die Brust abzutasten und andererseits zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen. Seit 1. Jänner 2014 vereinfacht das Früherkennungsprogramm das Prozedere für Frauen ab 40.

Hilfe und Info. Faktum ist, dass sehr viele Frauen noch immer nicht wissen, wie sie zur Mammografie gemäß den neuen Kriterien kommen, bedauern Doris Kiefhaber und Martina Löwe, beide Geschäftsführerinnen der Österreichischen Krebshilfe. Dabei gibt es neben der Gratis-Broschüre mit sämtlichen Informationen auch im Internet (www.pinkribbon.at und www.krebshilfe.net) detailliert Auskunft. Frauen zwischen 40 und 44 sowie ab 70 Jahren erhalten kein automatisches Einladungsschreiben, können sich aber unter 0800 500 181 (oder www.frueherkennen.at) zum Vorsorge- Programm anmelden.

Berührend. Wie wichtig regelmäßige Untersuchungen sind, wissen auch die zwei ehemaligen Brustkrebs-Patientinnen Andrea, 51, und Hilde, 40, die die schlimmste Phase ihres Lebens ebenso mithilfe psychologischer Betreuung überstanden haben. Und offen über ihre Erkrankung, ihre Erfahrungen und Ängste erzählen, um auch anderen Patientinnen zu helfen. Denn sie selbst haben sehr vom Austausch mit anderen profitiert.

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Engagiert. Doris Kiefhaber in den Räumen der Österreichischen Krebshilfe. © Ludwig Schedl

look: Welche Erinnerungen haben Sie an den Moment der Diagnose?
Andrea: Ich war total überfordert, vor allem, weil die Art und Weise, wie mir die Befunde von der Schwester einfach in die Hand gedrückt wurden, nicht in Ordnung war … In meiner Verzweiflung rief ich meinen Frauenarzt an und der half mir dann weiter. Ich erinnere mich auch noch, dass ich schon bald nach meiner OP im Dezember 2012 auch eine Psychotherapeutin konsultiert habe, weil ich merkte, ich schaffe das ohne professionelle Hilfe nicht mehr. Leider wusste ich damals nicht, dass die Krebshilfe auch psychologische Begleitung anbietet. Ich hab das alles privat bezahlt.

Hilde: Auch ich habe relativ bald nach der OP – mir wurden ja beide Brüste entfernt – etwa ein Dreivierteljahr lang einmal pro Woche psychologische
Betreuung in Anspruch genommen. Ich litt unter enormen Schlafstörungen und war dauernd nur müde, vermutlich ausgelöst durch Monate voller Angst.

Wieso Monate voller Angst?

Hilde: Entdeckt habe ich die Erbse, sprich den Tumor, in der linken Brust im Dezember 2007, die genaue Diagnose bekam ich allerdings erst – aufgrund einer Odyssee von Untersuchungen – im April 2008. Diese Ungewissheit war sehr belastend. Meine schlimmste Zeit.

Was war für Sie das Belastendste?

Andrea: Das Schlimmste für mich war die Vorstellung, vielleicht keine Zeit mehr mit meiner Familie zu haben. Darüber hinaus der komplette Verlust meiner Haare, auch Augenbrauen und Wimpern. Das traf mich viel ärger als befürchtet. Man erkennt sich selbst nicht mehr. Ich habe mich dann einfach täglich geschminkt, um wieder normal auszusehen.


Wie ist Ihre Erfahrung mit der Nachfrage nach psychologischer Betreuung?
Martina Löwe: Immer mehr fragen danach. Nicht in der ersten Phase des Schocks, aber sobald das Ärgste überstandenist, wenden sich viele an uns.


Doris Kiefhaber: Auch Angehörige holen sich bei speziellen Fragestellungen wie Krebs und Beruf oder Krebs und Sexualität Rat von Experten. Wir würden
uns aber wünschen, dass viel mehr Freunde und Verwandte kommen, denn wir erleben es oft, dass viele nicht wissen, wie sie umgehen bzw. reagieren sollen.
Die Angst bleibt, sagen viele Betroffene …


Andrea: Ja, auch das Thema Angst hab ich mit meiner Therapeutin besprochen und sie gab mir den Tipp, laut „Stopp!“ zu rufen. Manchmal funktioniert’s,
manchmal nicht (lacht).

Hilde: Bei der jährlichen Kontrolle verspüre ich immer wieder Angst und auch wenn ich mit dem Thema in Berührung komme. Und im Moment der Diagnose hatte ich vor allem Angst vor dem Alleinsein, ich wusste nicht, an wen ich mich wenden sollte.


Kiefhaber: Seit zehn Jahren bitten wir unermüdlich alle onkologisch tätigen Ärzte, unsere Broschüren für Patienten aufzulegen bzw. an Patienten weiterzugeben. Viele tun es bereits, einige leider noch nicht.

 

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Andrea P., Angestellte. Im Dezember 2012 erkrankte sie an Brustkrebs. Nach OP, Chemo und Strahlentherapie nahm die zweifache Mutter und Ehefrau auch psychologische Betreuung in Anspruch. © Ludwig Schedl
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Hilde P., Rezeptionistin. Im April 2008 wurde sie mit der Diagnose Brustkrebs konfrontiert. Ihr wurden beide Brüste entfernt, die später (in einer 14-stündigen OP von 4 Ärzten & Schwestern) rekonstruiert wurden. © Ludwig Schedl


Andrea, Sie sind verheiratet und haben Kinder. Haben Sie zu Hause auch über Ihren Krebs gesprochen?

Andrea: Mit meinem Mann und meinem ältesten Sohn ja, nur beim Kleinen – er war damals neun – wussten wir anfangs nicht recht, ob und wie wir es
ihm sagen sollen. Verheimlichen wäre nicht gegangen, weil ich ja wusste, dass ich bei der Chemo die Haare verliere.


War es für Sie sofort klar, offen darüber zu reden?
Andrea: Für mich schon, ich habe sehr profitiert davon und die Erfahrung gemacht, dass, je selbstverständlicher ich mit Krebs umgehe, umso natürlicher
sind die Reaktionen der anderen. Alle, bis auf eine Freundin, haben mir den Rücken gestärkt. Das war Balsam für meine Seele.

Hilde: Meine Mutter war zwar dagegen, aber ich habe es so gewollt. Und es ist gut so. Ich habe es nicht bereut.

Sind Sie krankheitsbedingt im Job länger ausgefallen?
Andrea: Ja, ein halbes Jahr. Und dann kehrte ich in meinen alten Beruf zurück, die ersten Monate halbtags, dann wieder ganz. Was ich sehr zu schätzen
weiß.

Hilde: Ich musste zwei Jahre pausieren, weil ich auch durch meine Schlaflosigkeit sehr geschwächt war. Und nun arbeite ich nicht mehr in einem Reisebüro,
sondern als Rezeptionistin in einem Hotel mit einer tollen Chefin.


Löwe: Auch ein sehr wichtiges Thema und ein großes Anliegen der Krebshilfe. Jetzt pushen wir gerade das Gesetz, dass endlich der Teilzeitkrankenstand für Krebspatienten kommt. Besonders hart trifft eine Erkrankung ja alleinerziehende Mütter.


Haben sich Ihr Leben, Ihre Einstellung seit der Erkrankung verändert?
Hilde: Ja, ich lebe viel bewusster und bin dankbar für so vieles, was früher selbstverständlich war. Auch mit Stress gehe ich heute anders um. Ich erlaube
mir, nein zu sagen und nicht mehr zu können, wenn ich eben nicht mehr kann. Früher wollte ich es immer allen rechtmachen.

Andrea: Ich kann das nur bestätigen. Ich freue mich an kleinen Dingen wie dem Rauschen der Blätter oder Vogelgezwitscher, wenn ich im Garten sitze.
Und ich bin dankbar für jeden Tag, den ich da sein darf und meine Familie um mich weiß.


Was möchten Sie anderen Krebspatientinnen sagen?
Hilde: Nicht verzweifeln und sich an die Krebshilfe wenden! Dort erhält man auf alle Fragen eine Antwort.

Andrea: Frau ist nicht allein. Es sind viele da, die einem helfen und einen durch diese sehr schwierige Phase tragen.

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Martina Löwe & Doris Kiefhaber, Österreichische Krebshilfe-GF. Mit unermüdlichem Einsatz, langjähriger Erfahrung und sehr viel Feingefühl sind die beiden Powerladys stets dafür engagiert, nicht nur Unterstützung für Krebspatientinnen und deren Angehörige zu ermöglichen, sondern auch Vorsorgeaktionen wie die Pink Ribbon Aktion durchzuführen. © Ludwig Schedl

„Die Zeit mit meiner Familie gibt mir die Kraft, die ich im Beruf brauche.“ Martina Löwe.

 

 

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Andrea Buday, Journalistin. Im Juli 2014 entdeckte sie einen Knoten in der linken Brust. Nach der OP im September folgte die Strahlentherapie. Eine Psychotherapie ist demnächst angedacht.

"Vorsorge“- Mammografie

Wie komme ich zu einer Mammografie? Mit 1.1.2014 wurde das Brustkrebsfrüherkennungsprogramm eingeführt. Keine Überweisung – keine Kosten. Die Teilnahme ist freiwillig und für alle in Österreich sozialversicherten Frauen ab 40 kostenfrei. Keine ärztliche Überweisung notwendig, aber die E-Card!
An wen richtet sich das Programm? An beschwerdefreie Frauen ab 40 ohne Symptome einer Brustkrebserkrankung und ohne erhöhtes familiäres Risiko.
Diese werden zur „Vorsorge-Mammografie“ eingeladen bzw. können und sollen daran teilnehmen. Alle Infos rund um das Mammografie- Screening (auch zum gratis Downloaden) unter: www.krebshilfe.net oder Gratis-Broschüre bestellen: service@krebshilfe.net

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