Loading…
Du befindest dich hier: Home | Lifestyle

Lifestyle | 03.05.2017

Familie NEU

Tatsächlich Liebe! Ob Patchwork, Co-Parenting, SOS Kinderdorf oder Krisenmama: Familie 2017 ist vielfältig, bunt und von alten Rollenklischees befreit. Was zählt sind Liebe, Geborgenheit, Respekt.

Bild Bildschirmfoto 2017-05-03 um 11.32.29.png
Krisen-Pflegemutter. Sabrina Limbeck nimmt Babys auf, die von ihrer Familie im Stich gelassen wurden. © Pamela Rußmann

Das alte Rollenbild von Mutter, Vater und Kind hat lange ausgedient. Familie heute ist so bunt und vielfältig wie das Leben selbst. Es gibt das Patchwork-Modell, es gibt Co-Parenting, es gibt Regenbogenfamilien, SOS Kinderdorf und Gott sei Dank gibt es Frauen wie Sabrina Limbeck, die als Krisenmama für im Stich gelassene Babys da ist. Familie 2017, das bedeutet vor allem: Liebe und Respekt!


SABRINA LIMBECK 42, Krisenmama

 

look: Warum haben Sie sich entschieden, Krisenmama zu werden?

Ganz aus dem Bauch heraus. Ich war mir sicher, dass diese Aufgabe genau die Richtige für mich ist.


Wie erleben Sie die Wochen mit den Babys und wie gelingt der Abschied?

Es beginnt alles mit „dem Anruf “, der ungefähr so abläuft: „Frau Limbeck, wir haben ein Kind für Sie. Wenn Sie das Kind übernehmen, ist die Kollegin von der Regionalstelle in einer Stunde mit dem Kind bei Ihnen!“ Die meisten Kinder weinen, wenn sie gebracht werden, manche sind auf der Fahrt zu uns vor Erschöpfung eingeschlafen. So eine Abnahme bedeutet für ein Kind enormen Stress! Die ersten zwei Wochen sind die anstrengendsten, bis die Kinder Vertrauen gewonnen haben und sich einleben. Dann wird es richtig schön, wenn ich sehe, dass sie sich entspannen können, lachen, kuscheln!


Die Kinder haben schon früh das Schlimmste erfahren. Können diese Traumata je überwunden werden?

Das ist eine schwierige Frage, für die es keine eindeutige Antwort gibt. Trauma-Forscher und Entwicklungspsychologen gehen davon aus, dass uns schlimme frühkindliche Erfahrungen sehr wohl prägen und sogar in Suchtkrankheiten, Kriminalität usw. führen. Dass Pflegekinder besonders schwierig sein können, ist klar, vor allem, wenn sie stigmatisiert werden. Aber es gibt unzählige Beispiele von Pflegekindern, die sich gut entwickelt haben und glückliche, erfolgreiche Erwachsene werden. Ich habe die Hoffnung, dass unsere kleinen Gäste die Zeit bei uns in ihren kleinen Seelchen speichern können und damit die Erfahrung machen, dass es Orte gibt, wo die Welt in Ordnung ist.

 

Wie ist es für Ihre 7-jährige Tochter, „Geschwister auf Zeit“ zu haben?

Schon im Kindergarten hat sie stolz verkündet, dass sie Krisenpflegeschwester ist! Da sie ein Einzelkind ist, lernt sie dadurch Rücksicht zu nehmen, mal auch mit eigenen Bedürfnissen zu warten und sich um andere zu kümmern. Ich denke, sie gewinnt sehr viel an sozialer Kompetenz.


Wie hat sich die Definition von Familie verändert?


Das alte Rollenmodell von Vater, Mutter, Kind gibt es ja schon lange nicht mehr. Zum Glück, denn wie viele Menschen mussten früher in einer unglücklichen Ehe ihr Leben fristen. Patchwork ist anerkannter denn je. Wichtig ist, dass alle Beteiligten damit zurechtkommen, allen voran die Kinder! Alleinerzieherinnen sind keine Außenseiter mehr, auch wenn sie immer noch durch ihr niedriges Einkommen zu einer Randgruppe gehören. Vorhandene Sozialleistungen können kein zweites Einkommen ausgleichen! Wir sind gesellschaftspolitisch immer noch auf eine vollständige Familie ausgerichtet und orientiert. Familienmodelle haben sich verändert, das System, in dem wir leben, noch nicht.


Welche Familienform wäre für Sie die optimale?

Die optimale Familienform? Glücklich – egal wie!

Bild Bildschirmfoto 2017-05-03 um 11.32.09.png
Patchwork. Wenn aus zwei Familien eine wird. Von links nach rechts: Olivia, Alexandra, Fanni (auf dem Schoß), Valerie, Amelie, Gloria und Baby Isabel.

PATCHWORK-FAMILIE

Olivia (63), Gloria (34), Valerie (25) Amelie (7), Isabel (sechs Wochen), Alexandra (44) und Fanni (5)


Als Fanni auf die Welt kommt, sind ihre Halbschwestern (auf das „Halb-“ verzichten alle gerne) schon erwachsen, und Fanni ist bei Geburt Tante der kleinen Amelie. Dass die Patchwork-Familie heute so gut funktionert, war ein längerer Prozess und ist den Agierenden zuzuschreiben, die sich alle um ein „Zusammen“ bemüht haben. Wenn es jetzt – wie jeden Sommer – in den gemeinsamen Urlaub geht, dann ist das der Verdienst aller. Als da wären: Mutter Olivia und die Töchter Gloria und Valerie. Gloria ist mittlerweile selbst Mutter der beiden Mädels Amelie und Isabel. Dazu kam dann Alexandra, die 2012 Fanni auf die Welt brachte. Heute werden Geburtstage (auch schon eine Hochzeit) gemeinsam gefeiert, und die Reisen sind Fixpunkt in jedem Kalender.
„Erst waren wir überrascht“, so Gloria, „als unser Vater sagte, dass wir noch eine kleine Schwester bekommen. Und wir waren auch nicht gleich happy. Wir mussten uns erst langsam an die Situation gewöhnen.“ Nach-Patchwork. Wenn aus zwei Familien eine wird. Von links nach rechts: Olivia, Alexandra, Fanni (auf dem Schoß), Valerie, Amelie, Gloria und Baby Isabel.

Bild Diesner_look_22405_008.jpg
SOS-Kinderdorf-Mama. Brigitte Virgolini liebt ihren Beruf – und das seit 23 Jahren. Hier mit ihren „Kindern“ im SOS Kinderdorf Hinterbrühl. Sie sagt: „Ich gebe ihnen emotionale Stabilität.“

Brigitte Virgolini 55, SOS Kinderdorf-Mutter

 

Was ist das besonders Schöne an Ihrem Beruf und warum ist er manchmal auch anstrengend?

Das Leben mit Kindern und sie in ihrer Entwicklung zu begleiten ist das Schöne und gleichzeitig auch anstrengend – die Kinder haben vom Leben bereits in jungen Jahren einen großen Rucksack mitbekommen. Ich bin jetzt schon so lange SOS-Kinderdorf- Mutter, und es gäbe unzählig viele große und kleine Geschichten zu erzählen, die zeigen, wie erfüllend dieser Beruf sein kann. Am schönsten ist es, wenn an den Feiertagen alle da sind, die Kinder, die im Moment im Haus leben und die „Entwachsenen“mit ihren Partnern und teilweise schon mit eigenen Kindern. Da wird der Tisch zu klein und wir müssen zusammenrücken und es ist richtig was los.

Wie ist das „Familienleben“ im SOS Kinderdorf im Verhältis zum „normalen“ Familienleben?

Was ist schon normal im Zeitalter von Patchworkfamilien, Scheidungsfamilien usw.? Die Kinder gehen in der Früh aus dem Haus, besuchen Schulen und Kindergärten in der Umgebung, währenddessen wirble ich durchs Haus, gehe einkaufen und an vielen Tagen gibt es Meetings mit Pädagogischer Leitung, Supervision, Therapeuten der Kinder usw. Bis die Kinder aus der Schule kommen, ist gekocht und dann werden die Hausaufgaben erledigt. Der Nachmittag ist voll mit Terminen für die Kinder, aber vor allem ganz viel Zeit zum Spielen und Toben. Am Abend sitzen wir gemeinsam beim Abendessen und dann geht es nach dem Abendritual ab ins Bett, je nach Alter zu unterschiedlichen Zeiten und dann schreibe ich „Dienstbuch“ und reflektiere somit den Tag mit den Kindern, das muss keine „normale“ Mutter machen. An den Wochenenden kommen die leiblichen Eltern zu Besuch, oder wir machen Ausflüge oder genießen die Tage im Garten.

 

Viele der Kinder, die zu Ihnen kommen, haben schwere Schicksale. Wie können Sie helfen?

Der Rucksack der familiären Prägungen und ihre Lebensthemen kann ich ihnen nicht abnehmen, ich kann nur gemeinsam mit dem Unterstützungsteam hineinschauen und behilflich sein beim „Umpacken“.

 

Wie würden Sie die Beziehung beschreiben, die Sie zu den Kindern aufbauen?

Ich biete den Kindern Aufmerksamkeit, Kompetenz, Zeit und ganz viel emotionale Stabilität an, die über die Jahre im Kinderdorf hinausgeht.


Wie schwer ist das Loslassen?

„Meine“ Kinder können immer zu mir kommen, auch wenn sie dem Kinderdorf schon entwachsen sind. Loslassen und vertrauen, dass sie es gut machen, ist wichtig und gut!

 

Warum möchten Sie anderen Frauen den „Beruf “ als SOS-Kinderdorf-Mutter ans Herz legen?

Ich mache meinen Traumjob mittlerweile seit 23 Jahren, in ca. 5 Jahren gehe ich in Pension und kann auf ein sehr erfülltes, turbulentes Berufsleben zurückblicken und mich auf ein ebenso erfülltes und turbulentes Pensionsleben freuen.

Bild image3.jpg
Single-Mom. Auf ihrem Blog „planningmathilda“ schreibt Jennifer über ihre Erfahrung mit Co-Parenting.

Jennifer Sutholt 35, Co-Parenting, Blog „planningmathilda“


look: Können Sie kurz erklären, worum es in Ihrem Blog „Planning Mathilda“ geht?


Jennifer Sutholt: Ich berichte auf meinem Blog über Co-Parenting, also Eltern sein ohne vorher ein Paar gewesen zu sein. Ich möchte gerne anderen Frauen Mut machen, ihren Kinderwunsch zu leben, auch wenn es mit dem Traummann noch nicht geklappt hat.


Sie machen für Ihre Tochter Mathilda Co-Parenting. Was genau bedeutet das?

Co-Parenting bedeutet, dass zwei Menschen, die kein Paar sind, sondern im Idealfall gute Freunde (so wie in meinem Fall), zusammen ein Kind bekommen. Das Kind hat also ganz normal Vater und Mutter, nur, dass die in den meisten Fällen nicht zusammen wohnen und vielleicht (hoffentlich!) irgendwann noch einen anderen Partner haben. Wenn Mathilda nicht mehr gestillt wird und etwas größer ist, wird sie anfangen bei ihm zu übernachten, sodass sie gut darauf vorbereitet ist, wenn ich wieder arbeiten gehe. Sie wird dann irgendwann auch Tage bei ihrem Vater sein.

 

Darf ich fragen, wie Mathilda „entstanden“ ist?

Wir haben die Bechermethode benutzt. Das war uns beiden lieber. Ich kenne auch Paare, die es auf klassischem Wege gemacht haben, aber wir wollten die Freundschaft damit nicht überfrachten. Es hat ja ziemlich schnell geklappt. Beim ersten richtigen Versuch sogar. Mehr Informationen dazu und zu Co-Parenting gibt es auf meinem Blog: planningmathilda.com.

Diskutiere mit uns und deinen Freundinnen diesen Beitrag:
powered by Disqus