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Lifestyle | 02.11.2016

Fesch in Marrakesch

Marokko boomt! Die Blogger und Reiseredakteure überschlagen sich mit Tipps, wo es die besten Restaurants gibt, wie man sich am schönsten für 1001 Nacht bettet, wo man sich die günstigsten Schnäppchen erfeilscht und wo man die schönsten Plätze findet. look! Society-Chefin Marion Hauser verliebte sich sofort in diesen Melting Pot aus Afrika und Arabien und hat ihr BEST OF Marrakesch zusammengefasst.

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Marrakesch ist bunt wie diese Gewürzmischungen. © istock by Getty Images
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Die Kutbiya Moschee © iStock by Getty Images
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Tajines. Darin werden die köstlichsten marrokanischen Speisen zubereitet. ©istok by Getty Images

Die Magie von Marrakesch

Ja, es stimmt! Man wird sich in Marrakeschs Medina, also der Altstadt, wohl nie wirklich ganz zurechtfinden. Verwinkelte, vewunschene, labyrinthartige Gässchen, die irgendwann dann doch in einer Sackgasse enden, bilden den Stadtkern. Auch der beste Stadtplan hilft da nicht wirklich weiter. Er ist eine lieb gemeinte Idee. Vor allem auch, weil Hinweisschilder in der City so selten wie Eisbären außerhalb des Nordpols sind. Praktisch nicht vorhanden. Aber wo kann man sich auf der Welt besser nicht auskennen oder verirren als in Marrakesch? Hier der Versuch von ein paar praktischen Hinweisen, Tipps und Wegweisern.

Der Souk

Ich möchte mich immer wieder vom Souk, dem weit verzweigten Bazar, verschlucken lassen. Denn irgendwo spuckt er mich irgendwann wieder aus. Ich versinke in der totalen Reizüberflutung an Farben und Gerüchen - hier duftet es nicht nur nach Kardamom und Kreuzkümmel, sondern hier riecht es nach Afrika, wo wir ja auch sind. Ein ganz eigenes Bouquet aus Wüste, Vegetation und Klima. Hier schlägt mein Shoppingherz höher. Lampen, Schalen, Geschirr, Teppiche, Kelim-Bags, Korbtaschen und natürlich Lederwaren ohne Ende.

 

Der Souk - Shop until you drop
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Den Souk erkundet man am Besten vom großen Platz, Djamaa el-Fna aus - kurz La Place genannt. Die Amtssprache in Marrakesch ist auch längst nach der Besatzungszeit immer noch Französisch. Er wird auch der "Platz der Gehenkten" genannt. Hier wurden nämlich Rebellen und Verbrecher hingerichtet und deren Köpfe so lange ausgestellt, bis nur noch die kahlen Schädel übrig blieben.

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La Place. © istock by Getty Images

Gehenkt wird schon lange nicht mehr, "Halsabschneider" gibt es hier aber immer noch. Denn La Place ist vor allem abends das Entertainment-Zentrum schlechthin. Man kann gar nich so schnell schauen - und schon hat man ein Henna Tattoo auf der Hand - ob man will oder nicht. Geschickt und flink entmateralisieren sich aus dem Nichts einheimische Frauen mit einem kleinen "Spritzsack" bewaffnet, aus dem sie die Farbe auf die Haut drücken. Mehr oder weniger schön. Mein Tatto eher weniger, kein Wunder, es ist ja auch im Laufschritt entstanden. Doch die Flucht gelang nur bedingt. Die "Halsabschneiderin", die sich als Tattoo-Künstlerin verkleidete, wollte mir 500 Dirham abknöpfen. Also fast 50 Euro für ein paar Zentimeter schlechte Malerei. Nicht mit mir! Auch die 100, auf die wir uns einigten, waren noch zu viel. Aber das gehört dazu!

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Henna Tattoo wider Willen. Muss sein in Marrakesch.

Vor allem nach Einbruch der Dunkelheit ist der Djamaa ael-Fna ein Erlebnis. Denn neben dem eintönigen, Pardon, "Gedudel" der Gnaoua-Musik, die  Schlangen wie Touristen gleichermaßen in Trance versetzt, treiben sich Gaukler aller Art herum. Die sagenumwobenen Feuerschlucker und Artisten hab ich nicht gesehen, aber die typischen Geschichten-Erzähler gibt es noch. Für die Einheimischen. Und das ist auch gut so, denn es ist ja vor allem ihr Tummel-  und Austauschplatz.

Unbedingt muss man zu einem der Dutzenden Grill-Stände gehen. Herrlichste Fleisch-Spiesschen mit Cousous, wer will auch Pommes, manchmal werden sogar ganze Hammelkömpfe feil geboten. Ein sehr authentisches kulinarisches Vergnügen - um kein Geld. Inklusive köstlich marinierter Oliven, Saucen, Brot und Thé à la Menthe (Minzetee, das Nationalgetränk), zwei Getänken, einem Mixed Grill und einer Portion Lammcouscous zahlte ich 18 Euro. Gegessen wird auf "Heurigenbänken".

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Abends am Djamaa el-Fna bei den unzähligen Grillstationen
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Kutbyia Moschee, die größte von Marrakesch © iStock by Getty Images

Zurück zu den versprochenen Wegweisern. La Place befindet sich also direkt vor der großen Moschee Kutbiya. Sie gilt als der beste Orientierungspunkt der Stadt, da sie das höchste Minarett, geziert von einer Goldkugel, hat. Bei Sichtkontakt mit dem Turm kann sich halbwegs gut orientieren. Von dort geht es zum großen Platz und von diesem führen zwei Hauptverbindungswege in den Souk. Man folgt entweder der Rue Mouassine oder der Rue Semarine in Richtung Musée de Marrakech und Medersa Ben Yousssef, der ältesten und bedeutendsten Koranschule der Stadt. Der Souk ist in Zünften unterteilt.

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Eingang in den Souk von Djamaa el-Fna - der Platz der Gehenkten
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Rahba Kedima

Irgendwann landet man bei einem Besuch des Souks an diesem entzückenden Platz, Rahba Kedima. Hier findet man auch sehr nette Roof-Top-Cafés und Restaurants. Zu den berühmtesten zählen das Nomade und das Café des Epices. Auf dem Menü stehen auf alle Fälle Tajines, Couscous und andere orientalische Spezialitäten, aber auch Westliches wie Burger, Club Sandwich und Co. Alkkohol wird nur in ganz wenigen Lokalen ausgeschenkt.

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Das Nomade am Rahba Kedima

Wer Zeit hat, sollte auch einen Abstecher ins Gerberviertel unternehmen. Denn man sieht (und vor allem riecht), wie mühsam die Ledergewinnung ist - oder einst war. Zur Vertreibung des Gestanks erhält man ein Büschel frische Minze. Wie man die Gerbereien findet? Keine Sorge, gewievte Burschen entführen einen förmlich dorthin. Danach wird man in einen Laden gezerrt - leider mit dem schlechtesten Angebot an Lederwaren das ich auf meiner Reise gesehen habe. Also Schmattes bereithalten.

Das Gerberviertel von Marrakesch
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Eat & Drink

Die Küche ist eine äußerst geschmackvolle. Bis zu 25 verschiedene Gewürze finden sich in Mischungen wie Ras el-Hanout, auch Kräuter sind in fast jedem Gericht - allen voran Minze und Thymian. Zu den Spezialitäten zählten gegrilltes Fleisch, aber meist wird es in den Tajines im Ofen geschmort. Couscous mit Gemüse, Fleisch oder auch plein. Und wer keine Tanjia probiert hat, war nicht wirklich in Marrakesch. Es sieht ein bisschen wie braunes Gulasch aus, das Rind wird aber mit Thymian, Honig, Granatäpfeln und Markknochen verfeinert - und liegt dementsprechend schwer im Magen.

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Couscous
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Auch typisch: Salat-Variationen und mit Sardinen gefüllte Paradeiser

Lokale gibt es unzählige. Meist verbergen sie sich hinter Türen, manchmal sind sie nicht mal beschildert. Entweder man speist auf der Dachterrasse oder in den sogenannten Patios (Innenhöfen) der Riads, so werden die alten, palastähnlichen Häuser in der Medina genannt.

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In Marrakesch spielt sich das schöne Leben hinter kunstvoll verzierten Toren ab.
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Dar Yacout, Poppy Delevignes Lieblingsrestaurant in Marrakesch.
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Innenhof des Dar Yacout
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Üppiges Menü im Dar Yacout

Schöne Restaurants sind das bereits erwähnte Nomade, das Café Arabe, das Dar Zellij, das Le Jardin (ist sogr halbwegs gut ausgeschildert), die Kosybar am Place Ferblantiers in der Mellah (dem Judenviertel), Le Foundouk (in der Nähe des Musée de Marrakech), aber mein größtes Erlebnis war ein Dinner im Dar Yacout (79 Sidi Ahmed Soussi). Es ist fast nicht zu finden, aber wenn, ist man im orientalischen Paradies. Den Aperitiv nimmt man im ersten Stock dieses Palastes, das Dinner in Patio. Unaufdringliche, authentische Live-Musik und Essen, als gäbe es kein Morgen. Wo sonst bekommt man nach gefühlten 20 Mezzes zur Begrüßung auch ein ganzes! Hendl als Vorspeise, gefolgt von einem geschmoren Hammel mit Couscous (wieder mit Lamm) und zum Dessert eine ganze Torte aus Blätterteig mit Vanillesauce und viel Zimt.

 

Hostage

Keine Frage, das Mamounia Palace, das Amanjena, das Royal Mansou, das Royal Palm usw. sind alles herrlich luxuriöse Unterkünfte -  für die ganz große Geldbörse. Aber das muss in einer so bezaubernden Stadt gar nicht sein. Hier steigt man am besten in einem Riad ab. Die meisten haben Schatten spendende Innenhöfe und Roof Top Terrassen. Das Angebot im Mittelklasse-Segment ist riesig. Ich hab mich für das Palais Sebban entschieden und kann es nur wärmstens empfehlen.

Palais Sebban
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Ausblick auf der Terrasse des Palais Sebban
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Was man noch sehen sollte

Ein Besuch im Jardin Majorelle ist natürich Pflicht. Der französische Maler Jacques Majorelle wanderte von Frankreich nach Marokko aus und ließ sich vom damals angesagten Architekten Paul Sinoir sein Traumhaus inklusive Garten in Jahr 1931 bauen. Nach ihm wurde auch das Majorelle Bleu benannt.

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Das Haus von Jacques Marojelle, später Yves Saint Laurent
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Die Kakteen stammen aus der ganzen Welt
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Majorelle Bleu
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Der Jardin Marojelle ist in der Rue Yves Saint Laurent

1947 öffnete Majorelle den Garten für die Öffnetlichkeit, der nah seinem Tod 1962 total verfiel. 1980 beschlossen Yves Saint Laurent und sein Lebensgefährte Pierre Bergé das Anwesen zu restaurieren. Das Haus beherbergt auch ein Berber-Museum und ab 2017 auch ein eigenes Yves Saint Laurent Museum.

Natürlich wäre auch ein Besuch von André Hellers fantastischer Gartenwelt Anima wünschenswert gewesen, aber das hebe ich mir für das nächste Mal auf. Man braucht ja immer etwas, wovon man träumen kann...

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Auch sehenswert: der Bahia Palast, der seinen Namen von der Lieblingsfrau des Großwesirs Ba Ahmed Ben Moussa erhalten hat.

Beste Reisezeit: September bis März, denn sonst ist es in Marrakesch viel zu heiß. Ich hatte Ende Oktober traumhafte, hochsommerliche Temperaturen.

Niki fliegt mehrmals wöchentlich direkt Wien-Marrakesch. Flugzeig: 3,40 Stunden.

Fotos: Privat und istock by Getty Images

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