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Lifestyle | 08.07.2016

My Castle is my Home

Heute eröffnet das Schloss Weitra Festival mit dem Komödien-Klassiker "Pension Schöller". Hausherrin & Schauspielerin Prinzessin Stefanie zu Fürstenberg ist ebenso on Stage und öffnet für uns die Pforten ihres Familienanwesens.

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Die opulente Auffahrt zum Schloss Weitra im Waldviertel

Das Schloss Weitra befindet sich seit 1607 im Besitz der Familie Fürstenberg. Seine Geschichte ist aber noch viel älter und geht bis 1208, also in die Kuenringerzeit zurück. Das alte Gemäuer könnte so einiges erzählen. Einst war Weitra eine Burg, dann ein Renaissance-Schloss - so ist es auch bis heute erhalten. Es überlebte Kriege und Brände. Wie es sich als Schlossbesitzerin im dritten Jahrtausend lebt, erzählt Prinzessin Stefanie zu Fürstenberg im Interview.

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Prinzessin Stefanie zu Fürstenberg im Innenhof des Schlosses, wo ab 8. Juli auch Theater gespielt wrid.

Wie viele Zimmer besitzt eigentlich Schloss Weitra? Hat die schon mal wer abgezählt?

Das ist die wiederkehrende Frage, die ich nicht beantworten kann. Nachdem das so ein uraltes Haus ist, das sich vom 13. Jahrhundertvon einer einfachen Kuenringer-Burg über ein Renaissance-Schloss bis zum heutigen Kulturschauplatz verändert hat, haben sich auch die Zimmer in Größe und Funktion geändert, und somit wissen wir es einfach nicht.

Wohnt hier noch jemand?

Seit dem Ende des 2. Weltkrieg ist es unbewohnt. Das Waldviertel war unter russischer Kommandadtur, die Russen haben es annektiert. Wir kennen es nur aus Bildern, aber es war prachtvoll eingerichtet. Als die Russen kamen, wurde der Onkel meines Mannes verhaftet und vertrieben, wie das im Krieg halt so war. Die Russen haben in den alten Mauern gefroren und haben einfach die Einrichtung verheizt. Sie haben es in einem vollkommen devastierten Zustand hinterlassen. Das Schloss blieb viele Jahre leer. Mein Mann hat es in den 1970er Jahren übernommen und einmal aufgeräumt und entrümpelt. 1994 war dann die Landesausstellung von Niederösterreich hier und somit haben wir es mit der Förderung und eigenen Mitteln wieder in Schuss bringen und der Öffentlichkeit zugänglich machen können. Das war der Startschuss. Seitdem gibt es diverse Ausstellungen (z. B. die Familien- und Landesgeschichte) und seit 2006 das Schloss Weitra Festival.

Es gibt auch ein Brauereimuseum ...

Ja, denn Weitra hatte einst 45 Brauereien. Es liegt genau zwischen Prag und Wien und somit war es in der k+k-Zeit beim Adel auch als Sommerfrische beliebt. Eine Fürstenberg, die hier gelebt hat, war auch Hofdame der Kaiserin Elisabeth.

 Wie wird das Schloss noch genützt?

Das schönste Kompliment für uns ist, dass die Leute hier in der Gegend von "ihrem" Schloss sprechen. Es wird hier geheiratet, es werden Feste gefeiert, es gibt Konzerte und Lesungen, Antiquitätenmessen. Ich mache auch persönlich Führungen. Und eben ab 8. Juli sielen wir hier die "Pension Schöller" unter der Intedanz von Peter Hofbauer.

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Die Prinzessin in ihrem Bühnenoutfit in "Pension Schöller" ©Rossen Stoimenov

Erhält sich so ein Schloss durch die vielen Aktivitätn von alleine?

Das war mein Traum. Aber mein Mann sagte mir gleich am Anfang unserer Ehe, dass ich ruhig weiterträumen, aber es ruhig versuchen soll. Aber es geht nicht. Mit Hilfe des Landes und dem Einsatz von vielen Helfern gelingt es, dass man nicht ins Minus kommt. Aber man muss schon viel privat investieren.

Hat die Familie Fürstenberg auch einen Brotberuf?

Natürlich. Mein Mann ist Wald- und Forstwirt, denn zu diesem Schloss gehört viel Grund dazu: Wälder, auch Teiche, wir betreiben auch eine Fischereizucht. Das Tolle an dem Beruf ist, dass man für die nächsten Generationen lebt und arbeitet. Die Bäume, die mein Mann heute pflanzt, ernten seine Enkel. Das Holz von dem wir jetzt leben, pflanzte sein Großvater oder Urgroßvater. Es ist eine Firma, bei der man weit in die Zukunft blickt, aber auch in die Vergangenheit.

Wie viele Leute braucht es, um diesen Besitz aufrechtzuerhalten?

Heute in der modernen Zeit braucht es zwischen 30 und 35 Mitarbeiter. Als mein Mann das Anwesen von seinem Onkel übernommen hat, gab es noch 120 Arbeiter. Da wurde das Holz noch mit Pferdefuhrwerken aus dem Wald geholt. Heute gibt es so genannte Vollernter, also spezielle Maschinen. Im Schloss haben wir zwei Damen, die an der Kassa sitzen und die Buchhaltung und Führungen machen.

Wie lange schon sind Sie mit dem Schloss verbandelt?

Ich bin nun seit 21 Jahren mit Johannes Prinz und Landgraf zu Fürstenberg verheiratet und somit auch mit dem Haus. Wir haben zwei Söhne (17 und 18) und beide sind historisch interessiert, helfen mit und bis vor zehn Jahren haben wir auch hier in der Nähe unseren Hauptwohnsitz gehabt, auch ein alter Hof. Der Schule wegen wohnen wir aber auch in Wien. Weitra wird dennoch immer unsere Heimat bleiben.

Gibt es noch einen Wunsch fürs schloss?

Ja, ein eigenes Schlossrestaurant, denn die Räumlichkeiten hätten wir dafür. Aber bislang haben wir noch keinen Koch gefunden, der uns ein kleines, feines Restaurant betreibt. Weitra liegt auch weit weg vom Schuss.

Sie sind gelernte Goldschmiedin und ausgebildete Schauspielerin und heuer auch bei den Sommerspielen mit dabei. Wie kam das?

Ich durfte schon bei Intendant Felix Dvorak in „Der Unbestechliche“ mitspielen, denn er kannte mich irgendwie. Ich bin ja Münchnerin und habe auch beim Fernsehen gearbeitet und da sind wir uns schon mal über den Weg gelaufen. Als er wusste, dass ich Schauspielerin bin, bekam ich das Engagement. Und da man im Stück einen Sohn benötigte, durfte auch einer meiner Söhne mitspielen. Sie haben beide die Rolle einstudiert – und somit hat der Felix beschlossen, dass alle beiden mitspielendürfen. Das war eine tolle Chance, denn ich habe mich ja zehn Jahre lang hier nur ums Schloss und um die Familie gekümmert. Mittlerweile habe ich eine Agentur und werde auch für den Film engagiert. Ja, und jetzt darf ich auch in „Pension Schöller“ in der Inszenierung von Peter Hofbauer mitspielen. Als eine von zwei weiblichenHauptrollen.

Führung durch Schloss Weitra
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Prinzessin Stefanie auf dem Schlossturm mit Blick übers Waldviertel
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Der Blick auf das Zentrum von Weitra
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Prächtig ist das Renaissance-Schloss renoviert
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Schloss Weitra verfügt auch über ein kleines, privates Theater
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Das sogenannte Flüsterzimmer
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Der Stammbaum der Fürstenbergs reicht bis 1607 zurück
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Das Schloss ist wie gesagt für Jedermann zugänglich. Ab 8. Juli ist der Komödienklassiker "Pension Schöller", der heuer 125jähriges Jubiläum feiert zu sehen. Intedanz: Peter Hofbauer. In weiteren Rollen: Hubert Wolf, Caroline Vasicek uvm.

Infos zu Führungen und Tickets für die Vorstellungen findet ihr hier.

Pics by Ludwig Schedl.

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