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Lifestyle | 04.04.2016

Pollenallergie: Das hilft!

Für Allergiker kann der Frühling durchaus mühsam werden. Doch niemand muss mit den Beschwerden einer Pollenallergie leben. Im Gegenteil: Eine Behandlung ist sogar notwendig, um langfristige Schäden der Lungenfunktion zu verhindern!

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Pollenallergie: Das hilft! © iStock by Getty Images

Die Pollen fliegen wieder – und das heuer bereits seit Anfang Februar! Schuld daran sind die milde Witterung und die damit verbundenen überdurchschnittlich warmen Temperaturen. Los geht es mit Erle und Hasel, deren Blüten und Blätter bereits vor dem Winter angelegt werden. Das bedeutet: Es reichen einige wenige warme Tage und die Pollen fliegen bereits. Im Gegensatz zu den Baumpollen müssen die Gräser erst wachsen, bis deren Pollen fliegen können.

Rund 20 Prozent aller Österreicher sind übrigens von einer Allergie bzw. einer Überempfindlichkeit betroffen. Laut Primar Bernd Lamprecht, Vorstand der Abteilung für Lungenkrankheiten am Kepler Universitätsklinikum Linz, seien die Zahlen in den vergangenen Jahren leicht gestiegen. „Das liegt zum einen an der erhöhten Sensibilität bei der Diagnostik“, erklärt der Mediziner. „Beschwerden werden nicht mehr bagatellisiert und auf die leichte Schulter genommen. Auf der anderen Seite fördern unsere Lebensumstände und das damit zusammenhängende sterile Aufwachsen die Neigung zu Allergien.“

 

Keine allgemeingültige Therapie

Brennende Augen, laufende Nase, ständiges Hüsteln, Atemnot: Die Symptome sind von Patient zu Patient verschieden. Auch die allergische Potenz der einzelnen Bäume und Gräser ist unterschiedlich. Beschwerden, die durch Birkenpollen hervorgerufen werden, sind weitaus stärker ausgeprägt als etwa jene der Erle. Das sind die Hauptgründe, warum es keine allgemeingültige Therapie bei einer Pollenallergie gibt. 

Grundsätzlich ist laut Experten eine Al-lergen-Karenz sinnvoll. Das bedeutet, jene Stoffe zu meiden, die das Immunsystem überreagieren lassen. „Was im Frühling natürlich nicht einfach ist, wenn herrliches Wetter herrscht und man hinaus in die Natur möchte“, sagt Lamprecht. „Außerdem wird man den Blütenpollen nie ganz entkommen können.“ Darum empfiehlt er, zum Schutz der Augen Sonnenbrillen zu tragen und abends die Pollen aus den Haaren zu waschen. Auch die Kleidung, die man tagsüber getragen hat und an der Pollen haften, sollte nicht in jenem Raum bleiben, in dem man sich abends aufhält. 

 

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Gefährlicher „Etagen-Wechsel“

Reichen diese Schutzmaßnahmen nicht aus, ist eine Behandlung unumgänglich. „Sonst kann es nämlich aus schulmedizinischer Sicht zu einem so genannten Etagen-Wechsel kommen“, erklärt der Mediziner. „Das heißt, dass die Beschwerden tiefer wandern und dann vor allem die Atemwege betroffen sind. Längerfristig kann das wiederum die Lungenfunktion nachhaltig schädigen.“ In einfachen Worten: Wer eine Behandlung hinauszögert oder gar verweigert, riskiert, dass aus dem Heuschnupfen chronisches Asthma wird. 

 

Die Hyposensibilisierung

Welche Behandlung die richtige ist, hängt von der Allergie und deren Ausprägung ab. 

Die Hyposensibilisierung erstreckt sich über einen längeren Zeitraum und zielt darauf ab, dass man keine Therapie mehr braucht – auch dann nicht, wenn der Körper mit dem Allergieauslöser in Berührung kommt. Bei der Hyposensibilisierung wird das Immunsystem mit sehr geringen Mengen des Allergieauslösers konfrontiert und allmählich daran gewöhnt. Es lernt, den Stoff zu tolerieren und nicht mehr als „Feind“ zu bekämpfen. Die Verabreichung erfolgt unter die Haut oder unter die Zunge. Diese Therapie ist laut Primar Lamprecht allerdings nur dann erfolgversprechend, wenn ein enges Allergiespektrum besteht, sprich: wenn man auf einen bestimmten Stoff allergisch reagiert. Ist das Allergiespektrum hingegen breit gestreut, zum Beispiel gegen Baum- und Gräserpollen sowie Tierhaare, ist der Erfolg meist sehr gering. 

 

Antihistaminika

Bei der medikamentösen Therapie geht es in erster Linie darum, überschießende Reaktionen des Körpers zu dämpfen bzw. zu unterdrücken. Zum Einsatz kommen dabei antiallergische Medikamente, am bekanntesten sind Antihistaminika. Diese gibt es in Tablettenform, aber auch zum Inhalieren, als Nasenspray und Augentropfen. Der Vorteil ist eine gezielte Anwendung und Behandlung der betroffenen Organe. „Diese Medikamente müssen nicht längerfristig, sondern meist nur in jener Zeit genommen werden, in der die Symptome akut sind“, erklärt Lamprecht. „Bei den Birkenpollen würde das in etwa ein Zeitraum von zwei bis drei Wochen sein, wenn man sonst das restliche Jahr über keine Beschwerden hat.“

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Die Gras-Tablette

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit bei Heuschnupfen ist die so genannte Gras-Tablette. Ähnlich wie bei der Hyposensibilisierung wird auch hier das Immunsystem mit einer sehr geringen Dosis des Allergieauslösers konfrontiert, um künftig heftige allergische Reaktionen zu verhindern. Die Tablette wird unter die Zunge gelegt, wo sie sich auflöst und die Wirkstoffe über die Mundschleimhaut aufgenommen werden. Laut wissenschaftlichen Studien gilt die Wirksamkeit der Gras-Tablette als erwiesen, da sie die Beschwerden bei mehr als 80 Prozent der Heuschnupfen-Patienten gebessert hat und diese daraufhin auch weniger symptomlindernde Medikamente brauchten.

 

Behandlung mit Kortison

Obwohl es wegen seiner Nebenwirkungen in Verruf gekommen ist, wird auch Kortison häufig zur Behandlung von Allergien eingesetzt. Es bremst das Abwehrsystem und hilft, überschießende Reaktionen des Immunsystems zu dämpfen. „Den schlechten Ruf hat Kortison völlig zu Unrecht“, sagt der Experte. „So ist es zum Beispiel in inhalativer Form aus der Asthma-Therapie nicht wegzudenken. Es kommt immer auf die Dosierung und die Dauer der Anwendung an. Problematisch sind langandauernde, hochdosierte Anwendungen. Bei einer zeitlich begrenzten oder lokalen Therapie mit Kortison hingegen braucht man wegen etwaiger Nebenwirkungen keine Bedenken zu haben.“

Wovon sich Lamprecht in Zukunft viel verspricht, sind Allergie-Impfungen, die gezielt eine Toleranz des Allergens entwickeln und somit allzu heftige Reaktionen des Immunsystems dämpfen sollen. Im Moment sind diese Impfungen allerdings noch nicht für alle Allergien verfügbar und auch in ihrer Wirksamkeit noch nicht optimal. 

 

Alternative Methoden

Viele Menschen vertrauen nicht nur der Schulmedizin, sondern setzen auch auf alternative Behandlungsmethoden. Bei der Akupunktur aus der Traditionellen Chinesischen Medizin etwa wird mit Nadelstichen auf den Meridianen, den Leitbahnen der Lebensenergie Qi, insbesondere die geschwächte Milz gestärkt. Laut TCM ist nämlich eben diese Schwäche schuld an Allergien. Durch regelmäßige Akupunktur, die idealerweise bereits vor der Pollensaison durchgeführt wird, werden Symptome gelindert. Das Prinzip der Homöopathie, Ähnliches mit Ähnlichem zu behandeln, ähnelt dem der Hyposensibilisierung. Zum einen wird der Körper an den allergieauslösenden Stoff in sehr starker Verdünnung gewöhnt, auf der anderen Seite soll wieder ein Gleichgewicht im Immunsystem hergestellt werden. 

Bernd Lamprecht kann dem durchaus Positives abgewinnen. „Alles ist förderlich, was dem einzelnen Patienten hilft“, betont er. „Hier spielen auch der Glauben und das Vertrauen in den Erfolg der Therapie eine wesentliche Rolle. Wichtig ist, dass es in Kombination mit einer medikamentösen Behandlung keine Wechselwirkungen gibt oder deren Erfolg dadurch gefährdet wird.“

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