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People | 04.11.2014

Bestseller-Autorin im Talk

Ab 24. November wird Gavaldas Best­seller Zusammen ist man weniger allein 100.000-mal in Wien verschenkt. Wir trafen die Autorin vorab in Paris.

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Anna Gavaldas in Paris (© Christoph Langecker)

Die Wohnung von Anna Gavalda gleich beim Centre Pompidou wird noch hergerichtet – aber sie zeigt sie uns trotzdem: Ein Traum mit 200 Jahre alten Holzsäulen und Blick auf Kirchenfenster. Warum sie im Marais wohnt, ist auch schnell erklärt: „Ich gehe dreimal in der Woche ins Kino und hier gibt es ein Theater, in dem sie Filmklassiker zeigen.“ Dafür besitzt die Bestsellerautorin, die allein in Frankreich fünf Millionen Bücher verkauft hat, keinen Fernseher und sie verfolgt auch sonst kaum das Tagesgeschehen: „Ich weiß, das ist nicht richtig, aber wenn ich nur die Katastrophenmeldungen wie die Flüchtlingsdramen im Mittelmeer sehe, bekomme ich den Kopf nicht frei, um meinen Lesern Geschichten zu erzählen.“

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(© Christoph Langecker)

Ein Leben für die Literatur. Seit 1999 ihr Debüt mit Kurzgeschichten („Ich wünsche mir, dass irgendwo jemand auf mich wartet“) im Kleinstverlag „Le Dilettante“ überraschend zum Verkaufsschlager geworden ist, will die 1970 geborene Parisern nur noch schreiben. Marketingaktionen sind ihr ein Gräuel, mit ihrem Verleger Dominique Gaultier hat sie nie einen Vertrag abgeschlossen – ein Handschlag genügte. Dabei ist die ehemalige Französischlehrerin Mutter zweier Kinder – ihr Sohn ist 19, die Tochter 16: „Aber ich habe meine Kinder nicht in irgendeine Richtung hin erzogen, sondern ihnen nur ein Beispiel vorgelebt. Sie haben ja gesehen, wie glücklich ich bin, wenn ich lese oder ins Kino gehe.“ Das Problem Fernseher stellte sich also gar nicht.

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(© Christoph Langecker)

Eine Stadt. Ein Buch. Für die Gratisbuchaktion des echo medienhauses kommt Anna Gavalda am 24. November nach Wien. Um 12 Uhr wird sie gemeinsam mit dem Bürgermeister
die ersten Exemplare ihres Bestsellers ­„Zusammen ist man weniger allein“, der auch von Claude Berri mit Audrey Tautou verfilmt wurde, im Rathaus an Wiener Leserinnen und Leser verteilen.  Ab 20 Uhr lädt Michael Häupl gemeinsam mit ihr zur Gala ins Rathaus. Am nächsten Tag wird sie im Wien Energie Kultur-Point (Spittelauer Lände 45) um 16 Uhr ein Bühnengespräch führen und Bücher signieren.

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Eine Stadt. Ein Buch. Das Cover des Gratisbuchs ist natürlich auch in „Rose Gavalda“ – alle Infos: www.einestadt- einbuch.at

look: Ist „Zusammen ist man weniger allein“ Ihr erfolgreichstes Buch?

Anna Gavalda: Ja. Meine Bücher sind alle mehr oder weniger erfolgreich, aber dieses Buch hat Menschen zum Lesen gebracht, die sonst nie lesen. Denn das ist der Unterschied zwischen einem Buch, das sich gut verkauft, und einem Bestseller, nämlich dass du von Menschen gelesen wirst, die sonst niemals Bücher lesen. Und dann schreibst du weitere Bücher und die Menschen sind irritiert. Aber du kannst nicht nur Bestseller schreiben …


look: War das Buch wegen des Films so erfolgreich?

Anna Gavalda: Nein, „Zusammen ist man weniger allein“ war schon vor dem Film ein Bestseller. Menschen, die das Buch liebten, wollten den Film gar nicht sehen. Der Erfolg bleibt immer noch ein bisschen rätselhaft, aber jetzt wo ich darüber nachdenke: Vielleicht ist „Zusammen ist man weniger allein“ deshalb so beliebt, weil es in dem Buch um Freundlichkeit geht, und zwar in einer Form, in der diese Tugend ein wenig sexy wird. Meine Personen sind extrem freundlich, aber nicht naiv – sie sind freundlich UND sexy. Das Buch zeigt, dass Freundlichkeit kein Zeichen von Schwäche ist.

look: Thema ist die Einsamkeit der modernen Menschen. Korrekt?

Anna Gavalda: Absolut, das ist das Thema aller meiner Bücher. Und ich denke, das ist das Thema jeder Literatur. Es gibt ja nur zwei Themen in der Literatur: die Einsamkeit und den Tod. Davon abgeleitet noch die Liebe, denn die Liebe ist das Gegenstück zur Einsamkeit. Je mehr ich nachdenke, je mehr ich lese, desto deutlicher sehe ich das. Denken Sie an Homer oder an „Don Quichotte“ oder „Die Leiden des jungen Werthers“ oder alle Bücher von Stefan Zweig – immer geht es um Einsamkeit.


look: Der Roman ist 2004, also Jahre vor der Wirtschaftskrise erschienen. Seither hat sich gezeigt: Die Reichen werden auch in der Krise reicher, die Armen immer ärmer. Waren Sie da prophetisch?

Anna Gavalda: Die Leute haben damals schon von der Krise gesprochen. Die Reichen werden reicher, die Armen immer ärmer – das gab es schon bei Herodot. Das ist nicht prophetisch, das liegt in der Natur des Menschen – es gibt gierige Menschen und andere, die weniger gierig sind.
Aber ein Thema, das im Buch vorkommt, ist die Frage: „Was machen wir mit unseren Alten?“. Viele Leute denken darüber nach, was sie mit ihren Großeltern machen sollen. Wir glauben heute, dass die Alten unnütz sind, aber das stimmt nicht. Unsere Alten sind wie eine Bibliothek, sie tragen so viele Geschichten in sich.


look: Sie beschreiben Menschen, ­denen man gerne begegnen würde …

Anna Gavalda: Absolut. Ich lebe seit sehr langer Zeit alleine, ich gehe alleine ins Kino, ich lese die ganze Zeit. Ich gehe kaum aus, weil ich interessante Gespräche liebe – der normale Small Talk ist mir da zu oberflächlich. Ich habe den Eindruck, wie andere Menschen Freunde auf Facebook haben, schaffe ich mir Freunde in meinen Büchern. Meine Charaktere sind meine Freunde, ich erfinde sie wirklich als Freunde. Und wenn ich ein Buch zu Ende bringe, bin ich traurig und deprimiert. Das ist eine Katastrophe!

EIN INTERVIEW VON HELMUT SCHNEIDER

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(© Christoph Langecker)

Look! verlost 25 Mal zwei Tickets für die Gala am 24. November im Wiener Rathaus, die ihr hier gewinnen könnt.

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