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People | 12.11.2014

BLACK & WHITE

Mit 3 war sie ABC-Schützin, mit 17 ein Model und mit 19 ein funkelnder Kronleuchter in der Millionenmetropole. Marika Pfanner ist ein Model, das seine Träume lebt. Was das mit Janis Joplin, einem Latte Macchiato und 247 zu tun hat? Let’s take a walk on the wilde side.

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Marika Pfanner (Fotos: Verena Mandragora)

In Sachen Modeln ist Marika Pfanner keine der Eintagsfliegen, die so herumsummen und vom Modelbusiness träumen. Die 21-jährige Kennelbacherin bringt das gewisse Etwas mit, was Fotos besonders macht. Zu ihrer Exotik hat sie noch die nötige Ausdauer, die der Knochenjob vor der Kamera fordert. Für den legendären Life Ball in Wien fungierte sie als lebendiger Kronleuchter und scheute sich auch nicht, mit Heuschrecken für ein Shooting auf Tuchfühlung zu gehen. Sie lacht – hell und glucksend – und erklärt, der große Rückhalt ist ihre Familie. Vor allem ihr Bruder, Skateboard-Profi Christian „Chris“ Pfanner, der ihr zeigt: Es funktioniert, seinen Traum zu leben. Mit Kämpfen und Ausdauer kann man es schaffen, wird Europameister und kann mit  Skateboarden sogar sein eigenes kleines Familienglück in Nürnberg ernähren. Die Familie steht bei den Pfanners auch in Vorarlberg im Mittelpunkt. In der Schindlersiedlung haben sie ihr „kleines Afrika“.  

Vorurteile und die 3-jährige ABC-Schützin.

Lesen konnte Marika schon als Kleinkind. „In Afrika ist das nicht ungewöhnlich. Mit Disziplin geht das aber ganz schnell“, erklärt sie mit einem Schulterzucken. Geboren in Lagos kam sie, wie dort üblich, im Alter von zwei Jahren in die Schule und besitzt ein Zeugnis, das schwarz auf weiß bescheinigt: Die 3-Jährige kann lesen. Dann noch Hausaufgaben machen, das war für ihren Vater Harry Pfanner unvorstellbar. „Kinder sollen spielen, war seine Meinung“, erzählt sie kichernd, „deshalb hat er die Zettel immer in eine Ecke geworfen.“ Viel mehr Erinnerungen an Afrika besitzt Marika nicht mehr, da sie zwei Jahre später von Lagos in den Bregenzerwald zum s’Ählë – zur Oma – nach Egg gezogen sind. Afrika trifft Wald: Das allerdings schon 1985 in einer Bar in Lagos. „Dort haben sich Mama und Papa kennen und lieben gelernt.“ Die Liebesgeschichte ihrer Eltern klingt wie ein modernes Märchen. Er war für die Vorarlberger Sticker in Nigeria viel unterwegs und hat Stickermaschinen repariert. Sie arbeitete in der Bar, um ihre Familie mit drei Kindern – Samira, Chantal und Moses – zu ernähren. Aus dem ersten Flirten mit Blicken an der Bar wurde eine Fernbeziehung. „Ohne Telefon gab es nur die Vereinbarung, sich an dem besagten Tag am ausgemachten Ort zu treffen. Das hat funktioniert und war für meine Eltern der Beweis, sie gehören zusammen.“ Heute ist ihre Familie noch größer: Mit den drei gemeinsamen Kindern Martin, Christian und Marika. Einige waren kurz irritiert, als Frieda Pfanner mit ihrer Familie und Mann Harry im Bregenzerwald ankam. „Da kommt dann das Vorurteil: Schwarze Frau sucht sich wegen dem Geld einen weißen Mann zum Heiraten. Dabei zählt bei meinen Eltern nur eines, die Liebe.“ Glücklich leben sie heute in Kennelbach in einem alten Haus. Außen europäisch, innen afrikanisch. Das heißt: Wohlgefühl bewohnt alle Räume und die Türen stehen allen offen. „Alle Kinder sind auch ihre Kinder“, sie lacht, „wie soll ich das erklären?“ In Afrika ist Familie das Wichtigste. Jeder wird mit Respekt behandelt, als gehöre er wie ein Bruder oder eine Schwester zur Familie. Was für Europäer ungewöhnlich klingt, ist auf dem südlichen Kontinent gelebte Realität. „Ich habe in Afrika Hunderte Onkel und Tanten. Aber“, und das betont sie deutlich, „wir verwenden keine Vornamen. Wir sind per Sie.“ Das gilt auch in Klein-Afrika. Dort ist die Mama für alle, auch für gute Freunde, Miss Pfanner.

Das Warten und der Kronleuchter.

Als Kind wollte Marika Schauspielerin werden und hat für ihre Mama vor dem Fernseher getanzt. „Bollywood-Filme hat sie schon immer gern angeschaut und ich hab’ immer gesagt: ,Irgendwann bin ich da drin und dann kannst du mich ansehen.‘“  Jetzt steht sie vor der Kamera – und den Weg dorthin verdankte sie dem Zufall und Hannes Schenkenbach. Er sprach sie auf einer Frisuren-Show in Bregenz an, doch ihr Interesse war als Jugendliche damals nicht groß. Mit 17 klopfte sie dann an die Türen der Team-Agentur und „es hat gleich funktioniert“. Heute ist sie in Agenturen in München, Wien und Mailand vertreten. Wird für Modeschauen – „haben einen größeren Spaßfaktor, sind dafür aber anstrengender“ – und für Shootings gebucht oder sie versucht bei Castings einen der begehrten Jobs zu ergattern, wie für den Life Ball in Wien. „Es geht eigentlich ganz schnell. Ohne viel Worte läuft man und zeigt sich – es sind keine fünf Minuten, allerdings muss man dafür den halben Tag warten.“ Früher hatte sie bei einem Nein mit den Tränen zu kämpfen, heute zuckt sie mit den Schultern. „Dann ist man nicht genau der Typ, den sie gerade suchen. Darüber denke ich nicht weiter nach.“ Die nagenden Selbstzweifel aber kennt sie, bewertet werden nach Äußerlichkeiten kann hart sein. „Aber ich habe mein Lachen – und eines bin ich fix nicht. Typ-isch.“ So hat sie sich beim Life Ball 2013 gegen die harte Konkurrenz durchgesetzt und beim Casting überzeugt. „Jede will besser sein als die anderen, denn von Hunderten bekommt nur eine den Job“, und sie fährt sich durchs dunkle Haar, „ich bin da zurückhaltender. Vielleicht auch deshalb anders als die anderen.“ Mehrere Stunden in der Maske, eine extrem enge Corsage und einen Kronleuchter auf dem Kopf, der gefühlte zehn Kilo wog – so verwandelte sich Marika für das Motto 1001 Nacht und war das strahlende Gesicht der Werbung auf Straßenbahnen durch die Millionenmetropole. Am 25. Mai lief sie mit Song-Contest-Gewinner und Travestiekünstler Conchita Wurst über den Red Carpet. „Das war schon cool.“

 

Coverstory
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Foto: Verena Mandragora
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Foto: Verena Mandragora
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Foto: Verena Mandragora

Janis Joplin und Adrenalin-Junkie.

Sie hat 65 Paar flache Schuhe und 35 Highheels – ein kleines Kichern – und sie erzählt, der Rest ist im Dachboden. Mit ihrer Größe von 1,76 bleibt Marika im Alltag mit den Füßen lieber flach am Boden und wenn sie abhebt, dann am liebsten zum Bungee-Jumpen oder Fallschirmspringen. Oder sie lässt sich beim Canyoning 20 Meter in die Tiefe fallen.  „Klar, als einziges Mädchen bin ich immer noch Papas Prinzessin“, aber wer mit zwei Brüdern aufwächst, der lebt auch mit aufgerissenen Jeans in den Bäumen. Marika lacht glucksend und hell, wenn sie aber spricht, hat man das Gefühl, Janis Joplin gegenüberzusitzen. Ihr bescheinigten Kritiker in den 60ern, die außergewöhnlichste Frauenstimme des Jahrzehnts zu besitzen. Oh lord won’t you buy me... – „mich fragen sie, ob ich heiser bin“.

Von wegen gewöhnlich.

Ein Wäldar-Papa und eine afrikanische Mama, das ergibt „zweimal Vollmilchschokolade und einen Latte Macchiato. Manche fragen meine Eltern, ob ihnen bei mir die Tinte ausgegangen ist.“ Vorurteile und Rassismus hat sie im Ländle nicht erlebt. Sie lacht gern, vor allem viel, und hat sich auch ihr Motto Walking on sunshine auf den linken Fuß tätowiert. „Meine Mama mag Tattoos nicht, aber bei  family am Handgelenk konnte sie gar nicht schimpfen.“ Das war das erste Tattoo  und die Familie ist für Miss Pfanner auch das Wichtigste. Ihre Kinder sind auf Kontinente verstreut. Afrika und Europa. Jeder geht seinen Weg, der Kontakt ist aber trotz großer Entfernung sehr eng. „Wir sind eine ungewöhnliche Familie“, lacht Marika, „und wir Kinder haben alle ungewöhnliche Jobs.“ Ein Model, ein Profi-Skater und ein Student, der beim Achraintunnel-Bau mit dabei war. Groß geworden mit der Erziehung, sich von außen nicht verändern zu lassen. So sein, wie man ist. Seine Meinung sagen und dazu stehen. Klingt nach: Aufrecht durchs Leben. Aber auch nach: An sich und seine Träume glauben. In Marikas Fall ist das, selbst eine große Familie zu haben und zwar 247 – 24 Stunden, sieben Tage die Woche. „Halt so wie die Mama“, davor ist aber noch Party angesagt, den Richtigen finden, „einen weißen Mann mit dunklen Haaren und braunen Augen“. Vielleicht findet er sich in N.Y. Dort ist sie bereits mit einer Agentur in Kontakt. „L.A. hätte mir auch sehr gefallen, aber ich sei mehr der Typ für den Big Apple.“ Dafür arbeitet das Energiebündel hart, privat lebt sie ihr Leben. Vor allem im Sommer sind nicht so viele Model-Jobs. Da zieht sie mit ihren Mädels gern um die Häuser und ist zufrieden, „ich bin so, wie ich bin“. Ohne Sport, mit einer Liebe zu Kässpätzle, isst sie gern und viel. Schlank sein liegt wohl in den Genen, bei Pfanners sind alle so, ist ihre Erklärung. Es dreht sich viel um die Familie – und hier klingt es jetzt nach Afrika. Dort gibt es das Sprichwort: Ohne Familie wirst du krank. Hier kann Marika aus dem vollen Schöpfen und blickt mit we are family entspannt Richtung Zukunft.

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