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People | 30.03.2015

Das bin ja nur ich!

Unaufhaltsam. SongContest-Queen, Buch­autorin, Künstlerin und nun durfte sie auch noch 3 Amadeus Awards mit nach Hause nehmen! Conchita Wurst spricht über das aufregendste Jahr ihres Lebens.

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Wie alles begann. 10. Mai 2014. Conchita gewinnt für Österreich den Euorvison Contest und schrieb Geschichte. (© Rene Walentin)

Wenn die Natur ihr Recht einfordert, ist es mitunter auch mal fünf Minuten vor zwölf – sprich wenige Augenblicke vor Bekanntgabe des Ergebnisses, wer den Eurovision Song Contest 2014 gewinnen wird. So erging es nämlich Conchita Wurst in Kopenhagen. Weder Nerven noch Blase hielten dem Druck länger stand, sie ließ sich zur Toilette geleiten, aus dem hautengen Kleid hieven und – plumps – da passierte es. Das Ansteckmikro fiel ins Klo. Aber, wenn es ein Phönix aus der Asche schafft, dann auch ein bisschen Wasser aus der Technik.

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Ich, Conchita we are unstoppable In ihrer Biografie erzählt Tom Neuwirth, wie aus dem Steirerbuam ein Weltstar mit Botschaft wurde. Verlag Langen Müller, € 20,–.

2.000 Interview-Anfragen.

Witzige Anekdoten wie diese, aber auch viele berührende Momente aus Tom Neuwirths Kindheit fanden Einzug in dessen erste Biografie „Ich, Conchita“ (LangenMüller Verlag, 20 Euro). Darin beschreibt der 26-Jährige seine Wandlung vom Steirerbuam zur eleganten Kunstfigur mit Message, die mittlerweile auf der ganzen Welt niemandem mehr wurscht ist.
Ich weiß nicht, was einfacher ist? Eine Audienz beim Papst zu bekommen oder einen Interviewtermin mit Conchy. 2.000 Interview-Anfragen gab es jedenfalls rund um das Erscheinen ihres Buchs, das demnächst in England, Frankreich und vermutlich auch in Russland und den USA erscheinen wird. look! durfte die Wurscht höchstpersönlich zum Talk im Hotel Le Méridien treffen.

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Conchita mit Society redakteurin Marion Hauser im Talk (© Rene Walentin)

Bescheiden.

Conchita trägt einen engen dunkelgrünen Rock mit sexy Schlitz, eine marsalarote Bluse und Leo-Louboutins. Auch wenn ihr die Welt zu Füßen liegt, versteht sie die Welt nicht mehr. Noch immer ist Frau Wurst überwältigt von den Wogen der Sympathie und Liebe, die ihr weltweit entgegengebracht werden, denn: „Das bin ja nur ich, das ist ja nicht Madonna.“

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„Ich sehe mich nicht als Ikone oder vorbild. ich stehe für mich selbst.“ Conchita Wurst (© Rene Walentin)

Marion Hauser: Wie läuft es mit dem Buch?
Conchita Wurst: Das ist eine sehr gute Frage. Ich bin in wirtschaftlicher Hinsicht etwas nachlässig, ich habe ­einen emotionalen Wert. Ich habe auch, als ich den Song Contest gewonnen habe, lange nicht gewusst, wie „Rise Like a Phoenix“ gechartet hat, von daher hoffe ich doch gut, aber ich habe eine sehr große Freude mit dem Buch.

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„Ich sehe mich nicht als Ikone oder vorbild. ich stehe für mich selbst.“ Conchita Wurst (© Rene Walentin)

Marion Hauser: Was hat sich verändert, seit Sie die Unstoppable-Bewegung ins ­Leben gerufen haben?
Conchita: Ja, ich habe mich verändert, was meinen künstlerischen Zugang anbelangt. Früher waren die Möglichkeiten nicht gegeben, dass aus meinen Visionen und Träumen ein paar Wochen später ein fertiges Video entstanden ist. Mittlerweile hat mein kreativer Output Relevanz. Das ist ­Luxus, weil ich ja auch die andere Seite kenne, als ich überlegt habe, wie ich meine Rechnungen bezahle. Und ich habe gelernt, nein zu sagen. Mit vollster Überzeugung und ohne schlechtes Gewissen.
Marion Hauser: Wenn der Song Contest am 23. Mai in Wien vorbei ist, endet sozusagen auch Ihre Ära als Siegerin. Schon Pläne, wie es danach weitergeht?
Conchita: Ich für mich arbeite daran, dass ich den Rest meines Lebens gut zu tun habe, denn das macht mir Spaß. Natürlich habe ich schon Pläne für danach. Mir ist schon klar, dass dieses Jahr des Song Contests mit diesem Zauber im Rücken einfach funktioniert hat, weil auch die aktuelle Präsenz und Relevanz da war, aber ich ­arbeite daran, um einerseits glücklich zu sein und andererseits auch Relevanz darzustellen. Rund um den Song Contest kommt ja mein neues Album heraus und da ist schon geplant, es der ganzen Welt zu präsentieren.

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Soeben durfte Conchita 3 Amadeus Awards mit nach Hause nehmen! Conchita gerührt über die Awards! (© APA: GEORG HOCHMUTH / APA / picturedesk.com)

Marion Hauser:  Gehen Sie auf Tour?
Conchita: Das ist die Frage. Ich glaube nicht, dass ich Stadien fülle, aber ich würde gerne viele Länder besuchen, um all meine Fans auf dem Globus kennenzulernen.

Marion Hauser: Was wünschen Sie sich für den Wiener Song Contest und würden Sie jemals wieder antreten?
Conchita: Ich werde definitiv nie wieder antreten, aber ich würde mich sehr freuen, wenn ich in regel- oder unregelmäßigen Abständen mit der Eurovision zusammenarbeiten darf. Ich weiß, dass es in Wien ganz großartig wird, man merkt schon eine gewisse Aufregung in der Stadt, in den Medien, alle sind motiviert. Ich werde auch ständig im Ausland gefragt, was man sich in Wien ansehen soll. Ich sage immer wieder, wir leben hier in einem Märchenschloss, vor allem für die Amerikaner leben wir in einem Disney-Märchen. Unsere Stadt hat so viel zu bieten. Vom tiefsten Kitsch bis zur hippsten Club-Szene. Ich empfinde es als Privileg, dass im Mai die ganze Welt zu Besuch sein wird.

Marion Hauser: Werden Sie dennoch nervös sein? Sie moderieren ja den Backstage-Bereich (Green Room) und singen auch.
Conchita: Ich bin definitiv nervös, was meine Moderation betrifft, weil das nicht mein Metier ist. Ich muss mich darauf vorbereiten, es ist ja eine Live-Sendung, aber viel kann mir nicht passieren, außer dass ich einen Blödsinn sage. Ich bin voller Vorfreude. Ich freue mich auch auf mein Team vom letzten Jahr, das mich vonseiten des ORF betreut hat. Wir lieben den Song Contest so sehr und wurden dafür immer ein wenig belächelt. Ich freue mich, all die Emotionen noch einmal erleben zu dürfen, nur mit einem entspannteren Zugang.

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Cochita ganz schön sexy bei den Amadeaus Awards 2015 vergangenen Sonntag. (© APA GEORG HOCHMUTH / APA / picturedesk.com )

Marion Hauser: Wofür steht Conchita heute? Ikone? Vorbild?
Conchita: Für mich selbst. Ich sehe mich ja nicht als Ikone und auch nicht als Vorbild. Ich repräsentiere nur mich selbst. Es schmeichelt natürlich sehr, als Ikone oder Vorbild bezeichnet zu werden, das ist wahnsinnig groß, aber ich kann das nicht annehmen. Für mich hat eine Botschaft ein bisschen mit Selbstaufgabe zu tun und die empfinde ich aber gar nicht. Es kostet mich keine Mühe, zu sein, wie ich bin, und das zu sagen, was mir durch den Kopf geht. Den Druck, die Bürde, die mir viele zuschreiben, verspüre ich nicht. Ich kann nur versprechen, dass ich immer zu mir selbst stehen werde.

Marion Hauser: Ein Sprichwort besagt, dass man erst dann sein wahres Gesicht zeigt, wenn man eine Maske aufsetzt.
Conchita: Das stimmt natürlich. Ich glaube, das Sprichwort sorgt aber immer wieder für Kontroverse, weil viele Menschen denken, dass man nur eine Facette hat. Das ist Schwachsinn. Wir alle sind nicht nur seriös oder nur lustig, wir haben alle so viel zu geben. Es ist alles wahr, was ich sein will, und alles, was ich sein will, bin ich zu 100 % – selbst wenn es eine Kunstfigur ist. Deshalb ist Authentizität ein sehr dehnbarer Begriff.

Marion Hauser:  Sie erhalten immer noch Hasspostings. Trauen Sie sich, ohne Bodyguard aus dem Haus zu gehen?
Conchita: Ich habe keine Bodyguards und auch keine Angst. Was passiert, passiert. Ich tue niemandem weh, ich beleidige niemanden, und deshalb sehe ich auch keinen Grund, solche Meldungen ernst zu nehmen.

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