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People | 06.05.2015

Guido, die beste Freundin

Star-Designer, „Shopping-King“ & Geburtstagskind. Ein Talk mit Guido Maria Kretschmer über Dirndl, den 50er & Homosexualität.

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Guido für Alle. Ab 29. 4. ist nun auch für alle Fans und Modebegeisterten aus Österreich Guidos COLLECTION auf www.guidomariakretschmer.at erhältlich.

Das erste Spotlight seines Lebens war das Licht der Pfaff-Nähmaschine seiner Mutter. Das war mit 9 Jahren. Am 11. Mai wird der deutsche TV-Star und Designer, der für die Romy-Gala Barbara Schöneberger einkleidete, 50 Jahre alt. Für Pfaff ist er mittlerweile Botschafter und der Scheinwerfer ist genauso ein treuer Begleiter wie seine große Liebe, Frank.

Liebe & (kein) Laster. Guido Maria Kretschmer ist fesch, aber kein aalglatter Schönling, er ist eine große Berühmtheit, aber immer noch der Typ „von nebenan“ zum Anfassen, nahe und kein bisschen abgehoben. Kurzum: ein Mann, aber dennoch die beste Freundin. Er führt ein Leben voll Liebe, aber ohne Laster. Seit 2012 verzaubert er seine Fans in „Shopping Queen“, jüngst suchte er „Deutschlands schönste Frau“. Wir trafen Guido kurz vor der Romy-Gala im Hotel Bristol.

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Zum Abbusseln. Guido mit Society-Chefin Marion Hauser im Bristol.

Marion Hauser: Guido, angenommen, ich wäre Kandidatin bei „Shopping Queen“ und die Aufgabe lautet: Suche ein Outfit für ein Interview mit Guido Maria Kretschmer. Wie habe ich abgeschnitten?

Guido Maria Kretschmer: Eine wunderbare, schöne Lederhose, diese süßen, kleinen Kettchen – ich sehe einen Buddha, das Herz, die Bernstein-Ohrringe – ich liebe Bernstein. Bernstein mag man nur als Romantikerin. Das ist eine Frau, die denkt mit, die mag auch Retro, hat was für Geschichte übrig. Aber am meisten mag ich Ihre Stimme, sie erinnert mich an Erika Pluhar. Als Kind war ich das erste Mal mit meinen Eltern in Wien und durfte ins Burgtheater mit. Dann kam Erika Pluhar, ich war total fasziniert von ihrer Stimme.

Marion Hauser: Zurück zu „Shopping Queen“. Das Format gibt es erst seit 2012, aber man glaubt, Sie besuchen uns schon viel länger in unseren Wohnzimmern?

Guido: Wir hatten gerade eine Umfrage zu meinem nahenden 50. Geburtstag gemacht und Leuten genau diese Frage gestellt. Die Antworten waren überraschend: „Bestimmt schon 6 Jahre“ oder „Mindestens acht Jahre, ich war damals mit meinem Kind schwanger“. Das ist toll, aber irgendwie auch spooky.

Marion Hauser: Wie war das Leben, bevor Sie ein TV-Star wurden?

Guido: Es war auch schön, jetzt ist es halt viel öffentlicher. Für mich als Mensch hat es keine große Veränderung gegeben, ich war immer sehr fleißig. Die Bekanntheit ist schon ein großer Einschnitt, man wird überall erkannt, gedrückt, geküsst. Ich hatte unlängst einen Auftritt auf einem Schiff in Berlin, stand da an Deck wie einst Sisi, als sie zu ihrem Kaiser gefahren ist. Das war insofern toll, als ich zum ersten Mal so wirklich gemerkt habe, wie sehr ich geliebt werde.

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Everybody’s TV-Darling. Seit 2012 führt der Stardesigner durch das VOX-Format „Shopping Queen“.

Marion Hauser: Sie wirken so echt, in Wien sagt man, Sie reden so, wie Ihnen der Schnabel gewachsen ist.

Guido: So ist es. Ich habe für viele prominente Menschen Kleider entworfen und es immer gehasst, wenn jemand manieriert ist. Ich kenne viele Berühmtheiten, bei denen der Zuschauer keine Idee hat, wie die im wirklichen Leben sind. Das ist für mich erschütternd. Ich gebe manchmal ein bisschen mehr als die anderen, fühle mich aber gehalten. Ich bin einer von ihnen. Ich habe mich nie von denen verabschiedet, die für andere schwärmen, weil ich das auch tue. Ich kann mich für Menschen begeistern.

Marion Hauser: Wie groß ist Ihr Team?

Guido: Wenn ich jetzt schlagartig aufhören würde, wären so an die 20 Personen meines engsten Teams arbeitslos. Ich war immer schon Unternehmer und Chef, weil ich mich ja früh selbstständig gemacht habe.

Marion Hauser: Am 11. Mai werden Sie 50. Mögen Sie den Hype um Ihren Geburtstag?

Guido: Gar nicht. Ich hatte eine Tante, die am selben Tag Geburtstag hatte und immer ein Riesending daraus machte, da ging ich fast unter. Ich schreie lieber bei den anderen hurra, ich schenke lieber, als ich Geschenke bekomme. Jetzt hab’ ich aber einen Partner, der am 26. Mai Geburtstag hat und der liebt das. Frank überlegt sich schon Wochen vorher, wie er seinen Geburtstag zelebrieren möchte. Es kommt noch dazu, dass 50 für mich so bizarr ist.

Marion Hauser: Sie sehen viel jünger aus.

Guido: Das ist Genetik und weil ich nicht trinke, nicht rauche, keinen Kaffee mag und nicht fürchterlich Gas gebe, dafür esse ich aber gern. Aber generell ist mein Körper relativ entgiftet. Mein größter Horror ist, dass ich so einen Fresskorb mit einer goldenen 50 darauf bekomme. So wie meine Oma.

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Große Liebe. Guido Maria Kretschmer und sein Mann Frank Mutters feiern heuer ihren 30. Jahrestag.

Marion Hauser: Wie werden Sie den 11. Mai verbringen?

Guido: Mit meiner Mutter. Vielleicht fahren wir hin, wo mich niemand kennt. London oder so. Und ich schalte das Handy ab.

Marion Hauser: Gerade erschien Ihr neues Buch „Eine Bluse macht noch keinen Sommer“. Soll heißen?

Guido: Dass eine Bluse eben NIEMALS ausreicht. Aber in erster Linie sind es persönliche Anekdoten.

Marion Hauser: Was spielt denn das Dirndl darin für eine Rolle?

Guido: Ein Dirndl in Paderborn. Als junger Mensch bin ich mit einer schwul-lesbischen Mitfahrzentrale gefahren. Irgendwann landete ich mit einer Kampflesbe auf dem Bauernhof ihrer Mutter. Sie und die Großmutter hatten Dirndl an, weil sie Exil-Bayern waren. In der Nacht wollte mich die Mutter verführen. Im Dirndl. Und sie sah aus wie Hannelore Kohl. Und als sie zum dritten Mal zu mir ins Zimmer kam, drehte ich das Licht auf, sagte „so jetzt ist aber Schluss, denn ich bin so schwul wie Ihre Tochter lesbisch ist“.Und dann schrie sie: „Lügner!“ Da kam dann noch die Oma im Dirndl herein. Und seitdem weiß ich, ein Dirndl gehört nicht nach Paderborn.

Marion Hauser: Sie gehen sehr offen mit Ihrer Sexualität um. Wie kam es dazu?

Guido: Ich mach kein großes Ding daraus, aber ich bin der, der ich bin, weil ich meinen Frank habe. Das ist ein großes Glück, jemanden zu haben, der auf derselben Seite ist und einen unterstützt. Die Sexualität ist ja kein Ausbildungsberuf, sondern sie ist gottgegeben. So lange man anständig durchs Leben marschiert, ist es völlig egal, wen man liebt. An dem Tag, als eure Conchita den Song Contest gewonnen hat, war ich stolz auf Europa und Österreich. Sie steht für Anstand, für Zusammenhalt und Toleranz.

 

 

 

Bilder: Stefan Joham, VOX/ Robert Ascroft, Getty Images

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