Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 08.03.2016

8. März ist Welttag der Frau

Frauen 2016 warten nicht auf morgen, sondern nehmen im Hier und Jetzt das Schicksal in die Hand. Am 8. März ist Welttag der Frau. Wirklich?

Themen:
Bild Bildschirmfoto 2016-03-01 um 12.24.01.png

Wir schaffen das. Wenn man irgendwann einmal Merkels politisches Credo mit drei Worten zusammenfassen will, werden es wohl diese sein: „Wir schaffen das“. Die Rettung des Euros, denn sonst geht nicht nur Griechenland, sondern die gesamte EU unter. Und, wir schaffen das mit der Flüchtlingskrise, denn sonst geht vielleicht „die Mutter Europas“ unter. Leicht hat sie es dieser Tage mit ihrer Politik der Menschlichkeit nicht, wenn sogar Österreich mit seiner Willkommenspolitik zurückrudert, wie Innenministerin Johanna Mikl-Leitner verkündete: „Es ist wichtig, dass jedes Land seine Gangart an der Grenze schrittweise verschärft – und dass wir das abgestimmt machen.“ Bei uns bedeutet das: nur mehr 80 Asylanträge pro Tag. Das medial viel beachtete Treffen mit George und Amal Clooney tat der deutschen Kanzlerin bestimmt gut – und am meisten ihrem Image.

Suffragetten. Am 8. März ist also Welttag der Frauen, wo wir Journalistinnen immer wieder gerne eine Bestandsaufnahme machen: Wir reflektieren über das Erreichte im eigenen Land, schauen aber auch zu unseren Artgenossinnen weit über unsere Grenzen hinaus. Mächtige Politikerinnen bewegen oft genauso viel wie eine Jounalistin im Iran, die sich ohne Kopftuch auf Facebook postete (siehe nächste Seite). Entstanden ist die Frauenbewegung in einer politisch sehr brodelnden Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts in Europa. Die Monarchien stürzten, die Titanen – sprich Adel, Bankiersfamilien und Industriemagnate – verloren Macht oder Geld, oder beides. 1903 gründete Emmeline Pankhurst in Großbritannien die „Women’s Social and Political Union“, eine bürgerliche Frauenbewegung, die in den folgenden Jahren sowohl durch passiven Widerstand als auch durch öffentliche Proteste bis hin zu Hungerstreiks auf sich aufmerksam machte. Neben dem Wahlrecht kämpften sie für die allgemeine Gleichstellung der Frau. Aktuell nachzusehen im Kinofilm „Suf-fragette“ mit Carey Mulligan, Meryl Streep und Helena Bonham Carter. Und dieser Kampf wird auch in nächster Zukunft nicht aufhören. Irgendwo in der Welt passiert gerade in dieser Sekunde schon wieder ein großes Unrecht am weiblichen Geschlecht. Ob es sich um Genital-Verstümmelung in Afrika handelt, die Stellung der Frau in Indien und arabischen Ländern oder um entführte jesidische Frauen, die den widerlichen Männern der Terrormiliz IS als Sex-Sklavinnen dienen müssen. Einer, Jinan Badel, ist die Flucht gelungen und sie hat über ihre Erfahrungen ein Buch geschrieben. „Solange meine Schwestern nicht frei sind, werde ich es auch nicht sein.“

 

 

Syrien

Liebe im Krieg

Hoffnung. Das Bild des Brautpaares Nada Merhi (18) und Hassan Youssef (27) sagt mehr als tausend Worte. Nach fünf Jahren Bürgerkrieg liegt die einst pulsierende syrische Millionen-Metropole Homs in Schutt und Asche. Im März 2011 nahmen erste Proteste gegen die Assad-Regierung hier ihren Anfang. Mittlerweile hat die Regierung die Stadt komplett zerstört und die Rebellen besiegt. Der Fotograf, der die Hochzeits-Szene festhielt, wollte mit seinem Foto Hoffnung schüren. Doch die Aktion ist reinste Propaganda, zählt er doch zum Lager der Regierungstreuen. Eines ist jedoch fix: Es gibt keine Guten und Bösen, im Krieg sind alle Verlierer. 

 

Bild 20160205_PD10248.HR.jpg

Nordirak/Türkei

PKK-Amazonen

Kampfgeist. Bergschuhe und Gewehr anstatt Highheels und Handtasche. Die beiden PKK-Kämpferinnen Roza und Kommandantin Deijly (links im Bild), die ursprünglich aus Istanbul sind, stellen sich im Nord-irak den IS-Truppen in den Weg. An den Frontlinien bekommen die Terroristen immer mehr Kämpferinnen zu Gesicht, die so gar nicht ihrem verstaubten Frauentyp entsprechen. Die kurdischen Truppen verzeichnen derzeit einen stetigen Zulauf von weiblichen Freiwilligen, sie kämpfen für ihre Rechte auf Gleichberechtigung, Demokratie und Freiheit. Eine PKK-Soldatin: „Die Dschihadisten wollen nicht gegen uns kämpfen, weil sie glauben, wer durch weibliche Hand stirbt, kommt nicht ins Paradies.“ Frauen waren seit der Gründung der PKK (türkische Arbeiterpartei im kurdischen Gebiet) in den 1970er Jahren in der Organisation und ihren Kampfverbänden vertreten. 

 

Bild 20150901_PD12416.HR.jpg

Berlin

Clooney bei Merkel

Meeting zur Flüchtlingsfrage. George Clooney, Hollywoodstar mit humanitärem Format (Sudan), versteht etwas von seinem Geschäft. Und Angela Merkel tut es auch. Denn wie heißt es so schön? -Public Relations sind der verlängerte Arm der Politik. Anlässlich der Berlinale beehrten George und seine als erfolgreiche Anwältin tätige Ehefrau Amal Clooney die deutsche Bundeshauptstadt. Das Treffen mit der deutschen Kanzlerin sei von Clooney ausgegangen, er wollte mit der mächtigsten Frau Europas darüber sprechen, „was wir tun können, um zu helfen“. Obendrein versicherte der Schauspieler, dass er mit der Flüchtlingspolitik Merkels sehr zufrieden sei. Das tat bestimmt gut auf der oftmals arg gebeulten Seele der „Mutter Europas“.

 

Bild GettyImages-509748198.jpg

Irak

Die Is-Sklavin

Entführung. Laut UNO wurden bislang an die 5.000 jesidische Frauen von Kämpfern der Terrormiliz Islamischer Staat verschleppt und geschändet. Jinan Badel aus dem irakischen Kurdistan ist eine von ihnen. 2014 wurde die damals 19-jährige Jesidin entführt und als Sklavin gehalten. Drei Monate durchlebte Jinan die reinste Hölle. Wie durch ein Wunder gelang ihr aber die Flucht. Ihre Erlebnisse schrieb sie nun im Buch „Ich war Sklavin der IS. Wie ich von Dschihadisten entführt wurde und den Albtraum meiner Gefangenschaft überlebte“ (mvg Verlag, € 14,99) nieder. „Weil mein Volk Hilfe braucht. Die Welt muss wissen, was im Islamischen Staat mit unseren Frauen passiert. Es gibt noch immer tausende jesidische Frauen, die in grausamer Gefangenschaft leben. Solange sie nicht frei sind, bin ich es auch nicht.“ -Jinan Badel lebt heute mit ihrem Mann in einem Flüchtlingslager in der autonomen Region Kurdistan.

 

Bild 20150908_PD2013.HR.jpg

Russland

Pussy Riots

Neues Video. Vier Jahre ist es her, dass Nadeschda Tolokonnikowa, die Frontfrau der Pussy Riots, Anti-Putin-Parolen von einem Altar runtergeschrien hat. Dafür saß sie ein Jahr im sibirischen Straflager. Nun meldet sie sich mit einem neuen Song zurück. In „Tschaika“ besingt sie erneut die Missstände ihres Landes.

 

Bild 20140224_PD0891.HR.jpg

Iran

Kopftuch Ade

Freiheit beginnt im und am Kopf. Als die iranische Journalistin Masih Alinejad einfach das Kopftuch ablegte und sich so beim Autofahren postete, schwappte eine Welle der weiblichen Solidarität in den sozialen Medien über sie. Masih: „Wenn du nicht an Zwangsverschleierung glaubst, schaffst du dir heimlich deine Freiheit, damit der Zwang dich nicht zugrunde richtet!“ Starke Worte – 200.000 Likes. Die Journalistin ist im Iran keine Unbekannte. 2009 musste sie das Land verlassen, nachdem sie sich mit der Aufdeckung eines Korruptionsskandals unbeliebt gemacht hat. Heute lebt die 39-Jährige mit ihrem 19-jährigen Sohn in London, schreibt aber weiter über ihre Heimat: „Ich will Iranerinnen und Iranern eine Stimme geben.“

 

Bild 20050523_PD4976.HR.jpg

Saudi-Arabien

Für Pressefreiheit

Hilferuf einer Ehefrau. Seit vier Jahren hofft Ensaf Haidar, dass ihr Ehemann Raif aus dem Gefängnis entlassen wird. Der saudische Blogger wurde wegen Blasphemie zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. In der Zwischenzeit erhielt Raif Badawi den Sacharow-Preis für Menschenrechte. 

 

Bild 20151216_PD3491.HR.jpg

Ukraine

Österreichische Autorin im Kriegsgebiet

Die Ukraine im Krieg. Jutta Sommerbauer schreibt für „Die Presse“ über die Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Die Ukraine bereiste die Journalistin schon vor den Konflikten, aber: „2014 hörte ich zum ersten Mal in meinem Leben Gefechtslärm. Es war im ukrainischen Donbass.“ Die Destabilisierung der Ukraine durch die Krim-Annexion Moskaus und den von russischer Seite unterhaltenen Konflikt im Donbass wird häufig als „Ukraine-Krise“ beschrieben. Doch das ist verharmlosend: „Es ist ein Krieg. Die Menschen fürchten um ihr Leben. Aus Freunden wurden Feinde.“ Der Alltag ist geprägt von schluchzenden Witwen, Sniper-Bräuten und schreienden Babys.

 

 

Packend. 

Bestandsaufnahme im Kriegsgebiet von Jutta Sommerbauer. K&S, € 22,–.

 

Bild Sommerbauer mit Maedchen in Donezk_Privat.JPG

Fotos picturedesk.com

Diskutiere mit uns und deinen Freundinnen diesen Beitrag:
powered by Disqus