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People | 15.05.2017

Das WIR Manifest

Mutig. „Akte X“-Star Gillian Anderson hat mit ihrer Freundin Jennifer Nadel das Buch „WIR. Ein Manifest für Frauen, die mehr vom Leben wollen“ geschrieben. Und sehr viel Persönliches preisgegeben.

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„An irgendeinem Punkt in unserem Leben hören die meisten von uns den leisen Ruf unseres Herzens. Manchmal ist er kaum wahrnehmbar. Ein zartes Flüstern. Nicht lauter als ein Blatt, das vom Baum fällt.“

Es gehört schon eine große Portion Mut dazu, als mehrfach ausgezeichneter TV- und Filmstar bzw. renommierte Journalistin und ehemalige Anwältin über viele sehr private Bereiche und Krisen offen zu erzählen. Aber wie Gillian Anderson und Jennifer Nadel – die zwei sind seit zehn Jahren befreundet und im Londoner Stadtteil Notting Hill auch Nachbarn – gleich zu Anfang ihres Buches „Wir: Ein Manifest für Frauen, die mehr vom Leben wollen“ schreiben: Aufrichtigkeit ist die Voraussetzung, um zu sich selbst zu finden. Und um ein Umdenken vom Ich zum Wir zu ermöglichen. Gemeinsam stark zu sein, anstatt ständig mit anderen Frauen in Konkurrenz zu treten, lautet ihre Devise.

Packend. Faszinierend ist aber nicht nur die Offenheit der beiden Karrierefrauen, die sich übrigens auch als Aktivistinnen einen Namen gemacht haben, sondern auch ihre Authentizität. Denn man spürt den Tiefgang ihrer Zeilen. Und die  Sehnsucht nach Veränderung. Hand aufs Herz, fast alle Frauen kennen das Gefühl, nicht gut genug zu sein, von Selbstzweifeln und Ängsten geplagt zu werden. Selbst Anderson und Nadel, zwei Powerladys und zudem Mütter von je drei Kindern, von denen man annehmen hätte können, stets alles im Griff zu haben. Weit gefehlt. In „WIR“ schreiben sie beherzt ehrlich über Lebensphasen, die schmerzhaft oder verstörend waren, über private Trennungen, mangelndes Selbstwertgefühl, Kindheitserinnerungen, Suchtverhalten, aber auch über die positive Wirkung von Meditation und die Notwendigkeit von Therapien. Denn sie wollen vermitteln, dass keine Frau allein ist mit ihren Problemen und Sorgen. Und dass es immer einen Ausweg gibt. In einem Interview mit dem „Guardian“ gestand Anderson, an schweren Depressionen gelitten zu haben: „Es gab Zeiten in meinem Leben, da wollte ich das Haus nicht verlassen.“ Professionelle Hilfe habe ihr allerdings sehr geholfen. Wie auch die Spiritualität.

 

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Powerfrauen. Die Autorinnen: Jennifer Nadel und Gillian Anderson. © Getty Images

Bereichernd. „Ich kann mich nicht genau erinnern, zu welchem Zeitpunkt sich in meinem Leben zum ersten Mal unterschwellige Beklemmungen breitgemacht haben. Ich weiß jedoch, dass es im College zu meinem Alltag gehörte, jeden Morgen mit einem Panikgefühl aufzuwachen, und dass ich während meiner ersten Schwangerschaft mit regelrechten Panikattacken zu tun hatte“, schreibt die 48-jährige Schauspielerin in „Wir“. „Es ist sicher zutreffend, dass ich mich einem spirituellen Weg zugewandt habe in der Hoffnung, damit diese Gefühlsausbrüche unter Kontrolle zu bekommen. Trotzdem haben sich Ängste und Panik mein Leben lang in der einen oder anderen Form entweder in der Peripherie oder im Zentrum meines Lebens breitgemacht, und ich konnte meine Rollen als Studentin, Mutter und Schauspielerin mit Liveauftritten nur erfüllen, indem ich meine Aufgaben trotz meiner Ängste erledigte. Das Leben annehmen trotz all seiner Verwicklungen, seiner beängstigenden Drehungen und Wendungen und trotz all der potenziellen Lähmungen, die hinter jeder Ecke lauern.“

Zeit nehmen. Doch nicht nur sein Leben anzunehmen, raten die beiden, auch „unangenehme“ Gefühle – selbst wenn sie mit dem eigenen Muttersein zu tun haben – müssen auf einer lebensverändernden Reise gestattet sein. Und das Wichtigste dabei: nicht ungeduldig werden, sondern nachsichtig sein und sich Zeit nehmen – für sich und die Übungen, zu denen Anderson und Nadel in ihrem Buch raten. Eine Art Tagebuch zu führen, in dem man z. B. über vorerst als katastrophal empfundene Ereignisse schreibt, die sich aber letztendlich als glückliche Fügung erwiesen haben. Eine der Übungen, um das Prinzip Vertrauen – angstfrei zu leben – zu verinnerlichen. Und zu spüren, dass alles, was passiert, gut und richtig ist, selbst wenn es im Moment nicht zu erkennen ist.

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Red Carpet. Mit Drehbuch-Autor Peter Morgan , der sich zuvor von Ehefrau Lila Schwarzenberg trennte.

Wechseljahre. Ein Thema, mit dem sich jede Frau früher oder später ebenfalls auseinanderzusetzen hat, sind die Wechseljahre. Auch hier gesteht Anderson in „Wir“: „Bei mir äußerte sich die Perimenopause als eine plötzliche Unfähigkeit, irgendetwas zu Ende zu bringen, und das, obwohl ich doch jahrelang daran gewöhnt war, alles gleichzeitig auf die Reihe zu bekommen. Die Menopause überfiel mich mit plötzlicher unkontrollierbarer Emotionalität und Hysterie und einem Gefühl, als wäre mein Gehirn gegen das eines anderen ausgetauscht worden. Tatsächlich bin ich überzeugt, dass ich mich schon in den Dreißigern in der Perimenopause befunden habe, und als ich endlich erkannte und anerkannte, was mit mir los war – oder vielleicht war es auch eher, als ich mir mit bioidentischen Hormonen helfen lassen musste –, da konnte ich mich nicht mehr daran erinnern, wann mein Hirn sich zuletzt ,normal‘ angefühlt hatte. Mir wurde klar, wie lange ich schon mit einigen der Menopausesymptome gelebt hatte.“ Und weiters schreibt der preisgekrönte TV-Star: „Hätte vorher jemand mit mir offen über diese Lebensphase gesprochen, wäre das Thema Menopause für mich weniger tabuisiert gewesen und ich hätte früher gewusst, welche Lebensweise die Angelegenheit noch verschlimmert. Gewiss hätte ich manche Dinge anders gemacht und mir vermutlich jahrelanges emotionales Chaos erspart. Wäre es nicht wunderbar, wenn wir uns als Frauen nicht dafür schämten, über die Menopause zu sprechen?“ Denn für viele ist dieses Thema leider nach wie vor tabu, obwohl es ein natürlicher Teil unseres Lebens ist.

Stärkend. Andersons Ratgeber kann als „esoterisch“ missverstanden werden, aber wenn man Kapitel für Kapitel langsam und bewusst liest, und manches wird man vielleicht sogar mehrmals lesen müssen, um es völlig zu erfassen, wird man viel Wahres spüren. Denn neben den sehr persönlichen Erlebnissen der Autorinnen (stets mit dem jeweiligen Kürzel JN oder GA gekennzeichnet) finden sich interessante psychologische Studien, spirituelle Einsichten, Zitate berühmter Frauen und Anleitungen für diverse Übungen (sowohl schriftliche als auch zur Meditation). Zudem eine Zusammenfassung aller neun Prinzipien im Überblick, weiterführende Literatur und eine ausführliche Liste von nützlichen Hilfsquellen. www.wewomeneverywhere.org

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Hilfreich. Eine spannende Verbindung von Psychologie und Spiritualität für ein zufriedeneres Leben. „WIR“ (Integral) um € 18,50.

Übungen zur Selbstliebe

Die neun Prinzipien aus „Wir“

  • Aufrichtigkeit. Echt werden. Maßnahme: Heute bringe ich den Mut auf, ich selbst zu sein. Affirmation: Ich bin echt.
  • Akzeptanz. Freundschaft mit der Wirklichkeit schließen. Maßnahme: Heute nehme ich das Leben so an, wie es ist. Affirmation: Meine Gefühle führen mich zu mir selbst.
  • Mut. Schluss mit dem Opferdenken. Maßnahme: Ich übernehme die Verantwortung für meine Gefühle und setze meine Wut auf gefahrlose Weise frei. Affirmation: Heute befreie ich mich davon, recht haben zu müssen, damit ich glücklich sein kann.
  • Vertrauen. Angstfrei leben. Maßnahme: Wenn mich Angst erfasst, dann frage ich mich, was ich tun würde, wenn ich keine Angst hätte, und tue es. Affirmation: Heute bin ich sicher und glücklich.
  • Demut. Das Ego enttarnen. Maßnahme: Ich behandle jede Frau, der ich begegne, wie eine Freundin. Affirmation: Mein Wert kommt aus meinem Inneren. Ich bin die, die ich bin.
  • Frieden. Den Widerstreit im Inneren beenden. Maßnahme: Wenn ich mich überfordert fühle, dann erinnere ich mich daran, dass mein wahres Ich unter der Oberfläche wohnt. Affirmation: Was immer auch geschieht, tief im Inneren weiß ich, dass ich gut bin.
  • Liebe. Beziehungen transformieren. Maßnahme: Allen mit Liebe begegnen. Affirmation: Ich bin Liebe.
  • Freude. Die eigene Lebendigkeit auskosten. Maßnahme: Heute werde ich Freude finden. Affirmation: Ich bin unverwüstlich und voller Freude.
  • Güte. Liebe in Aktion. Maßnahme: Heute entscheide ich mich für gütiges Handeln. Affirmation: Wenn ich handle, dann ist die
    Welt ein freundlicherer Ort.

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