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People | 18.02.2016

Die Überfrau: Susanne Wuest im Talk

Ob französischer Thriller, deutsches Historien-Drama oder die britische Serie „Judas Goat“: Susanne Wuest spielt in der internationalen Film-Oberliga.

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"Kinder haben offensichtlich weniger Angst vor mir … aber fragen Sie mal die Erwachsenen.“ Susanne Wuest

Sie drehte u. a. mit Olivier Assayas und Pipilotti Rist, ist in französischen Art-House-Filmen genauso zu Hause wie in britischen Mystery-Thrillern und räumt mit dem Horrorstreifen „Ich seh Ich seh“, der als Austro-Beitrag auch für den Oscar eingereicht war, auf Festivals in der ganzen Welt gerade einen Preis nach dem anderen ab.

Susanne Wuest (36) ist Österreichs international erfolgreichste Schauspielerin, was sich auch daran ablesen lässt, dass sie als einzige deutschsprachige Aktrice von jener Londoner Agentur vertreten wird, die auch Tilda Swinton, Emma Thompson oder Rupert Grint in der Kartei hat. Dass sie es in die große Filmwelt schaffte, verdankt die ätherische Schönheit neben ihrem Talent und ihrer Vielsprachigkeit vor allem ihrem eigenen Willen. Und ein wenig auch der Ignoranz heimischer Filmschaffender, die ihr am Anfang ihrer Karriere attestierten, sie habe „kein Fernsehgesicht“. Zum Glück!

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Top € 230,– und Rock €380– von Ute Ploier.

Hatten Sie manches Mal das Gefühl, wonach der Prophet im eigenen Land wenig gilt?
Susanne Wuest: Es stimmt sicher, dass es für jeden Menschen ein Stück Erde gibt, auf dem er besser oder schlechter gedeihen kann. Beides könnte nun auch das eigene Dorf sein. Der Satz stimmt also vermutlich nicht für jeden Propheten. Ich versuche mich damit gar nicht mehr auseinanderzusetzen, weil schon das Nachdenken darüber blockiert.


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Top € 415,– von Balenciaga bei Amicis, Hose € 319,– von M Missoni.

Heute sind Sie international sehr erfolgreich. Fühlt sich das nicht wie ein später Triumph an?
Wuest: Ha! Gegenüber ehemaligen Gymnasiallehrern trifft das sicher zu! Spaß beiseite, ich hatte es wirklich nicht leicht, das stimmt, aber auf das habe ich mich nicht konzentriert. Niemand, der Schauspieler wird, erwartet sich einen Spaziergang, und fast jeder muss zu Beginn damit rechnen, belächelt zu werden. Ich habe stets nach Künstlern Ausschau gehalten, zu denen ich passe – und woher diese Personen kommen, spielt für mich keine Rolle. Was ich aber mitbekommen habe, waren fast zwei Jahre Arbeitslosigkeit nach „Antares“, obwohl auch dieser Film erfolgreich und für einen Oscar eingereicht war. Und ich bin sehr erleichtert, dass diese Situation der Vergangenheit angehört.

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Kleid € 6.500,– von Louis Vuitton.

Auch „Ich seh Ich seh“ wurde als Österreich-Beitrag für den Oscar nominiert. Wie fühlt sich das für die viel gelobte Hauptdarstellerin an?
Wuest: Weit weniger aufregend, als man vermutlich denkt. Das darf man nicht falsch verstehen – es freut mich natürlich sehr, wenn ein Film so viel Zuspruch erhält. Aber am glücklichsten bin ich immer noch nach einem gelun­genen Drehtag, wenn man den ganzen Tag an einem Moment gebastelt hat, und am Ende gelingt er. Am Ende ist das Basteln auch wichtiger als die Beurteilung des Gebastelten.

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Top € 318,– von Femme Maison bei Park, Hose € 720,– von Brunello Cucinelli.

Ihre Rolle der mysteriösen bandagierten Mutter war im besten Sinne horribel. Haben Kinder nun Angst vor Ihnen?
Wuest: Kinder ganz offensichtlich weniger … aber fragen Sie mal die Erwachsenen.

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Top € 495,– von Femme Maison bei Park, Hose € 115,– von COS.

Am 25. März kann man Sie im ARD-Film „Das Geheimnis der Hebamme“ sehen. In welcher Rolle?
Wuest: Ich spiele Hedwig von Wettin – eine Markgräfin, die versucht, ihr Kind zu retten. Sie ist aber auch eine sehr engagierte Politikerin – man kann sich vorstellen, dass Frauen im Mittelalter sehr gut überlegen mussten, wie sie ihre Anliegen durchzusetzen gedachten. Ich hatte großen Spaß, das ist eine wirklich tolle Figur! Im März wird übrigens auch die 200. Folge „Soko Kitzbühel“ ausgestrahlt, die wir vergangenen Sommer gedreht haben.

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Kleid € 599,– von Susanne Kreuzberger.

Ihr elfenhaftes Aussehen macht Sie unverwechselbar. Ist das beruflich mehr Fluch oder Segen?
Wuest: Es war zu Beginn schwierig, ich habe oft gehört, ich wäre zu „speziell“, was auch immer das heißt. Ich glaube, es ist heute ein Segen. Ich wollte schon immer Märchen spielen. Eine Elfe spielen zu dürfen, das wäre doch fantastisch! Wenn ich darüber nachdenke: Eigentlich ist das überfällig.

Man sah Sie 2015 bei einer Burberry-Show in der Front Row. Welchen Stellenwert hat Mode für Sie?
Wuest: Mich interessiert diese Art von Kunst – und das ist Mode für mich – sehr. Ich muss aber, wenn man über die Wichtigkeit eines solchen Lu­xus spricht, immer ergänzen, dass Glück nicht davon abhängen sollte, ob man ein Paar Jimmy Choos besitzt oder nicht. Wirklich wichtig sind andere Dinge.

Die obligatorische Abschlussfrage: What comes next?
Wuest: Hoffentlich etwas Spannendes. Als Elfe!

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Kleid € 390,– von Longchamp.

Fotos Irina Gavrich
Styling Maximilian Märzinger @ monikaleuthner.com
Hair & Make-up Patrick Glatthaar  
Fotoassistenz Moritz Zangl

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