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People | 02.03.2017

Du fehlst!

Am 23. Februar starb Sabine Oberhauser, Ministerin der Herzen. Wir trauern. #fuckcancer

Ein erstes und letztes Weihnachtsfest mit dem kleinen Enkelsohn Emil. Ein letztes Familienfest im Kreis der Liebsten, der Töchter Sophie und Franziska, Ehemann Gerold, Mutter Hermine. Und jetzt der letzte Weg. Der Abschied für immer. Unendlich traurig lässt Sabine Oberhauser sie alle und uns zurück. Am 23. Februar hat sie ihren Kampf gegen den Krebs zu Ende gekämpft. Ein Kampf, der so tapfer und so vorbildlich war. Sabine Oberhauser wurde nur 53 Jahre alt. Viel zu wenig für eine Frau, die noch so viel vorhatte … Doch leider – die mit Ehemann Gerold immer wieder gemeinsam postulierte Parole „Wir schaffen das!“ ist unerfüllt geblieben. Sabine Oberhauser, die Ministerin der Herzen, ist tot. Wir alle trauern.

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Pink Ribbon Bitschafterinnen Sabine Oberhauser und Uschi Fellner © Diesner
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© Ludwig Schedl

Herzensfrau. Denn Sabine Oberhauser war als Mensch, Frau, Mutter, Freundin und als Politikerin eine Ausnahmeerscheinung. So warmherzig, so sehr bei der Sache, so sehr bei den Menschen und so ernsthaft und engagiert. Sabine Oberhausers Worte waren keine Hülsen. Ihre Taten keine Strategiespielchen, sondern vom unbedingten Willen geprägt, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Vor allem für Frauen. 2017, so hatte sie sich als Frauenministerin vorgenommen, wollte sie kämpfen. Für uns, für die Quote, für die Gleichberechtigung. Es war ihr nicht vergönnt …

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Abschied. Im Januar noch gedachte Sabine Oberhauser Barbara Prammer. Wir wünschen, dass es einen Platz geben möge, wo sich beide nun wieder begegnen …
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Frau des Jahres. look! wählt Sabine Oberhauser 2016 zur „Frau des Jahres". © Katharina Schiffl
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Gedenken. Die Nachricht von Sabine Oberhausers Tod traf Polit- und Ballprominenz tief. Kanzler Christian Kern rief beim Opernball zur Schweigeminute für die Ministerin der Herzen auf.

Vorbild. Als Sabine Oberhauser 2015 die Diagnose Unterleibskrebs erhält, fällt sie einen wesentlichen Entschluss. Sie will sich nicht verkriechen. Sie will sich nicht aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Sie will kämpfen. Sie will stark sein, und sie will anderen Betroffenen Mut machen. Auch hier ist Sabine Oberhauser beispiellos. Krebs ist kein Tabu mehr. Als sie durch die Chemotherapie die Haare verliert, kommt sie ihren Amtsgeschäften im Parlament mit Glatze nach. Sabine Oberhauser, die Gesundheitsministerin, die öffentliche Person, versteckt sich nicht. Sie wird zum Rolemodel für viele Menschen, die das gleiche Schicksal teilen. Eine große Welle der Sympathie, des Mitempfindens, des Beistands schlägt Oberhauser entgegen, als sie ihren Krebskampf öffentlich macht. Denn das ist es, was sie immer wollte:

„Ich möchte den Kampf teilen mit den Menschen – und nicht das Leid.“, Sabine Oberhauser.

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Letzter Gruß. Alexander Van der Bellen ist tief getroffen: „Mir geht Sabines Tod sehr nahe.“

Eine für alle. Im Sommer 2015 wird Sabine Oberhauser operiert. Sobald es geht, nimmt sie ihren Job wieder auf. Sabine Oberhauser verlegt ihre Chemotherapien auf den Freitag, „damit ich mich am Wochenende auskurieren kann“. Unterstützt wird sie dabei von ihrem Team, denn auch das ist Sabine Oberhauser, eine Teamplayerin. Eine für alle, alle für eine. Ein Satz, den sie lebt. Wenn die Strapazen der Therapie dann doch „in die Knie zwingen“, regiert die Gesundheitsministerin von zu Hause aus. „Wenn es mir gar nicht gut geht, verlegen wir mein Büro zu mir in die Küche“, erzählt die leidenschaftliche Politikerin. Aussetzen, weil der Krebs schwach macht, das kommt für sie nicht in Frage.

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Abschied. Sabine Oberhauser mit Familienhund Felix.
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Pass-Stücke. Gerold Oberhauser war immer die wichtigste Stütze im Krebskampf seiner Frau.

Alle für eine. Und dann, nach Operation und Komplikation, nach Chemotherapie und all den Schmerzen, die gute Nachricht. „Ich habe es geschafft“, strahlt Sabine Oberhauser. Ihr Lächeln
ist uns allen unvergessen. Jetzt wollte sie wieder richtig loslegen, reformieren, anpacken, tun. Jetzt wollte sie sich wehren, wollte kämpfen für Frauen, gegen die Gewalt. Auf Facebook, wo Sabine Oberhauser jeden Tag am Morgen ihren Wetterbericht postet, vieltausendfach geliket, schreibt die Ministerin: „Die letzte Chemo ist Geschichte, ich danke euch allen fürs Mitzittern, Beten, Kraftschicken, Aufheitern. Ihr habt mir so toll über diese Zeit geholfen.“ Denn tatsächlich ist die Anteilnahme ihrer virtuellen Freunde eine wichtige Stütze, ein Kraftpfeiler im Kampf gegen den Krebs. Umso schlimmer, als nur kurze Zeit später die nächste Schockdiagnose folgt. Der Krebs hatte sich, so scheint es, nur kurz versteckt. Jetzt war er wieder da. Nur ein Jahr später. „Der Tod ist nähergerückt.“ Sabine Oberhauser wird nach dieser zweiten Diagnose sehr viel nachdenklicher. Wie wird sie sein, die Zukunft. „Werde ich meine Enkel aufwachsen sehen?“ Die große Frage. Die Familie rund um sie, sie rückt jetzt eng zusammen. Die Töchter Franziska und Sophie, Oberhausers Mutter und vor allem Ehemann Gerold, Radiologe von Beruf, sie bilden ein enges Netz um ihre geliebte Mutter, Tochter, Ehefrau. „Genauso wie Sabines Töchter habe ich nie geglaubt, dass es schlecht ausgeht“, erzählt ihre Mutter Hermine Schuh im Sommer 2016. Da war noch  Zuversicht.

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Engagement. Sabine Oberhauser – wichtige Partnerin der Pink Ribbon- Bewegung.

„Ich danke euch allen fürs Kraftschicken. Ihr habt mir sehr geholfen.“, Sabine Oberhauser.

Frau des Jahres. Nicht aufgeben, nicht schlapp machen, kämpfen. Das ist die Devise. „,Wir schaffen das‘ ist, glaube ich, der meistgesagte Satz bei uns zu Hause“, erklärt Sabine Oberhauser im November 2016. Im Rahmen der „Women of the Year“-Gala wurde sie im November zur Frau des Jahres gewählt. Und so gern möchte sie den Preis persönlich entgegennehmen. Das Kleid ist schon ausgesucht.Doch wieder ist es der Krebs, der ihr einen Strich durch die Rechnung macht. Sie ist zu schwach und muss sich per Videobotschaft bedanken. Bei den look!-Leserinnen und vor allem bei Ehemann Gerold. „Ich habe das große Glück, einen sehr starken Mann an meiner Seite zu haben, der selbst in den schwierigsten Zeiten nie daran gezweifelt hat, dass erstens alles gut wird, und zweitens, dass wir gemeinsam alles schaffen.“ Sabine und Gerold Oberhauser sind im Wortsinn Pass-Stücke. Liebende, Eltern und „Partner in Crime“. Ohne die Kraft ihres Mannes, so sagte sie immer, hätte „ich diesen starken Weg des Kampfes nicht gehen können“. Mit Worten kaum zu beschreiben, wie schwer es gefallen sein muss, die geliebte Frau und Mutter diesen letzten Weg gehen zu lassen. Doch auch das Leid hat ein Ende.

 

 

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Täglicher Bericht. Oberhausers Wetterbericht jeden Morgen wurde tausendfach geliket.
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In Freundschaft. Doris Bures über den Tod ihrer Freundin: „Ihre Herzlichkeit war mitreißend.“

Strapazen. Denn zuletzt ist Sabine Oberhauser immer weniger geworden. Immer zarter, so verletzlich. Der Darm hat ihr große Probleme gemacht, „eigentlich mehr als die Chemo. Ich weiß nicht, was ich essen kann, was ich  vertrage, ob ich Durchfall bekomme“. Sie muss jetzt sehr haushalten mit ihrer Kraft. „Und das Gehen macht mir große Probleme.“ Der Krebs und all die damit verbundenen Strapazen werden jetzt immer deutlicher sichtbar. Und auch das Lächeln, mit dem wir Sabine Oberhauser immer in Erinnerung behalten werden, weicht jetzt oft einem sehr nachdenklichen Blick. Dahinter viele Fragen. Die zentrale: „Werde ich es wirklich noch mal schaffen?“ Zum ersten Mal denkt die engagierte Politikerin an Rücktritt. „Ich habe mir überlegt, ob ich für die Partei tragbar bin, ob ich den Job, für den ich bezahlt werde, ausfüllen kann als nicht völlig fitter Mensch. Aber mein Team und ich haben es geschafft, die Arbeit auch am Krankenbett fortzusetzen. Auch Christian Kern hat mir versichert, dass er hinter mir steht.“ Sie kämpft also weiter.

„Erstmals Weihnachten mit meinem Enkel Emil – darauf freue ich mich.“, Sabine Oberhauser.

 

Christian Kern - Bundeskanzler

Ich sollte mich freuen, dass ich Sabine Oberhauser gekannt habe. Ich sollte mich freuen, dass ich erleben durfte, mit wie viel Kraft, Energie und Leidenschaft sie für ihre Politik gekämpft hat. Aber ich bin im Moment nur unglaublich und unbeschreiblich traurig, dass Sabine Oberhauser heute ihren Kampf gegen den Krebs verloren hat. Mein Mitgefühl und meine ganze Anteilnahme sind in diesen schweren, bitteren Stunden bei ihrem Mann, ihren Töchtern und ihrer Familie.

Doris Bures - Nationalratspräsidentin

Sabine Oberhauser ist zeitlebens mit beiden Beinen fest am Boden gestanden. Ihre Herzlichkeit war mitreißend. Die Republik hat eine erfahrene und profilierte Ministerin verloren. Die Sozialdemokratie verliert eine große Frau und Freundin. Ich persönlich verliere eine liebe Freundin. Eine leidenschaftliche Politikerin, ein großartiger und liebenswerter Mensch ist viel zu früh von uns gegangen. Sie hat ihren tapferen Kampf gegen den Krebs verloren. In den Herzen so vieler Menschen hat sie einen bleibenden Platz.

©Schedl

Doris Kiefhaber - Österreichische Krebshilfe

Lieber Felix, ich hab dein Frauli sehr gern gehabt. Sie hat mich immer so lieb gestreichelt. Na ja, dabei immer von dir erzählt, aber egal. Du glaubst vielleicht, dass sie dich verlassen hat, aber das hätte sie nie gemacht. Sie wurde aus dem Leben gerissen, auch aus deinem Leben. Du wirst irgendwann wieder bei deinem Frauli sein, spazieren gehen und kuscheln. Aber jetzt braucht dich dein Herrli und deine Familie, denn sie sind sehr traurig, so wie du. Wenn du spielen willst, dann bin ich da. Deine Niki

 

Der letzte Kampf. Doch dann, Mitte Februar, geht es nicht mehr. Der Krebs fordert zu viel. Nimmt sich immer mehr. Oberhauser übergibt ihre Amtsgeschäfte. Eine Bauchfellentzündung zwingt sie zum Spitalsaufenthalt. Sie wird es nicht mehr verlassen. Wird nicht wieder heimkehren. Obwohl sie bis zuletzt daran glaubt. Am 23. Februar, die Stars und Staatsgäste betreten gerade die Feststiege der Staatsoper, stirbt Sabine Oberhauser. Und an dieser Stelle zu sagen, sie hinterlässt eine Lücke, ist zu klein in Anbetracht des unendlichen Verlustes … „Warum?“ kann keiner, auch beim besten Willen nicht, beantworten.

Wir denken an ihren Enkelsohn Emil, gerade erst zehn Monate alt. Ein kleiner Strahlemann, dem für die Zukunft die wunderbaren und traurigen Geschichten über seine Großmutter bleiben. Wir denken an die beiden Töchter Franziska und Sophie, an Ehemann Gerold, den Helden in Sabine Oberhausers Leben. Und an Mama Hermine, die ihr geliebtes Kind verloren hat. Adieu, liebe Sabine. Wir tragen dich in unserem Herzen.

#fraudesjahres

#FUCKCANCER

Uschi Fellner über Sabine Oberhauser. Oder: Eine Frau, die mir den Atem nimmt.

Sabine Oberhauser hat mir zwei Mal in meinem Leben die Luft abgeschnürt. Das erste Mal vergangenen November, als sie bei unserer jährlichen „Women of the Year“-Gala den Preis als Frau des Jahres hätte entgegennehmen sollen. Sie freute sich im Vorfeld enorm über diese Auszeichnung, besorgte extra ein neues Kleid. Am Nachmittag vor der Veranstaltung im Wiener Rathaus, der Anruf. Es geht ihr gar nicht gut. Zu schlecht, um präsentabel einen Award entgegennehmen zu können.

Der Kanzler trifft ein, die Gala beginnt. Tolle Frauen auf der Bühne. Emotionen, Dankesreden, Applaus. Dann der Programm-Höhepunkt „Frau des Jahres“. Sie ist nicht hier. Doris Kiefhaber, die GF der Österreichischen Krebshilfe, hält eine bewegende Laudatio. Pressesprecherin Sabine Leidinger nimmt den Award, stellvertretend für ihre Chefin, entgegen. Ein Video wird eingespielt. Die Ministerin ließ es am Vortag, nur zur Sicherheit, filmen. Es zeigt eine Löwin des Jahres. Eine Kämpferin, die selbst dieser Situation etwas Positives abverlangt. Als sich Oberhauser bei ihrem Mann Gerold bedankt, ihrem Helden und Lebensmenschen, versagt ihr die Stimme. Wie auf Geheimkommando stehen über 700 Ehrengäste im Rathaus gleichzeitig auf. Standing Ovations. Es gibt Momente, die den Atem rauben, auch wenn man offensichtlich weiter Luft holen muss. Und ich weiß, dass meine  Tischnachbarn die gleichen Luftprobleme haben.

Standing Ovations. Der Kanzler und seine Frau sowie Stargast Emma Willis (rechts neben mir) applaudieren Sabine Oberhauser.

 

Dann kommt Weihnachten. Es geht aufwärts, und doch wieder nicht. Jeden Tag ein Wetterbericht, den ganzen langen Jänner über. „Dem Leben zeigen, wie sehr man es liebt!!! Es hat 14 Grad. Es wird …“, postet unsere, meine „Frau des Jahres“. Am 15. Februar postet Oberhausers Team. Die Ministerin ist im Spital, liest aber alle Wetterberichte. Es wird wieder werden.

Opernball. An so einem Tag stehen Medienmenschen Kopf. Es gibt nur ein Thema. Alles Oper! Mein Mann und ich finden uns zum Essen mit Gästen in Opernnähe ein. Mein WhatsApp blinkt. Ein Routineblick, was ist jetzt schon wieder los. Dann schnürt es mir den Hals zu. Du hast, mit Recht, den Opernball gecrasht. Meine wunderbare Frau des Jahres, mit dem Herzen einer Löwin. Ruhe in Frieden.

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Beliebt. Mit Sabine Oberhauser verliert die Sozialdemokratie eine ihrer Besten.
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