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People | 15.12.2015

Experiment: Diese Wienerin war über 6 Monate nicht shoppen!

Seit einem halben Jahr hat Sarah keine Klamotten mehr gekauft. Uns erzählt sie von ihrem Selbsttest!

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Sarah ist 25 Jahre alt, wohnt im 7. Bezirk in Wien, studiert Textildesign und geht nicht shoppen!

Sarah lebt genau wie wir alle. Sie fliegt in den Urlaub, geht am Wochenende feiern, trifft sich mit Freunden am Tag auf Coffee, am Abend auf Spritzer und verwöhnt ihren Freund gerne mal mit selbstgekochtem Dinner. Etwas unterscheidet sie jedoch von uns: Sie versucht sich in "Absolutem Shoppingverbot". Das heißt, keine Schuhe, keine Kleider, kein Schmuck, Accessoires oder sonst irgendwelche Klamotten. Sie will versuchen, mit dem auszukommen, was bereits in ihrem Schrank hängt. Das ist nichht wenig - wie bei uns allen. Dennoch shoppen wir jedes Monat, jede Saison aufs Neue darauf los. Wir möchten die aktuellen Trends mitleben, up to date sein, die Kleider aus den Schaufenstern selbst tragen. Sarah möchte sehen ob es auch ohne geht und startete ihr persönliches "Klamotten Fasten"! Dieses Experiment hat sie im Frühjahr 2015 begonnen und bis Dezember durchgeführt. 

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»Nur weil du nicht shoppen gehst, heißt es nicht,
dass du immer mit den gleichen Outfits rumlaufen musst.
Hier kann mit mit Styling und Tauschen viel machen!«

Ihr denkt jetzt, sie läuft jeden Tag mit Jeans und weißem T-Shirt vom letzten Jahr rum? Das Gegenteil. Sarah ist super trendbewusst, liebt es sich für's Ausgehen mit ihren Mädels zu dressen und sieht jeden Tag aus, als wäre sie der Stylebible von Topshop entsprungen (nur nicht zu hause, da liebt sie den Schlabberlook). Wie sie das macht ohne Shoppen zu gehen? Lest selbst!

Sarah ist 25 Jahre alt, wohnt im 7. Bezirk in Wien, studiert Textildesign und geht nicht shoppen!

Warum sie das macht und wie es ihr dabei erging, erfahrt ihr hier!

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Der Kleiderschrank von Sarah.

Wie kam es zu deinem Selbstversuch „6 MONATE OHNE SHOPPING“?


Die meisten von uns - egal ob Studentin, Schülerin oder voll arbeitstätig - können uns ab und an neue Klamotten kaufen. Ein wenig Shoppinggeld bleibt jedem übrig in der heutigen Zeit. Mode-Ketten wie H&M oder Forever21 machen es sogar möglich, richtig viel Zeug um wenig Geld zu kaufen... und das habe auch ich immer gern in Anspruch genommen. Vor etwa 5 Jahren habe ich angefangen mich intensiv mit Themen wie Umwelt, Nachhaltigkeit, Tierschutz und Ernährung auseinanderzusetzen. Je mehr man sich damit beschäftigt, desto mehr graust es einem vor dem eigenen ICH wenn man etwas unmoralischen macht. Jeder kennt das Gefühl nach einer erfolgreichen Shoppingtour, oder? Das Konto ist leer, die Einkaufstaschen voll, und zuhause angekommen ist man erschöpft aber voller Vorfreude seine neuen Schätze auszuführen. Irgendwann einmal bin ich mit den besagten befüllten Taschen nach Hause gekommen und hab diese lediglich in der Ecke abgestellt. Die Freude über neue Kleidung war gering, und das schlechte Gewissen mehr als präsent. Ich wusste über die schrecklichen Arbeitsbedingungen bescheid, und noch dazu war es zu dem Zeitpunkt auch meine fehlende Wertschätzung gegenüber den Textilien, die mich anwiderte. Ein Polyester-Top um etwa 10 €, das nach max. einem Jahr tragen zerfällt? Brauche ich das wirklich? Und damit begannen meine 6 Monate gegen den Konsumrausch.

Wie viele Teile hast do davor im Monat geshoppt?

Hm, ich denke ca. 5 Teile pro Monat. Im Jahr macht das 60 neue Teile. Irre oder? Wohin mit dem ganzen Zeug?

Was war erlaubt?

Tauschen und beschenkt zu werden, war erlaubt. Da ich keine Unterwäsche tauschen wollte, habe ich auch hier ein Auge zugedrückt, aber es einfach die 6 Monate versucht zu meiden. Toll sind hier Apps wie KLEIDERKREISEL oder Tauschbörsen auf FB. Auch bei Second Hand Länden wie in der Burmese 24 gibt es Tauschevents.

Welcher war der schwierigste Monat während deines Versuchs? 

Seltsamerweise war die schwierigste Zeit gleich im ersten bis zweiten Monat. Herbsteinbruch hieß nicht nur SALE-Schilder überall, und das Gefühl etwas zu verpassen, sondern auch Kleiderschrank umsortieren und damit fielen mit die „alten“ Sachen in die Hände... die ich nur zu gerne gegen Neue ausgetauscht hätte. Ich habe mich teilweise dabei ertappt, wie ich am Heimweg regelecht in die Schaufenster gestarrt habe und langsamer gegangen bin.

Wie hilft man sich aus wenn die neue Saison kommt? 


Dafür habe ich mir ein kleinen "Notausgang" offen gelassen. Shoppen verboten, Tauschen erlaubt. Ist teilweise mühsam und wirklich aufwendig, aber siehe da; ich habe mich dann riesig gefreut über !EIN! neues Teil in meinem Kleiderschrank. UND der selbst auferlegte Shoppingstop nahm eine interessante Wende, als ich anfing meine "alten" Sachen, denen womöglich ein Knopf fehlte, und ich mir nie die Zeit nahm ihn wieder anzunähen ... plötzlich die Initiative ergriff und alles reparierte. Kleidungsstücke die ich "so" nicht mehr getragen hab, wurden umgenäht und ihnen neues Leben eingehaucht. Einige Teile die ewig im Schrank verstaubten, habe ich "gegoogelt". Soll heißen: Ich habe in die Suchmaschine z.B.: „polkadots Rock schwarz weiß Outfit“ eingetippt, und mir so Inspiration geholt, wie man meinen eigentlich unspannenden Rock tragen kann. Und siehe da, er wurde im Handumdrehen zu einem Lieblingsteil von mir.

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Aus Alt mach neu!

Hast du malgeschummelt? 

Ja. Ich habe geschummelt. Ich habe die Plattform Kleiderkreisel benutzt um, wie schon erwähnt, sowohl Accessoires als auch Kleidung zu tauschen. Was aber wenn man einen super schönen Kashmir Pulli entdeckt, aber die Person nicht an einem Tausch interessiert ist? Ich habe also aus meinem Fundus etwas verkauft, und mit dem „Guthaben“ den Kashmir-Pulli gekauft. Ich habe mir auch die Option offen gelassen, im Urlaub ein Souvenir zu ergattern, allerdings musste ich den Joker kaum verwenden.

 

6 Monate sind vorbei - was nun?

Das halbe Jahr ist vorbei, und vor dem Experiment dachte ich, sobald es vorbei ist werde ich die Mariahilferstraße rauf und runter sprinten und mein gespartes Geld bei COS, Zara und Co liegen lassen, dem ist aber absolut nicht so. Ich verspüre wirklich keinen Drang mich in den Shoppingwahnsinn zu stürzen, im Gegenteil, ich habe schon Familie & Freunde vorgewarnt, dass ich dieses Weihnachten nicht Christkind spielen werde. Jedes Mal wenn ich zur Ubahn-Station Neubaugasse spaziere um auf die Uni zu fahren, bin ich so froh nicht zu den gestressten Leuten zu gehören, die konsumgesteuert einkaufen – nur um irgendetwas(!) unter den Weihnachtsbaum zu legen.

 

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Kombinieren ist allen, so Sarah!

Hast du versuch, Freunde von deinem Experiment zu überzeugen? Hat jemand mitgemacht?

Nein, ich habe niemanden versucht davon zu überzeugen dass „mein Weg“ der richtige ist... Manche haben das Experiment kaum mitbekommen. 

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Aus dem letzten Eck kramt man plötzlich Sachen hervor, die eigentlich echt ganz cool sind.

Wie fühlst du dich nach den 6 Monaten - glaubst du, du wirst dich schlecht fühlen wenn du zum ersten Mal wieder ein Teil für dich kaufst?

 

Ich glaube es muss ein ganz besonderes Teil sein, damit ich es tatsächlich anprobiere und dann mit zur Kassa trage. Dieses Kleidungsstück soll im besten Fall nicht aus einem synthetischen Material sein, und darf auch ruhig mehr kosten. Vielleicht schaue ich aber in der nächsten Zeit eher in Vintage-Läden, besuche Flohmärkte und benutze weiterhin Plattformen wie Kleiderkreisel. Es ist so eine Unmenge an Kleidung vorhanden, daher denke ich, ist es meist gar nicht nötig zusätzlich „Neues“ zu erstehen.

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