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People | 07.04.2017

Frauen haben Recht

Couragiert. Schon als Kind ist Marlene Krügers Gerechtigkeitssinn sehr ausgeprägt. Heute vertritt sie als Juristin vor allem Frauen im Familienrecht. Der Talk über Konflikte und Empathie vor Gericht.

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© Arman Rastegar

So was kommt eben von so was: „Ich bin das älteste von drei Kindern und mir wurde zwangsweise die Aufgabe zuteil, bei üblichen Konflikten zwischen Geschwistern schlichtend einzugreifen, wobei mein Gerechtigkeitssinn jedes Mal aufs Neue auf die Probe gestellt wurde“, erklärt Top-Juristin Marlene Krüger schmunzelnd. Sie vertritt vor allem Frauen in Familien- und Scheidungsrechtbelangen und erklärt, warum Frauen Konflikte vor Gericht anders austragen als Männer und warum das gut so ist. Der Talk. 

 

B-look: Warum ist möglicherweise eine weibliche, empathische Herangehensweise an Strafsachen und Konflikte, die vor Gericht ausgetragen werden müssen, besser und oft auch zielführender?

 

Krüger: Frauen lernen üblicherweise schon im Kindesalter durch Erfahrungen im Familienkreis, dass es oft zielführender ist, einen Konflikt deeskalierend und unter Eingehen auf die Bedürfnisse der anderen Seite zu lösen. Diese Eigenschaft hilft Anwältinnen in Kom­bination mit ihren juristischen und sozialen Lebenserfahrungen insbesondere in Strafsachen und zusammenstehenden Konflikten diese durch ihre „weibliche Handschrift“ oftmals besser zu entschärfen als ihre männlichen Kollegen, die meiner Erfahrung nach eine auf dem Recht des Stärkeren basierende Herangehensweise praktizieren.

 

 

B-look: Werden Konflikte vor Gericht von Frauen anders ausgetragen als von Männern und wenn ja, wie?

 

Krüger: Ganz klar, ja. Frauen haben keine Scheu, Einfühlungsvermögen und Emotionen auch im Gerichtssaal zu zeigen, was gerade in Konfliktsituationen nicht nur entschärfend, sondern sogar vertrauensbildend wirken kann. Ich habe schon öfter die Erfahrung gemacht, dass sich gerade auch Männer mit ihrem Anliegen bei mir als Frau besser verstanden fühlen als von einem männlichen Kollegen, da sie nicht das
Gefühl haben, einem anderen männlichen Wesen gegenüber Stärke zeigen zu müssen.

 

 

B-look: Hatten Sie schon als Kind einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und wenn ja, wie hat sich der gezeigt?

 

Krüger: Da muss ich jetzt wirklich kurz lachen. Ich bin das älteste von drei Kindern und mir wurde zwangsweise die Aufgabe zuteil, bei üblichen Konflikten zwischen Geschwistern schlichtend einzugreifen, wobei mein Gerechtigkeitssinn jedes Mal aufs Neue auf die Probe
gestellt wurde.

 

 

B-look: Wann haben Sie die Entscheidung gefällt, diesen Beruf auszuüben? Gab es einen Moment, in dem Sie dachten: Genau das möchte ich verhindern, verbessern, verändern?

 

Krüger: Diese Entscheidung habe ich schon sehr früh getroffen. Es gehörte zu meinen täglichen Aufgaben als Klassensprecherin in meiner Schule, Anliegen meiner Mitschülerinnen und Mitschüler an die Lehrerschaft heranzutragen und zwischen beiden Interessengruppen zu vermitteln. Da war dann auch der Schritt zur Berufswahl Anwältin nicht weit und geradezu vorgezeichnet. Dieser Entschluss ist während des Studiums und meiner ersten Tätigkeit als Studentin in einer Wirtschaftskanzlei gereift. Mir war interessanterweise gleich zu Beginn meiner Tätigkeit klar, dass die anwaltliche Tätigkeit genau das ist, was ich machen möchte. Die in unserer Branche gar nicht so seltenen Zweifel an der Berufswahl sind mir offen gestanden fremd. Diese Überzeugung, meinen Weg gefunden zu haben, hilft mir freilich auch, über Phasen, die vornehmlich durch terminlichen Stress und die mit meinem Beruf verbundenen körperlichen Anstrengungen geprägt sind, hinwegzukommen.

 

 

Kolumne

BEVOR Eltern sich streiten: KindesWOHL im Mittelpunkt

© Arman Rastegar

Frau Mag. Marlene Krüger ist Expertin, wenn es um obsorgerechtliche Streitigkeiten und Kontaktrechtsverfahren geht. Sie ist der Meinung, man solle sich im Vorhinein über einige Dinge als werdende Eltern einigen, bevor das Kind tatsächlich zur Welt kommt. Kinder brauchen Vater und Mutter, sie haben ein Recht auf beide und dieses sollte man ihnen nicht verwehren. Ihr Motto „Bestens vertreten“ spricht für sie.


1. Uneheliche Kinder:

Eltern haben die Möglichkeit, die gemeinsame Obsorge gleich direkt beim Standesamt zu vereinbaren. Somit erspart man sich den Weg zu Gericht und allfällige Streitigkeiten.


2. Namensrecht:

Regelungen für uneheliche Kinder: Gemäß dem österreichischen Familienrecht bekommen uneheliche Kinder den Familiennamen der Mutter, den sie zum Zeitpunkt der Geburt des Kindes führt. Soll das uneheliche Kind den Namen des Vaters tragen, kann nach erfolgter Beurkundung der Geburt und Anerkennung der Vaterschaft eine Namensänderung bei der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde beantragt werden. Voraussetzung ist, dass sich beide Elternteile über die gewünschte Namensgebung einig sind.
Regelungen für eheliche Kinder: Grundsätzlich erhalten Kinder, deren Eltern einen gemeinsamen Familiennamen tragen, auch diesen. Möchten die Eltern ihre Familiennamen trotz Heirat behalten, so müssen sie schon vor bzw. bei der Eheschließung festlegen, welchen Namen die gemeinsamen Kinder führen sollen. Diese Erklärung wird entweder schon bei der Anmeldung zur Eheschließung abgegeben, kann aber auch im Rahmen der standesamtlichen Trauung in einer Urkunde festgehalten werden. Bei einer Eheschließung im Ausland ist vorab das zuständige Standesamt in Österreich zu kontaktieren. Nachträgliche Erklärungen über den Familiennamen sind nicht zulässig. Unterbleibt die Erklärung über den Familiennamen gemeinsamer Kinder, so tragen die Kinder verheirateter Paare automatisch den Familiennamen des Vaters bzw. des Ehemannes.


3. Kontaktrecht:

Solange sich die Eltern nach einer Trennung gut verstehen, ist meist die Regelung hinsichtlich des Kontaktrechtes kein Thema. Allerdings sind Eltern gut beraten, im Fall der Trennung eine Vereinbarung – auch um künftige Streitigkeiten zu vermeiden – hinsichtlich des Kontaktrechtes zu treffen.


4. Unterhaltsrecht:

Mit der Regelung von Kontaktrecht geht meist das Thema Unterhalt einher. Auch hier ist es ratsam, sich jedenfalls im Fall einer Trennung rechtliche Hilfe zur Berechnung des Unterhaltes zu holen und den Unterhaltsanspruch des Kindes gegenüber dem Vater geltend zu machen.

Informationen zur Person

Marlene Krüger. Schon sehr früh zeichnet sich Marlene Krüger, älteste von drei Geschwistern, durch einen stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn aus. In der Schule ist sie Klassensprecherin und setzt sich für andere ein. Dass daraus ein Studium der Rechtswissenschaften (2008) mit anschließender Gerichtspraxis (2009) wird, war also vorgezeichnet. Marlene Krüger arbeitete in namhaften Kanzleien, ehe sie sich 2015 selbständig machte. Heute vertritt sie vor allem auch Frauen in Familien- und Scheidungsrechtbelangen. Mehr Infos gibt's hier: www.mk-kanzlei.at

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