Du befindest dich hier: Home | People

People | 07.10.2015

Genie & WAhNDAsinn

Stammbeisln mit der wildesten Bühnensau Wiens. Von tagträumenden Underdogs zum Massenphänomen – das Wanda-Mastermind Marco Michael Wanda im Gespräch über die Schattenseiten des Erfolgs, sein unbeabsichtigtes Trankler-Image und das zweite Album „Bussi“.

Bild 4M8A5280.jpg
Schluck & Amore. Inspirationsquelle Beisl: Marco Michael Wanda in seinem natürlichen Habitat.

S onntags 18 Uhr im Zweiten. Dass das Lieblingsbeisl von Österreichs erfolgreichster Band heute ruht, hat keiner bedacht. „Oje. Hauptsache irgendwohin, wo man rauchen kann.“ Erwartet haben wir ihn raunzig und restalkoholisiert, tatsächlich begegnet uns der Wanda-Frontman überpünktlich und erfrischend allürenlos. Marco Michael Wanda (seinen echten Namen hält er geheim) ist ein ziemlich g’schmeidiger Typ. Spazieren, im Kaffeehaus sitzen und fischen stehen auf der privaten To-do-Liste ganz oben, wenn er sich nicht gerade kettentschickend in zerrissenen Jeans und Signature-Lederjacke die Seele aus dem Leib grölt. Vor knapp drei Jahren gegründet, erspielten sich die Wanda-Jungs quasi über Nacht Kult-Status im gesamten deutschsprachigen Raum. Ausverkaufte Hallen, Platin-Ehrung, Fan-Hysterie. Jeder will ein Stückchen Wanda. Das muss erst einmal verdaut werden.
Vom intensiven Festivalsommer geschlaucht, aber durchaus in Plauderlaune, wird das Sonntagsgespräch in ein Wettcafé verlegt. Holztische, Holzstühle, ein Tresen und ein Wirt mit Seele – so fühlt sich der Sprachkunst-Absolvent am wohlsten, wie er uns verrät. Ein Kaiserspritzer bestellt, dem Tischnachbarn zugeprostet und endlich dieser charismatische Spitzbubengrinser, dem die weiblichen Fans so verfallen sind. Herr Wanda scheint mit seiner Heimat-Hood wieder Eins zu sein. Ahhhmore.

Bild wanda-amore.jpg
Amore verhalf Wanda zum Durchbruch

Worüber machst du dir vor einer Show am meisten Gedanken?
Wanda: Ob die Bühne rutschig ist und ich hinfallen könnte. Aber sonst gar nix. Jetzt spielen wir so oft ... das muss man sich so vorstellen, als würde man in ein Lokal gehen. Man ist immer bissl aufgeregt, weil man neue Leute trifft, aber sonst ist es für uns mittlerweile der ganz normale Alltag.

Bild 4M8A5194.jpg
„Ich seh mich nicht als Musiker. Ich bin viel mehr ein Erzähler.“ Marco Michael Wanda

Unterwegs erlebt man als Rockband bestimmt viele schräge Sachen. Werden Tourerlebnisse denn auch zu Songtexten verarbeitet?
Wanda: Das mache ich nicht. Das wäre langweilig, glaube ich. Dazu habe ich viel zu viel über Themen wie Leben, Liebe und Tod zu schreiben. Der vulgäre Vollzug des Daseins ist ein bissl interessanter als verrenkt und mit Rückenschmerzen im Tourbus sitzend. Obwohl man sehr philosophisch wird, wenn man unterwegs so oft aus dem Fenster schaut.

Zwischen eurem Publikum und euch herrscht ein starkes Wir-Gefühl. Die Leute rasten komplett aus. Wie schaffst du das?
Wanda: Es ist eine Art Pingpong spielen. Kurt Cobain hat das Vibe-Pingpong genannt. Ich habe eine Freude im Herzen, oder auch eine Wut, je nachdem. Und wenn das zurückkommt, dann bauen wir das gemeinsam auf. Dann schaukelt sich das hoch. Und am Ende schwitzen alle und gehen glücklich nach Hause. In Deutschland sind alle so besessen darauf, dass man eine Show mit Tricks und Einlagen macht. Wir sind aber eine Band, die das nicht braucht. Wenn es eine Bar gibt, dann lasse ich mich vom Publikum gerne dahin tragen, trinke einen Schnaps und dann surf ich wieder zurück. Aber das ist keine Showeinlage von mir. Das hat sich eher aus der Not ergeben.

Bild 4M8A5288.jpg

Ach komm. Dein obligatorischer Hüftschwung muss doch einstudiert sein.
Wanda: Der ist auf dem Niveau von einer Privatperson, die zu Hause zu ihrer Liebingsmusik beim Frühjahrsputz tanzt. Tänzerische Ambitionen hab ich keine. Na!

Kannst du dich in Wien überhaupt noch frei bewegen?
Wanda: Ich werde schon sehr oft erkannt. Aber wenn man Leuten so leicht eine Freude bereiten kann, dann muss man es tun. Ein paarmal ist mir schon passiert, dass kleine Präsente zugesteckt werden. Oder kleine Genussmittel. Im 7ten hat mal jemand aus dem Fenster „leiwand Wanda“ geschrien und mir einen Joint runtergeworfen.

Bild 4M8A5227.jpg

Du besingst oft den Schnaps. In eurer aktuellen Single „Bussi, Baby“ auch „das Weiße zum Zahn“ ...
Wanda: Die deutsche Plattenfirma hat auf „Bussi, Baby“ gezeigt und gesagt (mit übertrieben deutschem Akzent): „Ja, das seid ihr, das ist Wanda, das muss raus.“ Ich fühl mich leider von Kritikern irgendwie mit einem Alkoholiker verwechselt. Mir wollen’s so ein Image verpassen wie „der liebe Augustin“, hab ich das Gefühl … oder der lustige Marco. Ist aber gar nicht so. Ich trink nicht übermäßig viel Alkohol. Kann man das glauben?

Warum können so viele Rockstars nicht die Finger von berauschenden Substanzen lassen?
Wanda: Weil in Wahrheit alle Rocker esoterische Verrückte sind.

Zerstört das nicht auf Dauer die Musikseele?
Wanda: Ich greif ja nicht regelmäßig zu Drogen, also mir schadet gar nix. Man will als Rockmusiker alles dafür tun, den Intellekt mit dem Instinkt zu tauschen. Und dieses Tauschgeschäft ist unglaublich mühsam. Vielleicht geht der Rockmusiker auf geistige Reisen, weil er seinen Instinkt zu tauschen. Und dieses Tauschgeschäft ist unglaublich mühsam. Vielleicht geht der Rockmusiker auf geistige Reisen, weil er seinen Instinkt schulen will ... um jeden Preis. Weil gute Musik ist nur Instinkt. Sobald das Hirn sich irgendwie dazwischenschaltet, ist alles für'n Orsch in Wahrheit.

Bild Cover2-8.jpg
Das KONZERT-HIGHLIGHT 2016: Wanda & Gäste – The Second Waltz am 22.04.2016 in der Wiener Stadthalle, Halle D. Tickets via www.wien-ticket.at und www.ticket.at. Karten gibt’s noch für: 16.10.2015 Warehouse in St. Pölten, 28.10.2015 Orpheum in Graz, 29.10.2015 Posthof in Linz, 30.10.2015 Music Hall in Innsbruck und 20.11.2015 Messehalle in Klagenfurt. Mehr Infos: www.wandamusik.com

Text Monika Kulig  Fotos Bubu Dujmic, Flo Senekowitsch

Diskutiere mit uns und deinen Freundinnen diesen Beitrag:
powered by Disqus