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People | 27.04.2017

"Ich möchte gern die Welt retten!"

Fiona Swarovski ist von der Glamour-Queen zur Businessfrau gereift. Das Interview mit einer ­Unzähmbaren, die Ziele hat. Und viel zu geben …

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Kuschelzeit. „Ich bin eine Katzenfrau“, sagt Fiona, die sich in ihrem Kitzbüheler Domizil mit zehn Katzen umgibt. „Katzen holen mich auf den Boden der Realität zurück, spenden mir Kraft.“ Das BIld mit der Baby-Wildkatze entstand in Kenia, dem Land, das Fiona liebt. © Anthony Russell

Zu ihrem 50. Geburtstag vor zwei Jahren gab Fiona Winter-Grasser, bekannt als Fiona Swarovski, look! das einzige Interview. „Ich freue mich auf die nächste Dekade“, sagte sie mir damals, „und finde es spannend, älter zu werden.“
Liebe ist … In den letzten beiden Jahren ist viel passiert. Innerhalb des Familienkonzerns bewies sich die vierfache Mama als Creative Director, ihre Schmucklinie „Fiona by Swarovski“ verkauft sich blendend. Zahlreiche Afrika-Reisen inspirierten sie zu einer neuen Kollektion, die Charity und Glamour in Einklang bringt. Neben Kindern, Tieren, Pflanzen und Steinen gibt es für sie einen Lebensmenschen: Karl-Heinz Grasser, über den sie einen einzigen Satz sagen will: „Ich liebe ihn über alles!“

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Offenes Gespräch. look! und Bundesländerinnen-Herausgeberin Uschi Pöttler-Fellner mit Fiona Swarovski. © Stefan Diesner

look: Fiona, Sie sind das bekannteste und auch schillerndste Mitglied der Swarovski-­Familie. Die Öffentlichkeit schätzt und kritisiert Sie gleichermaßen. Warum, glauben Sie, polarisieren Sie?

 

Fiona Swarovski: Vielleicht, weil ich authentisch bin und mich nie verstellt habe. Ich bin, wie ich bin. Ich muss auch sagen, dass ich die Öffentlichkeit nie gesucht habe, eher umgekehrt. Aber je länger ich in der Öffentlichkeit gestanden bin, umso mehr habe ich erkannt, dass man nach dem Motto „Pour vivre bien, il faut vivre caché“ leben sollte. Frei übersetzt: Um gut zu leben, muss man versteckt leben …

 

Sie entwerfen als Designerin für das Familienunternehmen eigene ­Kollektionen, aktuell eine Linie, die von Afrikas Tierwelt inspiriert ist. ­Haben Sie einen persönlichen Bezug zu ­Afrika?


Afrika ist für mich der schönste Kontinent unserer Erde. Ein unglaublich inspirierendes Land. Ich war zum ersten Mal mit dreizehn Jahren dort, seit damals bereise ich den Kontinent regelmäßig. Und jede Reise ist anders. Ich bin mit Tieren aufgewachsen und seit früher Jugend an Tierschützerin. Die Tiere in Afrika bewegen mich bis in mein Innerstes. Meine neue Bracelet-Kollektion „Endangered by Fiona“ soll dazu beitragen, die Tiere Afrikas vor dem Aussterben zu retten. Von ­jedem verkauften Armband gehen drei Euro in konkrete Projekte, wie z. B. ­unser Partnership mit „Black Jaguar White Tiger“, um Tieren zu helfen und sie zu schützen. Ich glaube, dass ein gutes Produkt eine authentische Geschichte erzählen muss, und genau das tun meine Armbänder. Sie schmücken und schaffen Bewusstsein für bedrohtes Leben.

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„Ich habe Schamanen, Seher und Heiler kennengelernt, die mir eine Welt jenseits der Ratio eröffnet haben …“ © Gavin Bond

Endangered heißt „gefährdet“. Sich für bedrohte Tiere einzusetzen erfordert, zumindest als Mitglied einer äußerst wirtschaftlich orientierten Dynastie, wohl auch Mut. Sind Sie mutig?


Mutig? Weiß ich nicht. Aber ich fühle mich stark. Stark kann man nur sein, wenn man selbst mit Liebe erfüllt ist, sonst funktioniert das nicht. Mein Traum vom Leben ist es, Liebe zu geben und Frieden zu haben.


Wie gehen Sie mit Kritik um?


Ehrlich gesagt, setze ich mich mit negativen Energien nicht auseinander. Ich bin ein sehr liebevoller, gebender Mensch. Liebe macht natürlich immer verletzlich und nur wer auch verletzlich ist, kann Liebe geben. Stärke und Schwäche sind miteinander verbunden, das ist auch bei mir so.


Wann haben Sie Ihre Spiritualität entdeckt?


Ich habe immer wieder spirituelle Begegnungen gehabt. Habe Schamanen, Seher, Heiler kennengelernt und von diesen Menschen gelernt. Sie ­haben mir eine Welt jenseits der Ratio gezeigt. Wenn man offen ist und glaubt, kann man selbst ein Sensorium entwickeln, man kann Energien und Auren sehen. Und eine alte Welt entdecken, zu der die meisten Menschen heute keinen Zugang mehr haben.

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Afrikas Kraft. „Dieser Kontinent ist meine Seelenheimat“, ist Fiona überzeugt. Der Schmuck der Einheimischen ist Inspirationsquelle. © Gavin Bond

Bot Ihnen die Spiritualität also auch Hilfestellung in Krisensituationen?


Natürlich. Mir ist eine offene, ­suchende Lebenseinstellung wichtig, die eine geistige Verbindung zum Transzendenten, zur Natur, zum Göttlichen herstellt. Ich glaube an das Leben, an die Liebe, an die Maria Mutter Gottes. Und ich bin sehr dankbar und demütig, einige der Wunder unserer Welt erfahren zu dürfen.


Seit Jahren tragen Sie bei jedem ­unserer Interviews eine Madonna bei sich, diesmal als Halskette …


Ohne eine Madonna gehe ich nicht aus dem Haus. Ich bin überzeugt ­davon, sie beschützt mich. Die Kette ist aus meiner Madonna-Kollektion, die sehr erfolgreich läuft.

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Angstfrei. Der kleine Tiger ist ungezähmt, Fiona kommuniziert mit ihm wie mit einem Haustier: „Ich verstehe die Sprache der Tiere. Und sie verstehen mich.“ © Anthony Russell

In Ihrer Familie gibt es eine Menge starker Frauen. Inwieweit hat Sie dieses Matriarchat geprägt?


Starke Frauen sind für mich Menschen, die geben, insoferne hat mich das ganz stark geprägt. Starke Menschen sind uneigennützig und wollen die Welt zum Positiven verändern. Und das will ich auch. Ich will Aufgaben erfüllen, die über das Oberflächliche und scheinbar Wichtige hinausgehen. Es gibt so viele starke Frauen, die Weltgeschichte geschrieben haben und die ich bewundere: Marie Curie, ­Jeanne d’Arc, Malala Yousafzai, die jüngste noch lebende Weltverbesserin, die gegen die Taliban kämpfte, indem sie deren Gräueltaten in einem Tagebuch-Blog festhielt. Auch Coco Chanel ist eine Wegbereiterin, eine Revolutionärin. All diese Frauen haben gegeben, geholfen, Bewusstsein geschaffen und auf ihre Art die Welt verändert.

Wie ist die Beziehung zur nächststehenden starken Frau in Ihrer Familie, zu Ihrer Mutter Marina Giori-Lhota?


Großartig und sehr innig. Ich bin mit meiner Mutter ständig in Kontakt. Sie ist eine fantastische Mutter, Großmutter, Frau und Unternehmerin. Meine Mutter ist immer und jederzeit für ihre Kinder und Enkelkinder da und gibt uns ganz viel vom Wichtigsten im Leben, nämlich Liebe. Gleichzeitig ­engagiert sie sich noch immer intensiv für unser Unternehmen und hilft der nächsten Generation, die Erfolge der Vergangenheit weiterzuführen.


Die Frauen der Swarovskis sind alle in das Unternehmen eingebunden, Sie selbst sind Creative Director. Wie kann man sich Ihre Arbeit konkret vorstellen?


Ich arbeite eigentlich ständig, ­Arbeit und Leben sind für mich fließende Prozesse. Kreativität ist nicht ortsgebunden und kennt auch keine Tageszeit. Natürlich habe ich in unserer Konzernzentrale in Wattens ein Büro mit Mitarbeitern, aber tatsächlich arbeite ich von überall auf der Welt. Ideen kommen mir überall: im Traum, auf der Straße, beim Sport. Dann wird der Gedanke zum Produkt entwickelt. Dieser Prozess findet im Konzern mit einer Reihe aus super Mitarbeitern statt. Und am Ende entscheiden die Swarovski-Produktverantwortlichen, was konkret in unseren Shops angeboten wird. Das ist durchaus ein positiver Wettbewerb der Kreationen und Designs, ganz nach dem Motto: Es möge der Beste gewinnen.

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„Wir sind eine harmonische Familie, weit entfernt vom Denver-Clan. Wir halten zusammen und haben ein gemeinsames Ziel.“

Und manchmal gewinnen Ihre ­Ideen und manchmal eben nicht?


Genau. Daher finden sich in einem Jahr viele Kreationen von Swarovski by Fiona in den Shops, in einem anderen Jahr sind es weniger. Dann muss man sich wieder mehr anstrengen. Auch Kreativität kann man ja nicht erzwingen, um ein neues Produkt zu erfinden, muss vieles zusammenpassen.


Man liest und hört immer wieder von Zwistigkeiten innerhalb der Familie. Wollen Sie dazu etwas sagen?


Unbedingt. Das Wichtigste ist: Wir sind ein unglaublich gut funktionierendes Familienunternehmen und wir verstehen uns untereinander auch sehr gut. Ich habe wunderbaren Kontakt zu all meinen Geschwistern und Cousins und arbeite mit allen sehr produktiv zusammen. Wir sind nicht der Denver-Clan, wo jeder gegen jeden intrigiert, ganz im Gegenteil. Wir halten zusammen, sitzen alle zusammen am gleichen Tisch und ziehen an einem Strang. Jeder hat seine Stärken, die er einbringt, und wird dafür respektiert. Und wir, die fünfte Generation, haben vor allem ein Ziel: unser Unternehmen gemeinsam in die Zukunft zu führen. That’s it.

 

Der Name Fiona steht also im Unternehmen in erster Linie für Kreativität. Was darf man sich in Zukunft von Ihrer Seite her erwarten?


Da gibt es viele spannende ­Projekte. Wir arbeiten zum Beispiel an einer sehr hochwertigen Home-Accessoire-Linie, aus Leder und Kristallen gefertigt. Wir haben ausgesuchte Stücke bereits bei der Möbelmesse in Mailand präsentiert und ein großartiges Echo.


Sprechen Sie mit Ihren Pflanzen?


Selbstverständlich, mehrmals am Tag! Meine Kamelien blühen fünf Mal im Jahr, das ist sensationell. Ich sage ihnen auch immer, wie schön sie sind (lacht). Im Ernst, ich bin überzeugt ­davon, dass Pflanzen eine Sprache haben und kommunizieren, wie ja Tiere auch.

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stark. Die vom Aussterben bedrohten Nashörner gelten als brandgefährliche Wildtiere. Fiona freundete sich beim Foto-Shooting trotzdem mit ihnen an.

Apropos Tiere: Mit wie vielen Tieren leben Sie derzeit zusammen? Und wo ist der Hauptwohnsitz der Familie?


Wir leben in Kitzbühel, im prachtvollen Tirol. Ein Platz, der mir unglaublich viel Kraft, Ausgleich und Lebens­freude gibt. Wir haben zurzeit zehn Katzen und drei Hunde. Täglich bürste ich alle zehn Katzen, mit den Hunden, zwei Schäferhunden und ­einem Golden Retriever, gehe ich täglich ausgiebig auf Tour. Diese Zeit nehme ich mir, dafür stehe ich sehr früh auf. Ich lebe mit meinem Mann, meinen Kindern und meinen Tieren und das macht mich sehr, sehr glücklich.


Worauf sind Sie besonders stolz?


Eindeutig auf meine Familie. Ich liebe meinen Mann über alles, ich bin stolz auf meine fantastischen Kinder, die selbstständig sind und soziale Verantwortung zeigen. Mein Sohn Nicolas war letztes Jahr etwa in Guatemala, um behinderte Kinder zu unterstützen. Ich bin auch stolz auf unser Unternehmen, das immerhin 32.000 Mitarbeiter weltweit hat, und ich bin stolz darauf, dazu beitragen zu können, das Unternehmen gemeinsam mit der Familie in die Zukunft zu führen.


Haben Sie genug Zeit für die Familie, zwischen Business, Tieren und Terminen?

Qualität schlägt Quantität. Ich nehme mir für die Familie die Zeit, die ich brauche. Familie ist das Wichtigste.


Und berufliche Ziele? Was bedeuten die für Sie?


Mein Ziel ist, alles, was ich mache, für einen guten Zweck einzusetzen. Ich möchte durch meine Arbeit etwas weitergeben, Benachteiligten helfen und ja, wenn man so will, unseren Planeten retten. Zumindest will ich nichts unversucht lassen, das zu tun.


Wo sieht sich Fiona, die Ehefrau, Mutter und Unternehmerin, in zehn oder zwanzig Jahren?


Eindeutig in Afrika! Umgeben von meiner Familie und allen meinen Tieren!

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in guten … wie in schlechten Zeiten ein Team. KHG droht ein Mega-Prozess, Fiona steht eisern hinter ihm.
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