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People | 09.06.2017

"Ich will keine Dicke Haut"

Ingrid Felipe führt die Grünen als neue Bundessprecherin in die Zukunft. Wie Kind & Karriere funktionieren und warum sie sich keine dickere Haut zulegen will.

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Zuversichtlich. Ingrid Felipe sieht sich der Doppelbelastung gewachsen.

Es ist viel los im Büro von Ingrid Felipe im Innsbrucker Landhaus. Ein Interview folgt dem nächsten. Felipe wirkt gelöst und fokussiert zugleich. Die 38-Jährige, die gemeinsam mit ihrem Sohn (13) in Rum lebt, weiß, dass ihr die Doppelfunktion als Landeshauptmann-Stellvertreterin in Tirol und Bundessprecherin vieles abverlangen wird. Ein offenes Interview über Bauchentscheidungen, Mutterliebe und Persönlichkeitsarbeit.


War für Sie sofort klar, dass Sie den Posten der Parteichefin übernehmen wollen?

Ingrid Felipe: Das war schon eine überlegte Entscheidung. Als stellvertretende Bundessprecherin war es nicht ganz weit hergeholt, dass man mich fragen wird. Aber natürlich war die Frage, ob sich das alles ausgeht – auch unter dem Aspekt, in Tirol bleiben zu wollen. Insofern war es keine einfache, aber dann doch eine sehr eindeutige Entscheidung.

 

Haben Sie darüber nachgedacht, nach Wien zu gehen?

Nein. Vor allem aus der Verantwortung meiner Familie gegenüber. Mein Sohn ist 13 Jahre alt und ich bin alleinerziehend. Ich habe mit meiner Mutter, die mich unterstützt, genau drei Sätze darüber geredet und für uns beide war klar: Das geht jetzt nicht.

 

Was wollen und können Sie tun, um die Grünen national zu pushen?

Eine maßgebliche Geschichte war, dass wir diese Führungsentscheidung so getroffen haben. Es ist schon ein Signal gegen die One-Man-Shows und vermeintlich starken Männer, die aufgestellt werden, ein Frauen-Duo an die Spitze zu setzen. Abgesehen davon stehen wir für Menschenrechte, Demokratie, Solidarität. Werte, die dringend nötig sind.

 

Nervt es Sie, dass in Zusammenhang mit Ihrer Person immer auch darauf hingewiesen wird, dass Sie eine alleinerziehende Mutter sind?

Nein, ich finde das sogar sehr okay, weil es eine wichtige Facette in meinem Leben ist. Ich habe mit meiner Mutter, meiner Schwester und meinen Freunden ein stabiles Netzwerk. Auch der Vater von Tristan ist in Innsbruck und kümmert sich wochenendweise, wie man das von anderen kennt.


Wie steht Ihr 13-jähriger Sohn zur Entscheidung, noch mehr politische Verantwortung zu übernehmen?

Er findet das okay. Momentan ist die Mama ja eh gar nicht so interessant. (lacht)

 

Nicht zuletzt die Aussagen Ihrer Vorgängerin Eva Glawischnig haben wieder einmal verdeutlicht, wie belastend und aufreibend der Umgang in der Politik sein kann. Zieht einen das auf die Dauer nicht runter?

Auch das ist Persönlichkeitsarbeit. Man muss sehr achtsam mit sich selber umgehen. Ich werde auf einer persönlichen Ebene gecoacht. Natürlich mache ich das mit Freunden, aber ich habe darüber hinaus professionelle Begleitung. Insgesamt ist die politische Atmosphäre giftiger geworden. Es gibt diesen Sexismus. Für Frauen ist das alles noch um einen Zacken schärfer – mit den Rollen-Stereotypen, die uns zugeschrieben werden. Auch für die Männer ist es mittlerweile nicht mehr leicht. Da muss man schon auch Fairness einfordern.


Haben Sie bereits oder werden Sie sich eine dickere Haut zulegen müssen?

Die Frage ist, ob das eine dicke Haut oder ein starker Kern ist. Ich habe mich dafür entschieden, mein Inneres zu stärken und nicht dickhäutig zu werden.


Was können Frauen in der Politik besser als Männer?

Tendenziell weiblicher ist der Blick für das Ganze. Und was in der Politik schon wichtig ist, ist die Lebensrealität von Frauen einzubringen. Man muss im Job, daheim und im Freundeskreis funktionieren, soll gut ausschauen und bitte noch dünn sein … Und wie man das alles unter einen Hut bekommt, ist eine eigene Perspektive, die wir unbedingt im politischen Diskurs brauchen.


Sie gelten als gute Netzwerkerin. Haben Sie Tipps?

Bei mir ist es so, dass ich viel und gerne rede. Ich bin eine, die gerne mit anderen bei einem Gläschen zusammensitzt.

 

Wobei schalten Sie am besten ab?

Ich gehe sehr gerne mit Freunden aus, auch mal tanzen. Und ich gehe gerne im Wald spazieren. Das tut mir unheimlich gut.

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Nachfolge. Eva Glawischnig übergibt ihre Position an Ingrid Felipe und Ulrike Lunacek.

Nicht zuletzt die Aussagen Ihrer Vorgängerin Eva Glawischnig haben wieder einmal verdeutlicht, wie belastend und aufreibend der Umgang in der Politik sein kann. Zieht einen das auf die Dauer nicht runter?

Auch das ist Persönlichkeitsarbeit. Man muss sehr achtsam mit sich selber umgehen. Ich werde auf einer persönlichen Ebene gecoacht. Natürlich mache ich das mit Freunden, aber ich habe darüber hinaus professionelle Begleitung. Insgesamt ist die politische Atmosphäre giftiger geworden. Es gibt diesen Sexismus. Für Frauen ist das alles noch um einen Zacken schärfer – mit den Rollen-Stereotypen, die uns zugeschrieben werden. Auch für die Männer ist es mittlerweile nicht mehr leicht. Da muss man schon auch Fairness einfordern.


Haben Sie bereits oder werden Sie sich eine dickere Haut zulegen müssen?

Die Frage ist, ob das eine dicke Haut oder ein starker Kern ist. Ich habe mich dafür entschieden, mein Inneres zu stärken und nicht dickhäutig zu werden.


Was können Frauen in der Politik besser als Männer?

Tendenziell weiblicher ist der Blick für das Ganze. Und was in der Politik schon wichtig ist, ist die Lebensrealität von Frauen einzubringen. Man muss im Job, daheim und im Freundeskreis funktionieren, soll gut ausschauen und bitte noch dünn sein … Und wie man das alles unter einen Hut bekommt, ist eine eigene Perspektive, die wir unbedingt im politischen Diskurs brauchen.


Sie gelten als gute Netzwerkerin. Haben Sie Tipps?

Bei mir ist es so, dass ich viel und gerne rede. Ich bin eine, die gerne mit anderen bei einem Gläschen zusammensitzt.

 

Wobei schalten Sie am besten ab?

Ich gehe sehr gerne mit Freunden aus, auch mal tanzen. Und ich gehe gerne im Wald spazieren. Das tut mir unheimlich gut.

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