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People | 04.02.2016

"Ja, ich will!"

Irmgard Griss, ehemalige Präsidentin des Obersten Gerichtshofes, strebt als unabhängige Kandidatin nach dem höchsten Amt. Wir trafen die zielstrebige Dame zum Interview.

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Irmgard Griss, 69, war Präsidentin des OGH. Nun will sie als erste Frau in die Hofburg.

Auf dem Bauernhof ­ihrer Eltern in der Weststeiermark lernte Irmgard Griss schon früh zwei Dinge: erstens, die einfachen Dinge des Lebens zu schätzen. Zweitens, anzupacken. Und das Leben so zu gestalten, wie es sich für einen selbst „richtig anfühlt“. Geht nicht gibt’s nicht. Diese Lebens­devise strahlt die 69-Jährige aus. Aber auch Demut gegenüber dem Schicksal, das sie, die einfache Landwirts­tochter, zur „Studierten“ avancieren ließ. Es folgten eine Bilderbuch-Karriere, die späte Familiengründung („Ich war schon 38, als ich meinen ersten Sohn bekam“), ein Leben als berufstätige Mutter und Patchwork-Mama (ihr Mann brachte drei Kinder in die Ehe mit). Das Interview mit der Frau, die (O-Ton) „ein Gegenentwurf zum Teflon-Politiker“ sein möchte. Denn: „Ich will Dinge bewegen und in Gang setzen, Probleme nicht unter dem Aspekt lösen, was PR-mäßig am meisten bringt …“

„Voll berufs­tätig, mit Familie, das war für mich keine
leichte Zeit …“
Irmgard Griss

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Irmgard Griss im Talk: „Ich bin ein politischer Mensch, aber ich lasse mich nicht kategorisieren.“

Frau Dr. Griss, wie viel Geld haben Sie für den Wahlkampf schon gesammelt bzw. wie viel werden Sie brauchen?
Griss: Wir haben jetzt etwa 345.000 Euro; auf jeden Fall brauchen wir etwa 500.000 Euro. Um aber auch werben zu können, muss es mindestens eine Million Euro sein. Das ist noch immer viel weniger, als die anderen Kandidaten ausgeben werden.

Sie treten, wie Sie sagen, für mehr Transparenz und mehr Offenheit ein, werden von keiner Partei finanziert. Wo stehen Sie politisch? Als unpolitischer Mensch kommt man kaum auf die Idee, Bundespräsidentin werden zu wollen …
Griss:
Ich lasse mich nicht in ein Kasterl stecken, aber natürlich bin ich ein politischer Mensch. Jemand wie ich, der sein ganzes Leben für den Staat gearbeitet hat, hat immer auch das Allgemeinwohl im Blick. Als Richterin hat man ja nicht nur den einen Fall im Blick, den man jetzt entscheidet, sondern man trägt die Verantwortung dafür, dass die Justiz funktioniert. Als Präsidentin des Obersten Gerichtshofs hatte ich eine große Verantwortung und das Allgemeinwohl war mir immer ein großes Anliegen. Wenn sich dann die Gelegenheit ergibt, sich auch politisch in diesem Sinn zu engagieren …

… muss man sie wahrnehmen?
Griss: Genau (lacht).

Trotzdem: Warum wollen Sie Bundespräsidentin werden?
Griss: Weil ich etwas bewirken will. Wir sind in einer privilegierten Situation, wir haben alle Möglichkeiten, gut ausgebildete, motivierte Leute. Trotzdem wird vieles schlechtgemacht und schlechtgeredet. Hickhack auf allen Ebenen, Parteitaktik, die alles durchzieht. Wo man als Bürger nur noch das Gefühl hat: In erster Linie geht es darum, was nützt der jeweiligen Partei. Mich schockiert es als Juristin, wenn Politiker sagen: Wir machen es so und so, aber rechtlich haben wir das noch nicht geprüft. Politiker dürfen doch nur etwas vorschlagen, das auch realisierbar ist! Das kommt mir so vor, als würden den Leuten „Zuckerln“ hingeworfen, um Schlagzeilen zu bekommen.

"Wir sind in einer privilegierten Situation, wir haben alle Möglichkeiten, gut ausgebildete, motivierte Leute. Trotzdem wird vieles schlechtgemacht und schlechtgeredet."

 

Sie fordern, die Persönlichkeit der Kandidaten müsse wahlentscheidend sein. Welche Eigenschaften sind Ihrer Meinung nach dafür notwendig?
Griss: Grundvoraussetzungen sind Integrität und Kompetenz. Integer sein heißt ehrlich sein, redlich sein, den Menschen nichts vormachen, die zu sein, die man wirklich ist. Die notwendige Kompetenz bringt eine Person mit, die weiß, was ihre Aufgaben sind, und die aufgrund ihrer Ausbildung, ihres Wissens und ihrer Erfahrung diese Aufgaben auch gut erfüllen kann. Ganz entscheidend sind aber auch der Respekt vor den Menschen und die Wertschätzung für sie. Die Begeisterung für Österreich und seine Bürgerinnen und Bürger. Nur wenn man mit Leidenschaft bei der Sache ist, wird man sie auch gut machen.

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"Der Respekt vor und die Wertschätzung für die Menschen spielt in der Politik eine große Rolle."

Als erste Frau in diesem Amt würden Sie sicher auch einiges verändern – wie u. a. Frauen zu fördern, oder?
Griss: Ich war auch als Präsidentin des Obersten Gerichtshofs die erste Frau in diesem Amt, und natürlich habe ich auch einiges verändert. Frauen gelingt es oft besser, sich in andere hineinzuversetzen, etwas auch mit den Augen der anderen zu sehen. Und da fällt es dann leichter, die besondere Situation von Frauen zu sehen, die ja oft stärker belastet sind als Männer und – das ist ganz wichtig – sich oft weniger zutrauen. Frauen sind viel zurückhaltender. Sie zu ermuntern, ihr Selbstvertrauen zu stärken, ist mir ganz wichtig.

 

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Fotos: Stefan Joham

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