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People | 12.11.2015

Mari Malek erobert die Catwalks dieser Welt

Als Kind aus dem Sudan geflohen, eroberte Mari Malek die Catwalks dieser Welt und sorgt aktuell als DJ für Furore. Im Interview spricht sie über ihre Erfahrungen als Flüchtling – und ihr neues Leben.

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Beim Shooting zeigte Mari Malek Kreationen Wiener Modemacher

Sieht man diese schöne, stolze Frau heute, kann man sich kaum vorstellen, dass sie einst mit nichts als dem, was sie auf dem Leib trug, in die USA kam – nach einer mehrjährigen Flucht-Odyssee. Mit Anfang 20 wurde die Mutter einer Tochter als Model entdeckt, wirkte u. a. in Videos von Lady Gaga und Kanye West mit und ist heute in ihrer „Zweitkarriere“ als DJ ebenfalls sehr erfolgreich.

Das amerikanische Topmodel im Interview über seine Kindheit als Flüchtling aus dem Sudan.

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Kindheit im Sudan?

Mari Malek: Ich wurde während des zweiten Bürgerkriegs im Südsudan geboren. Trotz des Krieges hatte ich eine glückliche Kindheit, denn ich hatte ja meine Mutter, meinen Vater, meine Schwestern und Brüder. Natürlich war vieles hart, aber ich sah ja alles mit den Augen eines Kindes. Kinder tendieren dazu, sich auf das Gute zu konzentrieren, und das habe ich auch gemacht. 

Europa erfährt im Moment eine große Flüchtlingswelle. Wie haben Sie Ihre eigene Flucht erlebt?

Mari: Als meine Mutter mit mir und meinen zwei jüngeren Schwestern aus dem Sudan geflohen ist, waren die Dinge für Flüchtlinge noch ein kleines bisschen leichter. Es gab einige Länder, die ihre Grenzen offen hielten. Aber es war nicht einfach, später dauerhaft von einem Land aufgenommen zu werden, das Warten darauf konnte bis zu 10 Jahre dauern. Wir hatten Glück und wurden nach vier Jahren Wartezeit in Ägypten von den USA aufgenommen. Ich denke, wir müssen anfangen, einander schlicht als menschliche Wesen zu betrachten, denn es kann jedem zu jeder Zeit passieren, fliehen zu müssen. Meine Hochachtung all jenen, die sich für Flüchtlinge einsetzen und auf die Menschenrechte pochen. 

 

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DJ STILETTO.

Was möchten Sie europäischen Menschen sagen, die große Angst vor Flüchtlingen haben?

Mari: Angst ist unser größter Feind. Jeder kann in die Situation kommen, dass er Hilfe braucht. Man muss offen und couragiert bleiben. Ich bin ein Flüchtling, hätte uns kein anderes Land aufgenommen, wäre ich vielleicht nicht mehr hier. Heute bin ich Frau und Mutter und kann etwas zurückgeben. Man weiß nie, wie man das Leben eines anderen beeinflussen kann. 

Ihre Familie im Sudan war wohlhabend und gebildet. Hat Ihnen das geholfen, in den USA Fuß zu fassen?

Mari: Als wir in den USA ankamen, hatten wir gar nichts! Auch der Beruf meiner Mutter wurde nicht anerkannt. Was uns am meisten geholfen hat, war die Erfahrung unserer langen Reise. Sie machte uns stärker und zeigte uns die Kraft, die wir in uns haben. 

Hatten Sie das Gefühl, in der neuen Heimat willkommen zu sein?

Mari: In die USA zu kommen, war ein seltsames Gefühl. Eine Mischung aus Angst, Einsamkeit und Aufregung. Ich war aber noch jung und arglos, sodass ich alles annehmen konnte.

Wie sind Sie schließlich als Model entdeckt worden?

Mari: Ich wurde immer wie ein merkwürdiges Wesen behandelt, von manchen freundlich, von anderen nicht. Viele Leute fragten, ob ich nicht als Model arbeiten wollte, aber ich wusste nicht einmal, was das ist. Eines Tages, ich war noch ein Teenager, wurde ich zu einem Scouting-Event eingeladen, so begann das Modeln. Wobei ich denke, noch immer nicht komplett entdeckt worden zu sein (lacht).

Heute arbeiten Sie auch als DJ. Ist Musik der nächste Karriereschritt?

Mari: Ja, ich bin DJ Stiletto. Musik war immer Teil meines Lebens, sie heilt und inspiriert mich. Ich habe nie geplant, DJ zu werden, auch das ist mir passiert. Aber nun bin ich bereit, dieses Feld zu
erkunden und auch meine eigene Musik zu produzieren. Ich liebe es, kreativ zu sein, das liegt in meiner DNA. Musik wird also immer zu meinem Leben gehören – in der einen oder anderen Form. 

Nach all den Jahren und Ihrem Weg vom Sudan in die USA: Was bedeutet Ihnen der Begriff Heimat?

Mari: Es heißt ja: Heimat ist dort, wo dein Herz ist. Mein Herz ist im Südsudan, dem jüngsten Land der Welt. Wir sind, nach Jahrzehnten des Krieges, am 9. Juli 2011 unabhängig geworden. Ich freue mich auf unsere Zukunft. Und mein Herz ist auch überall dort, wo mich meine
Reise hinträgt. 

 

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Miss Malek (r.) mit Modelkollegin Ify Jones (l.) und Schauspielerin Kendra Etufunwa.

Fotos: ©Petra Benovsky Produktion & Styling Wolfgang Reichl Hair & Make-up Making of Fotoassistenz Thomas Kamenar Looks Wiener Modemacher

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