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People | 12.04.2016

Mein Leben mit drei Äpfeln TÄGLICH!

Magersucht. Ihre Model-Karriere hätte sie beinahe das Leben gekostet. In ihrem Tagebuch „Jamais assez maigre“ (Niemals dünn genug) rechnet Victoire Maçon Dauxerre mit den unmenschlichen Normen der Modebranche ab.

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"Jedesmal, wenn ich etwas aß, empfand ich es als scheitern." Victoire Maçon Dauxerre

Sie war gerade mit ihrer Mutter shoppen, als sie entdeckt wurde. Eigentlich wollte sich die damals 17-Jährige für ein Studium anmelden. Heute ist sie 23 und Schauspielerin. Dazwischen ging Victoire durch die Hölle. Ihre Magersucht gipfelte im Selbstmordversuch. Ihre Erfahrungen hat sie Anfang des Jahres in einem Buch veröffentlicht. Sie hat es als Warnung für junge Mädchen geschrieben, die den gleichen Weg wie sie gehen möchten. „Die Krankheit hat mein Leben verdorben, sogar noch fünf Jahre danach“, sagt sie.

 

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NEW YORK! Victoire Maçon Dauxerre wird für den Laufsteg vorbereitet.

Nie dünn genug. Am Beginn ihrer Modelkarriere wog sie 56 kg und ihr einziges Bestreben war, noch dünner zu werden. Für den Laufsteg muss man zumindest Größe 32 oder 34 haben. Im Buch erzählt sie, dass Karl Lager-feld die Models verächtlich als Kleiderständer bezeichnet, denen ein Chanel-Kostüm nicht passen würde, wenn sie zu viel Busen hätten. So beginnt Victoire eine drastische Diät: Sie isst drei Äpfel am Tag und trinkt Wasser mit Kohlensäure, weil das den Magen füllt. Wenn sie sich einmal in der Woche etwas Huhn oder Fisch gönnt, bekommt sie Bauchschmerzen. Trotzdem nimmt sie Unmengen von Abführmitteln zu sich. In ihrem Kopf hört sie immerfort die Stimme: „Du darfst nichts essen, du wirst zunehmen.“ Vor ihrem ersten Auftritt in New York hat sie Panikattacken. „Ich fühlte mich enorm dick und glaubte, niemals in die Kleider zu passen“, gesteht sie. Letztlich wiegt sie nur noch 47 kg, hat Größe 32 und einen BMI von 15, also knapp vor dem Hungertod. 

Supermodel. Aber sie bekommt die großen Aufträge und läuft etwa für Miu Miu oder Alexander McQueen.  Vor ihren Eltern versteckt sie ihr wahres Gewicht und trägt immer überdimensionale Pullover. Als ihre Mutter sie zu den Modeschauen begleitet, fällt sie unter den anderen Models gar nicht auf: „Mager sein war ganz normal.“ Victoire fühlt sich zunehmend einsam und schuldig, weil viele sie um ihren tollen Job beneiden. Sie wird immer schwächer und hat Schwierigkeiten, in Stöckelschuhen über den Laufsteg zu gehen. Nach sieben Monaten unternimmt sie einen Selbstmordversuch und verbringt drei Monate im Spital – der Beginn eines mehrjährigen Weges zurück zur Normalität. 

 

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Einer von drei Äpfeln am Tag. Die Hosen in Größe 34 schlottern an Victoire: 1,78 m groß, 47 kg, BMI 15.

Vorwürfe. Heute trägt sie Kleidergröße 38 und erhebt ihre Stimme gegen die Industrie: „Niemand sollte als Objekt behandelt werden. Die Agenten verpflichten die 17-jährigen Mädchen, wenn sie noch sehr zerbrechlich sind und ihre eigene Identität als Frau erst finden müssen. Dann reden sie ihnen ein, dass sie kleine Mädchen bleiben müssen, wenn sie Karriere machen wollen.“ Victoire hat ihre Krankheit überstanden und arbeitet an ihrer Schauspielkarriere: „Was mich wirklich gerettet hat, ist das Theater. Das erlaubt mir, Körper und Geist zu versöhnen.“ 

 

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ZU DICK! An der Hüfte müssen vor dem Flug nach N. Y. noch unbedingt 3 cm weg.
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BESTSELLER! Das Buch des französischen Ex-Modells erschien Anfang 2016 und stürmte sofort die Bestenliste.

TEXT URSULA SCHEIDL

FOTOS Getty Images / Julien Mignot photos de livre "Jamais assez maigre"

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