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People | 05.04.2017

Papa hat Zeit!

Väterkarenz. Exklusiv für look! schreibt Ö3-Comedy-Star und Autor Gregor Barcal über seine Zeit als Fulltime-Daddy von ­Matilda und viele neue, gute Erkenntnisse. Fazit: „Das Beste, was mir passieren konnte.“

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Zwei, die sich verstehen. Autor Gregor Barcal mit seiner entzückenden Tochter Matilda (heute zwei).

Am ersten Geburtstag meiner Tochter Matilda gab’s viel zu feiern. Erstens, sie ist nicht an der kleinen Kerze erstickt, im Gegenteil, sie hat sie bestens verdaut. Zweitens, ihre Mama hatte ihren ersten Arbeitstag und war zurück im Berufsleben. Drittens, es war mein erster Tag in Papakarenz – hipp, hipp, hurra! (Das war keine Produktwerbung).

Vor mir lagen zwei Monate Vater-Tochter-Quality-Time! Das hieß, ­jeden Tag in einem sonnigen Gastgarten Cappuccino schlürfen, während die Kleine im Kinderwagen vor sich hin schlummert. Danach sämtliche Spielplätze der Stadt erkunden und anerkennende Blicke von attraktiven Jungmüttern ernten. Soweit meine groben Vorstellungen von Papakarenz. War dann nicht ganz so.

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Bitte schlaf noch ein bisschen. © Gregor Barcal

Ich hatte schon auch Angst – vor dem frühen Aufstehen. Ich bin kein Morgenmensch. Einjährige eher schon. Dabei begann der erste Karenztag vielversprechend. Die Mutter war längst aus dem Haus, da haben Matilda und ich noch ewig weitergedöst – bis 6 Uhr! Aber das sollte sich in den folgenden Wochen noch deutlich verbessern – Matilda hat zwar nicht länger geschlafen, aber ich wurde immer früher wach. Ich habe sie dann minutenlang angestarrt. Und war gerührt. Fasziniert. Stolz. Dankbar. Einfach völlig in sie verschossen. Und wenn dann ihre kleinen Wimpern zuckten und sie endlich die Augen öffnete, sah ich in ihrem Blick, dass sie für mich genau die gleichen Gefüh... – nein, Moment, sie hatte nur Hunger. Ihre Sirene ging an.

 

Eine der ersten Erkentnisse als ­Karenzpapa: So ein Tag mit Kind, vor allem wenn er früh beginnt, kann sich hinziehen. Selbständige stille Beschäftigung im eigenen Wirkungskreis lehnte Matilda konsequent ab. Sie forderte permanente Aufsicht und Bespaßung. Da braucht’s ein Tagesprogramm, ­Aktivitäten, vielleicht sogar gemeinsam mit Gleichgesinnten? Mütter in Karenz machen das geschickt – die treffen sich in Zehnergruppen in pastellfarbig möblierten Cafés, umringt von einem Schutzwall aus Kinderwägen, der jedem Indianerangriff standhält. Ich war in Karenz eher der einsame Cowboy. Vormittags war ich auf dem Spielplatz oft der einzige Vater. Und erntete auch weniger anerkennende Blicke von Jungmüttern als vielmehr skeptische Blicke von Großmüttern. Ich suchte sogar auf Facebook Karenzväter-Interessensgruppen für gemeinsame Kind- und-Kegeln-Vormittage. Fehlanzeige.

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Soletti-Pause. © Gregor Barcal

Gastgartenbesuche fielen aus, weil Matilda es im geparkten Kinderwagen nie lange aushielt. Also wurden es fast tägliche Ausflüge zu zweit in die Natur. Die entpuppten sich als spannende Entdeckungsreisen – für uns beide. Matilda entdeckte Schnecken, von denen sie überholt wurde, ihren eigenen Schatten, der vor ihr davonlief und dass Brennnesseln eher kein „Ei-Ei“ wollen. Ich wiederum entdeckte die Entschleunigung, die Geduld, die Faszination für die Umwelt, den Blick auf die Welt aus einer anderen – etwa kniehohen – Perspektive.

Ich war dank Papakarenz auch live dabei bei wesentlichen Entwicklungsschritten ihres Lebens! Ich war da, als sie zum ersten Mal selbständig mit dem Löffel gegessen hat. Ich war da, als sie zum ersten Mal freihändig gestanden ist. Und ich war da, als sie ihren ersten schallenden Lachkrampf hatte (Mich hat’s spektakulär über ihre Kugelbahn geprackt).

Nichts davon werde ich vergessen. Sie so ziemlich alles. Aber irgendwann werde ich ihr euphorisch von unseren intensiven 60 Tagen erzählen. Bei einem von den 60 Cappuccinos, die sie mir schuldet.

Text: Gregor Barcal 

Fotos: Gregor Barcal

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