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People | 08.03.2017

Start-up als "Kernfrage"

Vision & Passion. Eveline Steinberger-Kern über ihr neues Projekt in Wien – ein Start-up-Zentrum, das neue Leben als öffentliche Frau an der Seite des Kanzlers und die toughen Anforderungen der digitalen Zukunft.

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„Ich möchte einen Mehrwert für Wien und Österreich schaffen.“ Eveline Steinberger-Kern

Es war vorher so und es wird auch so bleiben. Eveline Steinberger-Kern ist nicht die Frau an der Seite des Bundeskanzlers. Die Mutter einer Zehnjährigen ist vor allem toughe Unternehmerin und sehr aktiv in der Start-up-Szene. Neuester Coup der „Blue Minds Company“-Chefin mit Sitz in Wien und Tel Aviv: Gemeinsam mit dem Schweizer Hassen Kirmaci initiiert sie ab Sommer in den Räumlichkeiten des ehemaligen Stilwerks in Wien das größte Start-up-Zentrum Zentraleuropas.

Privat und Staat. Im Gespräch mit look! erklärt die attraktive Geschäftsfrau, was ein Start-up ausmacht, welche ökonomische Wertschöpfung sie sich vom Wiener Start-up-Hub für ganz Österreich verspricht und welche Herausforderungen die digitale Transformation für uns alle bedeutet. Und ja, natürlich hat sich das Leben der Familie Steinberger- Kern mit dem neuen Job als Kanzler ziemlich verändert. Eveline Steinberger- Kern aber sagt: „In unserem Grätzel lässt man uns unsere Privatsphäre.“

 

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Eveline Steinberger-Kern im Gespräch mit look!

look: Bevor wir zum „Kernthema“ Start-up kommen: Wie hat sich Ihr Leben und das Ihrer Familie mit dem Jobwechsel Ihres Mannes verändert?

Eveline Steinberger-Kern: Wir haben uns wunderbar darauf eingestellt und versucht, es als weitere berufliche Station meines Mannes zu sehen. Natürlich steht man mehr in der Öffentlichkeit – vor allem natürlich Christian. Aber die Leute begegnen uns immer freundlich. Erst neulich wieder bei meinem Geburtstagsessen vor ein paar Wochen: Man lässt uns auch unsere Privatsphäre. Außerdem wohnen wir im siebten Bezirk in einem Grätzel, in dem uns viele – vom Trafikanten bis zum Installateur, persönlich kennen. Aber: Woran man sich gewöhnen muss, ist, dass Bundeskanzler ein Job an 365 Tagen im Jahr und oft bis in die Nacht hinein ist.

 

Sie arbeiten auch oft 60 Stunden in der Woche. Darf ich fragen, wie Sie mal entspannen?

Meine Tochter und ich borgen uns den Hund von Freunden aus und gehen gerne spazieren. Ich laufe sehr gern im Wald und entspanne bei Musik. Derzeit bei der von Idan Raichel. Außerdem spielen wir  leidenschaftlich gerne Backgammon.

 

Der Grund, warum Ihre Arbeitstage aktuell sehr intensiv sind, ist, dass Sie ein Start-up-Hub in Wien initiiert haben, das demnächst Realität wird. Darf ich vorab einfach mal die Frage stellen: Was genau ist ein Start-up und was unterscheidet es von der Gründung eines „normalen“ Unternehmens?

Gut, dass Sie diese Frage stellen, weil nicht jede Neugründung auch ein Startup ist. Ein Start-up ist für mich ein Unternehmen, das sich mit einem disruptiven Geschäftsmodell beschäftigt. Das heißt, dieses Geschäftsmodell verändert viel, stellt Dinge auf den Kopf. Und zum Zweiten muss ein Start-up international funktionieren und ausrollbar sein. Ein prominentes Beispiel ist „Airbnb“, das im Bereich der Hotellerie alles infrage stellt und international reüssiert. Und natürlich ist ein Start-up immer mit einem hohen Risiko verbunden.

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Die Kerns bei der Look ! Woman of the Year Gala 2016 © BREUEL-BILD / dpa Picture Alliance / picturedesk.com

Sie sind selbst „Inkubatorin“, also helfen Start-ups ins Leben. Wie schaut die Start-up-Szene in Österreich im internationalen Vergleich aus?

In den letzten fünf bis zehn Jahren hat sich hier einerseits die Szene für Start-up-Gründer sicherlich weiterentwickelt; hinter Innovationsregionen wie Silicon Valley oder Israel liegen wir allerdings noch meilenweit. Und andererseits etabliert sich auch eine Szene mit Risikokapital. Beides geht natürlich Hand in Hand. Es ist wichtig, dass es nun in diese Richtung geht. Denn der Druck der digitalen Transformation trifft alle Branchen. Die gute Nachricht ist: Die digitale Transformation wird nie mehr so langsam sein wie heute. Aber es gilt für jede Industrie, jede Branche und jedes Unternehmen, sich proaktiv mit der digitalen Transformation auseinanderzusetzen. Allein der digitale Markt der G20-Staaten hat lt. WEF einen Wert von 4,2 Billionen Dollar – das ist eine gewaltige ökonomische Größe. Und 90 Prozent der Jobs, die wir in Zukunft ausüben, werden irgendwie mit Informations- und Kommunikationstechnologien zu tun haben. Skills,die damit einhergehen, wie Coden/Programmieren, kreatives Denken, Wissensmanagement etc., werden eine wichtige Rolle spielen. Und ich bin absolut dafür, dass man Kinder sehr früh an das Umgehen mit Zahlen und Programmieren gewöhnt.

 

Ihr neuester Coup: Sie sind Mit-Initiatorin eines Start-up-Hubs, eines Start up-Zentrums, das im Sommer in Wien starten soll. Was ist das genau?

Initiator und Gründer dieser Idee ist Hassen Kirmaci aus der Schweiz. Es geht um die Vision, etwas Großes in Sachen Innovation und Digitalisierung in Österreich, in Wien zu etablieren, das auf dem Prinzip des Wir-Gedankens aufbaut. Deswegen nennen wir uns weXelerate. Hinter weXelerate stehen private Unternehmer und Investoren. In Österreich gibt es Top-Industrie und Top-Wirtschaftsbetriebe, die weltweit erfolgreich im Geschäft stehen und dafür selbstverständlich auch digitale Skills benötigen. Diese wollen wir mit weXelerate nun im eigenen Land offerieren und bereitstellen. Mit weXelerate sind wir auf dem besten Weg, ein top innovatives Öko-System zu bauen, indem wir die weltbesten Start-ups mit unserer heimischen Wirtschaft und Industrie zusammenbringen. Es gilt dabei auch, den Wettbewerb um die besten Köpfe für uns zu entscheiden. Und es geht darum, Österreich als Standort für Themen wie Internet of Things, Blockchain, digital media oder Fintech attraktiv und fit zu machen. Diese Basis schaffen wir mit weXelerate. Ab Sommer geht es im Wiener Sofitel-Tower der Uniqa auf 8.000 Quadratmetern los. Jeweils 50 Start-ups ziehen für jeweils 100 Tage in die Räumlichkeiten des ehemaligen Stilwerks ein und werden von Top-Inkubatoren maßgeschneidert gecoacht, um ihr Geschäftsmodell beschleunigt in den Markt zu bringen. Zwei solche Durchgänge wird es pro Jahr geben. Das heißt, wir screenen pro Jahr 10.000 Bewerbungen internationaler Start-ups, um am Ende 100 Start-ups pro Jahr durch das weXelerate-Akzelerator-Programm zu „jagen“ und diese für unsere Industrie, für unsere Investoren geschäftsreif zu machen. Wir alle, die wir hier leben, werden davon profitieren, wenn sich in Österreich neue Unternehmungen ansiedeln, neue Talente tummeln und Wertschöpfung und Jobs schaffen. Ich sehe darin einen sehr großen Mehrwert, eine große Chance.

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Eveline Steinberger-Kern

Aber leider ist auch die Start-up-Szene aktuell noch eine Männerdomäne …

Deshalb haben wir als Mütter die Verpflichtung, unsere Töchter früh an diese Thematik und die diversen Skills heranzuführen, damit sie in Zukunft ihr Potenzial ausleben können.

 

Wie bereiten Sie Ihre Tochter auf diese sich verändernde Zukunft vor?

Es ist sehr tough, zweifelsohne, unsere Kinder auf die digitale Zukunft vorzubereiten! Und da gibt es nur eine Zauberformel: Bildung, Bildung, Bildung. Vom Kindergartenalter an! Ich versuche ihr vor allem auch beizubringen, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und keine Berührungsängste zu haben. Vieles auszutesten. Dafür biete ich, so gut wie möglich, das Umfeld.

Fotografiert von BUBU DUJMIC.

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